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18.03.2010

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Inland
Brandenburg: Neonazis schlagen Journalistin nieder
Rechtsextremes Treffen in Brandenburg

Neonazis schlagen Journalistin nieder

Es geschah am helllichten Tag, mitten in einem gut besuchten Supermarkt: Neonazis haben im brandenburgischen Blankenfelde eine Fernsehjournalistin und einen Fotografen angegriffen und gewürgt. Sie sei gezielt ins Gesicht geschlagen worden, der Fotograf sei von den Neonazis drangsaliert worden. Die Polizei sei erst etwa 45 Minuten nach dem ersten Anruf eingetroffen, berichteten die Journalistin Andrea Röpke und ihr Kollege gegenüber tagesschau.de.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Röpke wollte in Begleitung des Fotografen über ein Treffen der "Heimattreuen deutschen Jugend" (HdJ) in Blankenfelde berichten. Diese neonazistische Organisation könnte eine Nachfolgeorganisation der verbotenen "Wiking Jugend" sein, vermuten Experten. Die HdJ führt Zeltlager durch, Reisen nach Südtirol und Schweden, organisiert Sonnenwendfeiern und andere Veranstaltungen für Jugendliche. So will die HdJ Nachwuchskräfte für die Neonazi-Szene rekrutieren. Auch viele Kinder von Neonazis werden zur HdJ geschickt, sie ist ein Teil der rechten Parallelwelt, die Menschen von der Wiege bis zur Bahre integrieren soll. "Kinder ab sechs Jahre werden sowohl geistig als auch militärisch ausgebildet", heißt es in der Selbstbeschreibung der HdJ.

Mutmaßliche Angreifer in Blankenfelde, Brandenburg Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Laut der Aussage der Journalistin Andrea Röpke und eines Fotografen wurden sie von diesen drei Männern angegriffen und geschlagen. Als die Polizei eintraf, waren die mutmaßlichen Täter allerdings verschwunden. (Quelle: Recherche-Nord) ]
Bei dem Neonazi-Treffen in Blankenfelde waren rund 200 Personen anwesend, darunter viele Frauen und Kinder. Obwohl Röpke das Landeskriminalamt (LKA) in Berlin über das geplante und nicht angemeldete Treffen der Neonazis informiert hatte, waren offenbar keine Beamte vor Ort. In Berlin hatten sich die Neonazis vor dem eigentlichen Treffen gesammelt, um gemeinsam zu der Veranstaltung vor den Toren der Hauptstadt zu fahren. Röpke dokumentierte mit ihrer Kamera das Treiben vor dem Veranstaltungsort - aus Sicherheitsgründen verdeckt neben einem Supermarkt aus etwa 100 Metern Entfernung. Denn die Journalistin wurde nicht das erste Mal wegen ihrer Arbeit von Neonazis angegriffen. Trotz der Vorsichtsmaßnahme seien sie aber von den Rechtsextremisten bemerkt worden, so Röpke. Drei Neonazis gingen zum Angriff über, Röpke und ihr Begleiter flüchteten in den gut besuchten Supermarkt. Dort schubsten die Neonazis die Journalistin mehrmals zu Boden, schlugen ihr ins Gesicht. Auch der Kameramann wurde geschlagen und gewürgt.

Polizei ließ offenbar auf sich warten

Nach der Tat habe es rund 45 Minuten gedauert, bis die Polizei eintraf, berichteten Röpke und ihr Begleiter gegenüber tagesschau.de übereinstimmend. Auch die später eingetroffenen Sanitäter hätten mehrmals über Funk Polizeikräfte angefordert, da sich vor dem Supermarkt immer mehr Neonazis sammelten. Die Journalistin bat viele Augenzeugen darum, eine Zeugenaussage bei der Polizei zu machen, doch niemand sei dazu bereit gewesen, so Röpke. "Alle hatten Angst!" Die Neonazis bedrohten später auch noch einen Kameramann des RBB, berichtet das Magazin "Brandenburg aktuell".

Röpke berichtet seit Jahren über Rechtsextremismus in Deutschland, unter anderem für das ARD-Magazin "Panorama". Eine Sprecherin des LKA in Berlin sagte auf Anfrage von tagesschau.de, man habe die Informationen über das geplante Treffen nach Brandenburg weitergeleitet. Weitere Informationen lägen nicht vor. In den für Blankenfelde zuständigen Stellen in Brandenburg wollte man sich nicht zu den Vorgängen äußern.

Stand: 05.11.2006 16:11 Uhr
 

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