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10.02.2010

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Hintergrund: Die Vorsitzenden der SPD

Franz Müntefering tritt mit dem SPD-Parteivorsitz ein traditionsreiches und schweres Erbe an. Neun Parteivorsitzende hatte die SPD seit dem Zweiten Weltkrieg - darunter legendäre Persönlichkeiten wie Kurt Schumacher oder Willy Brandt. Letzterer führte die Partei mit 23 Jahren am längsten. Die Amtszeiten seiner Nachfolger waren hingegen meist recht kurz - Gerhard Schröder hielt mit fünf Jahren noch am längsten an der Spitze durch.

Die Parteivorsitzenden der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg:

1946-1952
Kurt Schumacher übernahm nach dem Krieg den Wiederaufbau der deutschen Sozialdemokratie. Bei der ersten Bundestagswahl musste er sich aber Konrad Adenauer geschlagen geben. Schumacher leitete die Partei sechseinhalb Jahre bis zu seinem Tod im August 1952.

1952-1963
Erich Ollenhauer folgte ihm für mehr als ein Jahrzehnt im Amt nach. Wegen der ständigen Wahlniederlagen der SPD war er jedoch nicht immer unangefochten. Auch er blieb bis zu seinem Tod im Amt.

1964-1987
Willy Brandt führte die SPD erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte an die Regierung. Den Anfang bildete 1966 die Beteiligung an der Großen Koalition unter CDU-Kanzler Kurt Georg Kiesinger. 1969 wurde Brandt Kanzler der sozialliberalen Koalition. Auch als er dieses Amt wegen der Guillaume-Affäre an Helmut Schmidt abgab, behielt Brandt den Parteivorsitz sogar noch fünf Jahre über den Verlust der SPD-Regierungsmehrheit im Jahr 1982 hinaus.

1987-1991
Hans-Jochen Vogel sah seine Aufgabe vor allem darin, die SPD in der Opposition wieder zu konsolidieren. Die Kanzlerkandidatur überließ er 1990 aber Oskar Lafontaine.

1991-1993
Björn Engholm galt als neuer Hoffnungsträger der Partei. Nach der so genannten Kieler Schubladen-Affäre musste der Schleswig-Holsteiner den Parteivorsitz aber noch vor dem Wahltermin wieder abgeben, zunächst kommissarisch an seinen Stellvertreter Johannes Rau.

1993-1995
Rudolph Scharping war der bislang einzige SPD-Chef, der in einer Mitgliederbefragung gewählt wurde. Er setzte sich damals nicht nur gegen Heidemarie Wieczorek-Zeul durch, sondern auch gegen den heutigen Kanzler Gerhard Schröder. Bei der Bundestagswahl 1994 verpasste er den Wahlsieg aber knapp.

1995-1999
Oskar Lafontaine setzte sich auf einem Parteitag per Kampfabstimmung gegen Scharping durch. Gemeinsam mit Schröder wurde er zum Architekten des Wahlsieges von 1998, der die SPD nach 16 Jahren Opposition wieder an die Regierung brachte. Nach Meinungsverschiedenheiten mit Schröder zog er sich jedoch nur rund ein halbes Jahr später unter Aufgabe aller Ämter in seine saarländische Heimat zurück.

1999-2004
Daraufhin führte Schröder Kanzleramt und Parteivorsitz wieder zusammen. Allerdings wurde ihm in den folgenden Jahren wiederholt vorgeworfen, dem Regierungshandeln zu sehr den Vorrang gegenüber der Parteiarbeit einzuräumen. Nach 86,3 Prozent bei seiner Wahl zum SPD-Chef 1999 und 88,6 Prozent bei der Wiederwahl zwei Jahre später musste sich Schröder im vergangenen November auf dem Parteitag in Bochum mit nur 80,8 Prozent der Stimmen zufriedengeben. Anfang des Jahres gab Schröder bekannt, Fraktionschef Franz Müntefering werde den Parteivorsitz übernehmen.

21. März 2004
Mit einem Traumergebnis von 95,11 Prozent wird Franz Müntefering zum zehnten Parteivorsitzenden der SPD gewählt.

Stand: 21.03.2004 17:08 Uhr
 

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