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10.02.2010

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Deutsche U-Boote für Pakistan?
Rüstungsgeschäft

Deutsche U-Boote für Pakistan?

Deutsche Firmen um die Kieler Werft HDW verhandeln derzeit mit Pakistan über die Lieferung von drei U-Booten. Das berichtet das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS). Demnach will Pakistan drei U-Boote kaufen und im eigenen Land zusammenbauen. Aus Deutschland sollen dazu vorgefertigte U-Bootsektionen geliefert werden.

Für mehr als eine Milliarde Euro bei dem 1,2 Milliarden Euro teuren Projekt solle der deutsche Steuerzahler bürgen. Das gehe aus einer internen Vorlage des Finanzministeriums hervor, die dem Haushaltsausschuss des Bundestages kürzlich vorgelegt worden sei, so das BITS.

Weiter fahren, länger tauchen, kaum zu orten

U-Boot des Typs 214 Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: U-Boote des Typs 214 werden von in Kiel bei der Werft HDW gebaut ]
Bei der geplanten Lieferung handele es sich den Angaben zufolge um U-Boote vom neusten Typ U-214, die speziell für den Export entwickelt wurden. Griechenland und Südkorea haben ihn bereits bestellt, die Griechen ein erstes Boot erhalten. Die 65 Meter langen Schiffe sind größer als die U-Boote der Klassen 212A, die die Bundeswehr beschafft. Sie verfügen über einen modifizierten Brennstoffzellenantrieb, der sie von der Außenluft unabhängig macht. Damit können die Boote deutlich größere Strecken absolvieren und länger tauchen als konventionelle Diesel-U-Boote. Zudem sind sie kaum zu orten. Die U-Boote sind mit acht Torpedorohren des Standardkalibers 533 Millimeter ausgerüstet, von denen aus Torpedos, Flugkörper und Minen eingesetzt werden können.

Pakistan - "problematisches Empfängerland"

Das BITS kritisiert das "scheinbar normale U-Boot-Geschäft", weil es sich bei Pakistan um ein "problematisches Empfängerland" handele. Innenpolitisch ist Pakistan höchst instabil. Die prowestlich orientierte Militärregierung Pervez Muscharraf läuft Gefahr, von radikalislamischen Kräften gestürzt zu werden. Diese haben starke Verbündete, bis hinein in den Pakistanischen Geheimdienst ISI. Muscharraf selbst hatte 1999 mit einem Militärputsch die Macht übernommen.

Dem Atomwaffensperrvertrag trat das Land nie bei. Seit 1998 besitzt es Atomwaffen. Der "Vater der pakistanischen Atombombe", Abdul Qadeer Khan, gilt als Kopf des internationalen Atomschmuggels, der Nordkorea, Libyen und Iran zur Bombe verhelfen wollte. Pakistan entwickelt erfolgreich Raketen und Marschflugkörper. Es arbeitet an Nuklearwaffen, die klein und leicht genug sind, damit sie von solchen Trägersystemen transportiert werden können.

Babur-Abschuss von See in Planung

Zu den Waffenentwicklungen zählt laut BITS auch ein Marschflugkörper namens Babur, der 2005 erstmals getestet worden sein soll. Noch werden die Babur-Marschflugköper nur von Land gestartet. Eine seegestützte Version ist nach BITS-Recherchen geplant. Demnach sollen künftige U-Boote Pakistans mit Babur-Flugkörpern ausgestattet werden.

Bundesregierung offenbar bedenkenlos

Die Bundesregierung hat offenbar keine Bedenken gegen das geplante U-Boot-Geschäft. Laut BITS begründet sie ihre Unterstützung für HDW und die Mutterfirma Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) rein wirtschaftlich: "Mit dem Erhalt des Auftrags würde der deutsche Exporteur in die Lage versetzt, die aktuellen Entwicklungserfolge in der Technik der U-Boot-Fertigung, speziell in der Brennstoffzellenfertigung zu festigen und langfristig zu sichern. Hinzu kommen die entsprechenden Beschäftigungswirkungen (...)"

Und die Regierung sieht offenbar Perspektiven für die deutsche Rüstungsindustrie. Als beleg zitiert BITS weiter aus der internen Vorlage des Finanzministeriums: "Der Auftrag bietet zudem die Chance auf künftige Aufträge, da die pakistanische Marine angabegemäß an einer langfristigen Partnerschaft interessiert ist." Wie BITS berichtet, möchte Pakistan später weitere U-Boote ordern und zeigt sich auch an deutschen Fregatten und Korvetten des Typs MEKO A200 bzw. A100 interessiert. Deren Hersteller, Blohm & Voss, gehört ebenfalls zu TKMS.

Stand: 25.04.2007 13:56 Uhr
 

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