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[Bildunterschrift: Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz Villalobos und Bundesbildungsministerin Annette Schavan ]
Deutschland muss nach Auffassung des UN-Menschenrechtsexperten Vernor Muñoz mehr für die Bildung von Migrantenkindern und Schülern aus armen Elternhäusern tun. Wenn diese Kinder nicht bessere Bildungschancen erhielten, würden Armut und soziale Ungleichheit weiter verschärft, sagte Muñoz zum Abschluss seiner zehntägigen Inspektionsreise durch deutsche Kindergärten und Schulen.
In diesem Zusammenhang kritisierte der UN-Sonderberichterstatter die frühe Auslese an deutschen Schulen: Die Verteilung von zehnjährigen Kindern auf Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien verstärke herkunftsbedingte Nachteile. In der Hauptschule seien Migranten und Arme überrepräsentiert, im Gymnasium hingegen unterrepräsentiert, so Muñoz. "Ich habe das Gefühl, dass sich das deutsche Bildungssystem nicht darauf konzentriert, alle einzubeziehen, sondern dass es eher Trennungen schafft", sagte der UN-Experte. Studien zeigten zudem, dass sich bei Viertklässlern jede zweite Schulform-Zuweisung durch die Lehrer später als falsch herausstelle.
[Bildunterschrift: Vernor Munoz während seiner Inspektionsreise in einer Integrationskindertagesstätte in Potsdam ]
Muñoz lobte die deutsche Debatte über frühe Bildung schon im Kindergarten. Er plädierte dafür, dass der Besuch eines Kindergartens kostenlos sein müsse. Dies sei mit Blick auf die Integration von Ausländerkindern und deren Sprachkenntnisse wichtig. "Der Zugang zu Bildung ist ein Menschenrecht", betonte Muñoz. Gebildete Menschen seien das wichtigste Kapital des Landes. Er rief zu einer Debatte über weitere Reformen im deutschen Bildungssystem auf.
Kritisch bewertete Muñoz die wachsenden Kompetenzen der Bundesländer im Bildungsbereich. Dadurch verliere der Bund die Möglichkeit, eine Einheit zu gewährleisten. Die bestehenden Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern seien zu groß, die jährlichen Ausgaben pro Schüler reichten von 3800 bis 6300 Euro.
Der UN-Experte forderte Deutschland zudem auf, Vorbehalte gegen die UN-Kinderrechtskonvention zurückzuziehen und auch älteren Flüchtlingskindern über 16 Jahre und Jugendlichen ohne Papiere einen Schulbesuch zu ermöglichen.
Muñoz hatte zehn Tage lang deutsche Schulen und Kindergärten besucht und mit Wissenschaftlern, Politikern sowie Eltern- und Lehrervertretern gesprochen. Auslöser für die Untersuchung waren die weltweiten Pisa-Studien. Diese hatten gezeigt, dass in keinem anderen Industriestaat die Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft so groß ist wie in Deutschland. Der schriftliche UN-Bericht mit Empfehlungen soll erst 2007 vorliegen.
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