Das Schweigen der Täter Unaufgeklärte Verbrechen der RAF

Stand: 24.04.2007 11:50 Uhr

Die terroristische "Rote Armee Fraktion" (RAF) hat nach eigenen Angaben mit "gezielt tödlichen Aktionen Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat" ermordet. Auch 30 Jahre nach dem Terrorjahr 1977 ist in vielen Fällen nicht geklärt, wer den Finger am Abzug hatte oder die Bomben zündete.

7. April 1977: Die zugedeckten Leichen von Generalbundesanwalt Buback und seinem Fahrers in Karlsruhe
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7. April 1977: Die Leichen von Generalbundesanwalt Buback und seinem Fahrer in Karlsruhe

Bis heute wissen die Angehörigen nicht genau, wer am 7. April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleiter in Karlsruhe erschossen hat. Zu der Tat bekannte sich ein "Kommando Ulrike Meinhof". zu diesem waren auch Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar und Knut Folkerts gezählt worden, die unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes in diesem Fall zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Seitdem das ehemalige RAF-Mitglied Peter Jürgen Boock in der Diskussion um eine Begnadigung Klars angedeutet hatte, dass Ex-RAF-Mann Stefan Wisniewski auf Buback geschossen habe, wurden die Ermittlungen zum Mord an Buback wieder aufgenommen. Gegen Wisniewski bestehe ein Anfangsverdacht, teilte die Generalbundesanwaltschaft am 25. April 2007 mit.

Die Richter gingen auch von einer Mittäterschaft von Günter Sonnenberg aus. Dieser war wegen gemeinschaftlichen Mordversuchs an zwei Polizisten zu einer zwei Mal lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden - nicht aber wegen der Ermordung von Siegfried Buback. Mit Rücksicht auf eine schwere Kopfverletzung, die er bei seiner Festnahme 1977 erlitten hatte, wurde das Verfahren wegen des Buback-Mordes 1982 eingestellt. 1992 kam Sonnenberg vorzeitig nach 15 Jahren aus der Haft.

Nach Mohnhaupt und Klar folgte die "dritte Generation"

Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer (Archivbild)
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RAF-Entführerbild des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer (Archivbild)

Auch die Identität des Todesschützen bei der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer haben die Teilnehmer des anonymen RAF-"Kommandos Siegfried Hausner" nie verraten. Sechs Wochen nach der Verschleppung in Köln wurde Schleyers Leiche am 19. Oktober 1977 im Elsass mit drei Kugeln im Hinterkopf gefunden. Die auf Mohnhaupt und Klar folgende "dritte Generation" der RAF gab ebenfalls keine Täternamen preis. So fehlt immer noch jede Spur von dem Scharfschützen, der Treuhand-Chef Detlev Carsten Rohwedder am 1. April 1991 in Düsseldorf tödlich traf. Haar-Analysen brachten den 1993 in Bad Kleinen erschossenen Wolfgang Grams mit der Tat in Verbindung.

Rätsel blieben auch nach dem Mord an Alfred Herrhausen, dem Chef der Deutschen Bank. Wer am 30. November 1989 in Bad Homburg seine gepanzerte Limousine in die Luft jagte, wissen die Ermittler bis heute nicht. Der Bundesanwaltschaft fehlten letzte Beweise für eine Beteiligung der 1999 festgenommenen Andrea Klump.

Beckurts wurde durch eine Bombe getötet

Aus dem Revolver, mit dem 1977 Schleyer erschossen wurde, kamen am 10. Oktober 1986 auch die tödlichen Schüsse auf den Bonner Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl. Dies ist die wichtigste Erkenntnis über das "Kommando Ingrid Schubert", dem der vermummte Mörder angehörte.

Wie Herrhausen wurde der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts am 9. Juli 1986 bei München mit einer Bombe getötet. Wer konkret hinter dem "Kommando Mara Cagol" steckte, bleibt rätselhaft. Der verdächtigte Horst Ludwig Meyer wurde 1999 in Wien erschossen. Auf das Konto der nicht identifizierten Beckurts-Mörder ging nach Einschätzung der Behörden bereits der tödliche Anschlag auf den Industriellen Ernst Zimmermann im Februar 1985 in Gauting bei München. Alle Täterspuren führten aber ins Leere.

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