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21.03.2010

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Transparency und Weblogs: Kein Streit vor Gericht
Streit um Äußerungen im Internet

Transparency einigt sich mit Bloggerin

Was tagelang kochte, endet offenbar gütlich: Eine juristische Auseinandersetzung zwischen Transparency International und einer Berliner Weblog-Betreiberin scheint abgewendet. Transparency wollte gegen Äußerungen der Webloggerin vorgehen und hatte einen Sturm der Entrüstung im Netz hervorgerufen.

Von Fiete Stegers, tagesschau.de

Die Webloggerin Monika S. aus Berlin kann aufatmen, nachdem sie tagelang im Mittelpunkt einer hitzigen Internet-Auseinandersetzung gestanden hatte. Ihr Anwalt Udo Vetter teilte auf seiner Website mit: "Transparency International Deutschland hat meiner Mandantin ein Schreiben geschickt. Der Inhalt ist zufriedenstellend. Monika S. betrachtet die juristische Auseinandersetzung deshalb als erledigt."

Begonnen hatte alles im Januar mit einem Eintrag, in dem die Bloggerin die Erfahrungen einer Freundin beschrieb. Diese war nach Ablauf der Probezeit von ihrem Arbeitgeber, der deutschen Abteilung der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International, entlassen worden. Monika S. fand die Umstände der Entlassung durch eine hohen ethischen Zielen verpflichteten Organisation empörend und schilderte das detailliert in ihrem Blog. Als Transparency International darauf aufmerksam wurde, verlangte der Justiziar der Organisation die Löschung und drohte mit juristischen Konsequenzen.

PR-Desaster für die Kämpfer gegen Korruption

 Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Reaktion von Transparency International bescherte der Organisation ein schlechtes Image bei vielen Bloggern ]
Seit dem vergangenen Wochenende rollte eine Welle der Empörung durch die deutsche Weblog-Szene: Andere Internet-Schreiber solidarisierten sich mit Monika S., verbreiteten ihre Sicht der Dinge im Netz weiter. Einige versuchten auch von Transparency International Stellungnahmen zu erhalten - zunächst vergeblich. Auch als tagesschau.de, "Focus Online" und "Süddeutsche Zeitung" auf den Fall aufmerksam wurden, beharrte die Organisation auf ihrem Standpunkt, die Bloggerin verbreite falsche Tatsachen. Offenbar dämmerte den Verantwortlichen aber langsam, dass ihr harsches Vorgehen inzwischen zu einem PR-Desaster ausgewachsen war: Wer im Netz nach "Transparency International" sucht, stößt nun sehr schnell auf zahlreiche Internet-Seiten, die das Vorgehen der Organisation scharf kritisieren.

Nachdem Anwalt Vetter gestern seinerseits Transparency International Deutschland juristische Konsequenzen angedroht hatte, schwenkte der Verein nun um. Über den Inhalt des Transparency-Schreibens, das die Auseinandersetzung beendete, teilten weder die Organisation noch die Bloggerin und ihr Anwalt etwas mit. Für Monika S. ist die Auseinandersetzung aber vorbei. Auf ihrer Homepage kündigte sie an: "Erstmal mache ich, was das Bloggen angeht, ein paar Tage Urlaub".

Nachdenken über "unkontrollierte Eigendynamik"

Andere Weblogger feiern derweil den Sieg der Blog-Gemeinschaft. Ein Teil der Community macht sich aber auch bereits Gedanken darüber, ob nicht bei den harschen Reaktionen der Blogger über das Ziel hinausgeschossen wurde. Durch die starke Vernetzung untereinander können Weblogs im Internet schnell Aufmerksamkeit auf sich ziehen - das bedeutete aber auch entsprechende Verantwortung, meinen einige Blogger.

"In Zusammenhang mit der sichtlichen Freude der Blogosphäre an Enthüllungen und Skandalen entwickelt so mancher Blogeintrag schnell eine unkontrollierbare Eigendynamik", schreibt Jörg-Olaf Schäfers im Blog "Medienrauschen". Er mahnt Weblogs zu mehr Differenzierung - sonst seien sie "nicht die besseren/demokratischeren Medien, sondern allenfalls die lauteren".

Stand: 30.03.2006 14:35 Uhr
 

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