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Nach den überzogenen Erwartungen der Anfangsphase ist im Online-Journalismus weitgehend Ernüchterung eingetreten. Viele Projekte sind verschwunden oder kämpfen ums Überleben. Eine Tagung des Deutschen Journalisten-Verbands wollte zeigen, dass man die Situation auch als Chance begreifen kann.
Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de
Noch vor einigen Jahren verhieß das Internet große Freiheiten und grenzenlose Möglichkeiten. Heute steht es eher für das Gegenteil: Ernüchterung, ökonomische Sachzwänge und zunehmende Regulierung haben den Blütenträumen ein Ende gemacht – auch und gerade im Online-Journalismus. Eine Tagung des Deutschen Journalistenverbands (DJV) wollte zeigen, wie man auch unter den neuen Rahmenbedingungen "besser online", so der Name der Veranstaltung, arbeiten kann.
[Bildunterschrift: Für Behinderte gibt es inzwischen eine Vielzahl von speziellen Computern. ]
Ein zentrales Thema der Tagung war die barrierefreie Gestaltung von Online-Angeboten für behinderte Menschen. Während staatliche wie öffentlich-rechtliche Anbieter angehalten sind, ihre Seiten behindertengerecht zu gestalten, scheuen viele kommerzielle diesen Schritt - einerseits aus Kostengründen, aber auch, weil barrierefreie Seiten von der Gestaltung als weniger attraktiv für Werbekunden gelten. Christiane Link, Journalistin bei dpa-info.com, widerspricht diesen Argumenten: Eine konsequent barrierefreie Ausrichtung könne sogar Server- und Wartungskosten sparen helfen sowie weitere Ausspielwege erschließen helfen.
Problematisch wird Barrierefreiheit jedoch dann, wenn sie in die journalistische Freiheit eingreift: So gibt es vereinzelt Forderungen, dass Texte auch im journalistischen Bereich stilistisch oder gar inhaltlich bestimmten Kriterien angepasst werden sollen – eine Entwicklung, die Lutz Tillmanns vom Deutschen Presserat mit Schrecken sieht: „Wenn das auf die Inhalte durchschlägt, wird es bedenklich."
[Bildunterschrift: Prof. Klaus Meier fordert eine weitere Professionalisierung der Online-Medien. ]
Lange Zeit galt das WWW als Spielwiese für Freaks - inzwischen haben sich auch hier professionelle Standards herausgebildet: Klaus Meier, Leiter des Studiengangs Online-Journalismus an der Fachhochschule Darmstadt betont, dass online die gleichen Maßstäbe gelten müssen wie in den klassischen Medien. Wer auf die Kurzlebigkeit von Webseiten und die Vergesslichkeit der Nutzer hoffe, gefährde nicht nur Vertrauen in das einzelne Medium, sondern in den Journalismus generell.
Grundsätze wie eine strenge Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten oder der exakte Umgang mit Fakten müssten auch im Internet gelten. Offenbar hätten jedoch Online-Journalisten oft weniger Skrupel, ungesicherte Behauptungen zu veröffentlichen oder Fehler stillschweigend zu korrigieren, ohne darauf hinzuweisen, so Meier. Er appellierte deshalb an die Macher, mehr Mut zur Transparenz zu zeigen: Sie sollten ihre Irrtümer ebenso wie ihre Quellen offen legen.
Interaktivität und Multimedia gehören seit Beginn des Online-Journalismus zu den wichtigsten Argumenten für das neue Medium – fast ebenso lange wartet man auf den echten Durchbruch. "Interaktivität hat es schon immer gegeben", so Meier. Online hat die direkte Kommunikation nur eine neue Dimension erhalten. Meier sieht dort einen Mehrwert, wo sie ihre Vorteile ausspielen kann: bei der Einbindung der Leser, der Demokratisierung von Medien und der Aufnahme von Themenvorschlägen von Nutzern. Dies erfordere jedoch viel Aufwand: Sich selbst überlassene Foren seien eher kontraproduktiv, Beiträge, auf die nicht reagiert wird, verärgerten den User.
Auch bei der Multimedialität warte man oft noch auf den echten Mehrwert: Die technische Voraussetzung bei Endgeräten und Bandbreiten seien mittlerweile vorhanden, das Problem befinde sich jedoch in den Köpfen, glaubt Meier: "Macher wie Anwender müssen dazulernen, damit die Möglichkeiten auch einen sinnvollen Nutzen bekommen."
[Bildunterschrift: Holger Hank warnt davor, Innovationen als Selbstzweck zu sehen. ]
Mit Interaktivität und Multimedianutzung im Online-Journalismus hat auch Holger Hank, Redaktionsleiter der Deutschen Welle Online, seine Erfahrungen gemacht – positive wie negative. So war vor einigen Jahren der Versuch, eine eigene Internet-Community mit einem 3D-Avatar-Chatraum aufzubauen, gescheitert: Zu technikverliebt und instabil sei das Projekt gewesen. Es bot zudem kaum Nutzwert für die Anwender und war redaktionell nicht ausreichend eingebunden.
Die aktive Beschäftigung mit Weblogs war für die Deutsche Welle dagegen viel erfolgreicher: Eigene Weblogs wurden von den Lesern angenommen, umgekehrt wurde das Angebot der Deutschen Welle auch in der Weblog-Szene verstärkt wahrgenommen und zitiert. Zur Zeit beobachte man die Podcasting-Szene, so Hank. Inwieweit man sich selbst dort engagiere, sei dabei jedoch noch offen. "Man muss auch den Mut haben, mal ein Projekt zurückzustellen oder aufzugeben", so Hank.
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