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[Bildunterschrift: Undatiertes Bild des mutmaßlichen Amokläufers von Emsdetten ]
Der Amoklauf von Emsdetten hat die Erinnerung an den Amoklauf von Erfurt vor vier Jahren wach gerufen - und eine ähnliche Debatte losgetreten: die um den Zusammenhang zwischen Computerspielen und Gewalt sowie um ein Verbot von so genannten Ego-Shooter-Spielen. Doch Politiker und Medienwissenschafter warnen: „Blinder Aktionismus“ löse das Problem nicht.
Von Britta Scholtys, tagesschau.de
Das Entsetzen nach dem Amoklauf von Emsdetten ist groß, die Erinnerung an den Amoklauf von Erfurt vor vier Jahren wieder hellwach. Damals wie jetzt stürmte ein bewaffneter Schüler in eine Schule, ballerte um sich und erschoss am Ende sich selbst. In Erfurt kamen 16 Menschen ums Leben, in Emsdetten nur der 18-jährige Attentäter selbst.
Beide Täter waren junge Männer, die unter anderem Computerspiele spielten. Das ist nun für viele Politiker Anlass, erneut ein Verbot von so genannten „Killerspielen“ zu fordern - unter anderen für Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber oder Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm.
Allerdings hatte die Politik bereits nach dem Erfurter Amoklauf von 2002 ihre Konsequenzen gezogen und das Jugendschutzgesetz geändert. Seit 2003 gelten damit auch für Computerspiele neue Regeln. Sie werden von der „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK) begutachtet und eingestuft - von der „Freigabe ohne Altersbeschränkung“ bis „Keine Jugendfreigabe“. Kritiker werfen der USK allerdings vor, dass sie auch gewaltverherrlichende Spiele noch für Jugendliche ab 16 oder Erwachsene ab 18 Jahren freigibt.
Doch dass der Konsum von Gewaltdarstellungen eine direkte Auswirkung auf das Verhalten des Betrachters oder Spielers habe, ist keineswegs belegt. Im Gegenteil: Empirische Nachweise für diese „monokausalen und linearen Zusammenhänge“ gebe es in der Forschung nicht, sagt Medienwissenschaftler Achim Hackenberg von der Freien Universität Berlin. Der Prozess der Medienwahrnehmung und –verarbeitung gestalte sich vielmehr so, dass sich die Jugendlichen die Filme oder Computerspiele suchten, die zu ihren Themen und Lebenssituationen passten, betont der Wissenschaftler gegenüber tagesschau.de.
[Bildunterschrift: Ein Jugendlicher spielt das umstrittene Computerspiel Counterstrike ]
Der Experte warnt davor, die beiden Amokläufe aus Erfurt und Emsdetten miteinander zu vergleichen. „Sie müssen als Einzelfälle betrachtet werden“, fordert er. Denn die Ursachen für die „Entwicklungs- oder Persönlichkeitsstörung dieser beiden jungen Männer“ könnten – bei ähnlicher Tat - völlig unterschiedlich sein. Bei dem Prozess, sich zu einem gewalttätigen Jugendlichen zu entwickeln, spielten zahlreiche Faktoren eine Rolle, unter anderem Erfahrungen im Elternhaus, in der Schule, Frustrationserlebnisse. Der Konsum von bestimmten Medieninhalten und Computerspielen sei vielmehr das, was dazu kommt, „was in das Weltbild des Jugendlichen passt“, betont der Experte.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht das anders. „Wir haben in Emsdetten die Wiederholung von Erfurt mit geringeren Folgen“, sagt er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Für ihn steht der Zusammenhang zwischen gewaltverherrlichenden Computerspielen und den Amokläufern von Erfurt und Emsdetten fest. Gefestigte Jugendliche könnten solche Szenarien am Computer spielen, ohne Amokläufer zu werden. „Aber für jeden, der keinen Rückhalt hat, sind die dort erlebten Machtgefühle Entschädigung für ihre Demütigung“, sagt er dem Blatt.
Ob ein Verbot solcher Spiele jedoch das Problem lösen kann, bleibt fraglich. Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht die Ursachen für den Gewaltexzess der beiden jungen Männer weniger im so genannten „Killerspiel“ als eben genau darin, dass es der Schule und dem Elternhaus nicht gelungen sei, „diesem Jungen eine reale Welt mit realen Herausforderungen zu vermitteln“. Der Jugendforscher fordert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: Jede Schule müsste zwei bis drei geschulte Beratungslehrer haben, die in solchen Fällen „Hilfe holen".
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