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10.02.2010

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Streit ums Logo: Grüne Köpfe und blaue Balken
Streit um Grünen-Logo

Grüne Köpfe und blaue Balken

Die Delegierten des Parteitages haben das neue Grünen-Logo durchfallen lassen. Eine peinliche Schlappe für den Bundesvorstand - mit bizarren Folgen: Schon einen Tag nach der Abstimmung ist das neue Wappen spurlos verschwunden.

Von Frank Thadeusz, tagesschau.de, z. Zt. Köln

Ob die PR-Abteilung des Mobilfunkkonzerns O2 wohl sauer ist auf die widerspenstigen Delegierten des grünen Parteitages? Die Firma hatte hübsche Werbeplakate drucken lassen, auf denen sich das Meerblau des Handyanbieters aufs Harmonischste mit dem satten Grün des neuen Logos der Ökopartei verband. Am Morgen des zweiten Tages der Bundesdelegiertenkonferenz in der Kölner Messe hatte eine fleißige Hand allerdings die bereits geklebten Poster wieder abgehängt. Denn die frischen Druckerzeugnisse waren längst schon wieder veraltet.

Parteitag von Bündnis90/Die Grünen (Standbild) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Wo ist eigentlich der blaue Balken" - fragten sich die Teilnehmer des Grünen-Parteitags]
Bündnis 90 Die Grünen Logo Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das abgelehnte Grünen-Logo ]
 
Eine große Zahl der grünen Delegierten hatte sich gegen das neue Logo ausgesprochen, das die Agentur "Zum goldenen Hirschen" für 5000 Euro für die Partei um Roth und Bütikofer entworfen hat. Basisdemokratisch, wie die Grünen noch immer sind, hatte der Parteivorstand die Neuschöpfung auch gleich von der Bühne abhängen lassen.

Wappen im Mülleimer

Die peinliche Abstimmungslage um das Logo scheint die Parteitagsregie allerdings auch gleich zu einer Art großer Säuberung veranlasst zu haben. Wer noch einmal einen Blick auf das im Mülleimer gelandete Wappen werfen will, sollte danach nicht in der Kölner Messe suchen. Der Entwurf der Werbeagentur ist offenbar so gründlich getilgt worden, als hätte er nie existiert.

Eine weitere Folge des Kölner Wappenstreits: Die Redner auf der Bühne sprechen inzwischen vor einem blauen Hintergrund. Zumindest im Fernsehausschnitt könnte man dadurch den Eindruck gewinnen, man wohne einem FDP-Parteitag bei. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Seit kurzem wollen die Liberalen den Grünen das Thema Ökologie streitig machen.

 Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Grünen-Chef Bütikofer muss seine Rede auf dem Parteitag vor ungewohnter Farbe halten ]

Die Farbe Blau hatte etliche Delegierte bereits bei der Vorstellung des neuen Logos zu gehässigen Kommentaren veranlasst. Im alten, noch immer aktuellen Zeichen, symbolisierte eine große blaue Fläche das Bündnis 90 aus den neuen Ländern, das sich nach der Wende mit den West-Grünen vereint hatte. Im neuen Entwurf war diese Blaufläche zu einem schmalen Balken unter einem massigen grünen Rechteck zusammen geschrumpft.

"Der Himmel oder das Wasser"

Luftballon mit dem umstrittenen Logo (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Luftballon mit dem umstrittenen Logo ]
Hilflos mit den Armen rudernd, hatte Claudia Roth die Existenz des blauen Reststrichs zu rechtfertigen versucht: "Das kann der Himmel sein oder auch das Wasser", fabulierte die Parteichefin unter garstigem Gelächter des Auditoriums. Beobachter vertieften sich in der Folge in die tiefere Symboldeutung: "Wo ist eigentlich der blaue Balken – wo sind die grünen Köpfe aus dem Osten?", war eine der zu hörenden Fragen.

Parteichef Reinhard Bütikofer werden in diesen Momenten gleichwohl andere Gedanken bewegt haben. Er hatte sich während der Logo-Debatte auf seinem Stuhl lang gemacht, den runden Kopf auf das Kinn gelegt und mit unbewegter Miene in die Menge gestarrt. Statt das neue Wappen abzuhängen, hätte der impulsive Mann vermutlich lieber die Delegierten mit jenen Blumentöpfen beworfen, die als schmückendes Beiwerk auf der Bühne drapiert wurden.

Stand: 02.12.2006 15:55 Uhr
 

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