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10.02.2010

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Von der Leyen steht weiter im Kreuzfeuer der Kritik
"Werteerziehung" ohne andere Religionen

Von der Leyen steht weiter im Kreuzfeuer der Kritik

Ursula von der Leyen (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ursula von der Leyen ]
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sieht sich wegen ihrer Initiative zur besseren Kindererziehung weiter harscher Kritik ausgesetzt. Parteien und Verbände warfen der CDU-Politikerin vor, das Bündnis mit den beiden christlichen Kirchen zur Wertevermittlung grenze weite Teile der Gesellschaft aus. Auch aus der eigenen Partei gab es vereinzelt Kritik.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte die Ministerin auf, das Projekt entweder unverzüglich auszuweiten oder zu stoppen. Generalsekretär Stephan Kramer sagte der Münchner "Abendzeitung", deutsche Politiker betonten stets das jüdisch-deutsche Fundament. Eine Einladung zum Bündnis habe er jedoch nicht erhalten. Das sei "ziemlich schmerzlich". Werte sollten nicht auf eine Religion fokussiert werden. Unter den aktuellen Voraussetzungen wirke die Initiative kontraproduktiv

"Nicht-Christen sind in Ballungsgebieten in der Überzahl"

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Köhler. Er warf von der Leyen in der "Passauer Neuen Presse" vor, "alle Nicht-Christen" auszugrenzen. Die Ministerin habe nicht bedacht, dass in den Ballungsgebieten längst die Nicht-Christen in den Kindergärten und Schulen in der Überzahl seien.

Der Chef des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, bezeichnete das Bündnis in der Erfurter "Thüringer Allgemeinen" als "völlig inakzeptabel". In einer Gesellschaft, wo Staat und Kirche klar getrennt seien, stoße diese Initiative "viele, viele Menschen vor den Kopf". Ein Sprecher von der Leyens sagte in Berlin, die Wohlfahrtsverbände seien seit längerem über das Vorhaben informiert gewesen. "Die Reaktion war so nicht ganz vorhersehbar", fügte er mit Blick auf die Kritik hinzu.

"Im Osten ist die Bindung an die Kirchen gering"

Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper verlangte in der Chemnitzer "Freien Presse", das Bündnis müsse rasch verbreitert werden. Es nur auf Katholiken und Protestanten zu konzentrieren, baue unnötige Hürden auf. Die stellvertretende Bundestagspräsidentin und PDS-Politikerin Petra Pau sagte der "Freien Presse", in der gegenwärtigen Zusammensetzung grenze das Bündnis eher aus, als zu integrieren. Dies gelte vor allem in Ostdeutschland, wo die Bindung an die Kirchen weit weniger verbreitet sei als im Westen der Bundesrepublik. Der thüringische CDU-Generalsekretär Mike Mohring forderte aus diesem Grund, neben den großen Kirchen auch Wohlfahrtsverbände und private Kindergarten-Träger in das Bündnis einzubinden.

Von der Leyen weist Kritik zurück

Zitat:

"Die Kirchen und ihre Verbände sind nicht nur starke Partner mit einem dichten bundesweiten Netz an Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Sie verknüpfen auch in besonderer Weise soziale und moralische Ansprüche. Werte wie Respekt, Verlässlichkeit, Vertrauen und Aufrichtigkeit sind Leitplanken, die unseren Kindern helfen, ihren Weg ins Leben zu finden."
Quelle: Ursula von der Leyen, Bundefamilienministerin

Die Ministerin wies alle Kritik zurück. Die beiden christlichen Kirchen hätten viel Erfahrung bei der Kindererziehung, zum Beispiel als Träger von Kindergärten. Zudem handele es sich bei dem Bündnis mit den christlichen Kirchen lediglich um einen "Auftakt". Andere Religionsgemeinschaften, Familien- und Wirtschaftsbände würden dann im Herbst dazugeladen, sagte von der Leyen. Die Vereinbarung sieht laut Ministerium bisher vor, mit Experten und Fachkräften, Bausteine zur Vermittlung von Werten in Kindertagesstätten, Schulen, und Weiterbildungseinrichtungen zu erarbeiten. Dieses Wissen soll über Vorträge, Erziehungsseminare oder den Ausbau von Eltern-Kind-Gruppen auch den Weg in die Familien finden. Das Ministerium will "die Fähigkeit zur Erziehung stärken und Verantwortung auch von Eltern einfordern" und dazu "Frühwarnsysteme zur Vermeidung von Kindesvernachlässigung aufzubauen".

Stand: 24.04.2006 11:50 Uhr
 

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