Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
[Bildunterschrift: Umstritten: "Heroin auf Rezept". Bei dem Modellprojekt erhalten Schwerst-Abhängige statt dem Ersatzstoff Methadon die Droge. ]
Die Zahl der Todesfälle durch harte Drogen ist auch 2005 weiter zurückgegangen.1326 Drogentote wurden nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, in Deutschland gezählt. Das ist der niedrigste Stand seit 1989. Auch die Zahl der Erstkonsumenten harter Drogen ging zurück.
Den Rückgang der Todesfälle führt Bätzing unter anderem darauf zurück, dass es mehr Beratungsangebote für schwer Drogenabhängige gab. Das Modellprojekt zur Behandlung Heroinabhängiger, bei der diese Heroin unter ärztlicher Aufsicht erhalten, lobte Bätzing ausdrücklich.
[Bildunterschrift: Ein Viertel aller Jugendlichen hat bereits Erfahrungen mit Cannabis. ]
Dies habe sich für viele schwer heroinabhängige Patientinnen und Patienten als "letzter Strohhalm" erwiesen. "Gesellschaftlichen Mehrwert" bringe diese Form der Therapie, weil auch die Beschaffungskriminalität sinke. Unter engen Voraussetzungen sollte diese Therapie für Schwerstabhängige fortgeführt werden, erklärte Bätzing. In Teilen der Union stößt das allerdings auf Widerstand.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) begrüßte das Vorhaben dagegen. Etwa ein Drittel der Süchtigen spreche nicht auf den Drogenersatzstoff Methadon an, sagte DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst dem "Tagesspiegel". Einem Teil von ihnen könne man bei gleichzeitiger Therapie mit der Heroinabgabe helfen. Dafür müssten nun rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Besorgt äußerte sich die Drogenbeauftragte über den steigenden Cannabis-Konsum bei Jugendlichen. Über ein Viertel von ihnen habe mindestens einmal Cannabis konsumiert. Das Einstiegsalter sei gesunken und liege jetzt bei 16,4 Jahren.
[Bildunterschrift: Zwei Drittel der Medikamentenabhängigen sind laut dem Suchtbericht ältere Frauen. ]
Das Risiko für eine psychische Abhängigkeit steige, je früher die Jugendlichen zum Joint griffen, warnte Bätzing. "Überall in Europa ist die Entwicklung zu verzeichnen, dass die Jugendlichen die Risiken des Cannabiskonsums unterschätzen. " Das traditionelle "Suchthilfesystem" helfe hier nicht, daher sollten neue Beratungs- und Hilfseinrichtungen gefördert werden.
Wichtig sei auch weiterhin, die Jugendlichen vom Rauchen abzuhalten. "Wer keine Zigaretten raucht, wird auch nicht so schnell zum Joint greifen", erklärte sie. Die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen sank nach ihren Angaben von 28% im Jahr 2001 auf aktuell 20%. Bätzing führte das auch auf die Tabaksteuererhöhung zurück.
Bätzing wies darauf hin, dass legale Drogen weitaus mehr gesundheitlich und wirtschaftliche Schäden verursachten. Die Bundesregierung geht von über 110.000 tabakbedingten und über 40.000 alkoholbedingten Todesfällen jährlich aus. 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen gälten als medikamentenabhängig.
"Angesichts dieser Dimensionen ist es offensichtlich, dass das Thema Sucht jeden angeht – entweder als Betroffener oder als Angehöriger", sagte Bätzing.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung will Schwerstabhängigen Heroin auf Krankenschein gewähren. Was meinen Sie dazu?
Hinweis:
Die Umfrage ist geschlossen, ein weiteres Abstimmen ist nicht mehr möglich.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW