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GEW fordert Abschaffung des Deutschlandliedes
GEW fordert Abschaffung des Deutschlandliedes

Aus für "Einigkeit und Recht und Freiheit"?

Fußballfans halten jubelnd die Fahnen ihrer Favoriten aus den Autos  (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Jubelnde Fans halten Fahnen ihrer Nationalmannschaft aus den Autos. ]
Mitten im schwarz-rot-goldenen WM-Fieber fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine neue Nationalhymne und sorgt damit bundesweit für Empörung. Das Deutschlandlied transportiere die Stimmung des Nationalsozialismus und der deutschen Leitkultur, kritisiert die Gewerkschaft und legte ihre Broschüre "Argumente gegen das Deutschlandlied - Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation" neu auf. Die GEW vertritt etwa 260.000 Lehrer und Erzieher in Deutschland.

Söder: "Undemokratisches Geschichtsbewusstsein"

Deutschlandlied, dritte Strophe:

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland.
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand.
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand.
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe deutsches Vaterland.


Quelle: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, (1798 - 1874)

Die Reaktionen auf den Vorstoß der Gewerkschaft reichen von Unverständnis bis Empörung. Unionsfraktionsvize Bosbach sagte der "Netzeitung": "Die Stimmungsmache gegen unsere Nationalhymne ist in der Sache abwegig und für eine Lehrergewerkschaft geradezu peinlich." CSU-Generalsekretär Markus Söder sprach von einem "undemokratischen Geschichtsbewusstsein" der GEW. Denn Einigkeit und Recht und Freiheit seien die Grundwerte unserer Demokratie.

GEW: "Aktuelle Hymne passt nicht zu unserem Land"

Der Vorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, bekräftigte gegenüber der Agentur AP: "Die aktuelle Hymne ist belastet und passt nicht zu unserem Land." Darüber sei dringend eine offene Debatte nötig. Diese Auffassung vertrete auch der GEW-Bundesverband. "Wir dürfen nicht einfach den Deckel zu machen und nicht mehr über die Vergangenheit reden." Vielmehr benötige das Land eine neue Hymne.

Historiker: GEW leidet unter "Geschichts-Vergessenheit"

Das Deutschlandlied:

Das "Lied der Deutschen" wurde 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben verfasst. Die Melodie stammt von Joseph Haydn. Seit einer schriftlichen Übereinkunft zwischen Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer von 1952 gilt das Deutschlandlied als deutsche Nationalhymne - allerdings nur mit der dritten Strophe des Texts und der Eingangszeile "Einigkeit und Recht und Freiheit".
 

Historiker wiesen die Warnungen vor Nationalismus-Tendenzen der Hymne als Unfug zurück. So verwies der Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Hans Ottomeyer, auf die republikanische und freiheitliche Tradition des Deutschlandliedes. Er sprach von einer "tiefen Geschichts-Vergessenheit" der Lehrerschaft. Für den Historiker Hans Mommsen ist das Singen der Nationalhymne in den WM-Stadien kein Zeichen für einen neuen deutschen Patriotismus. "Es ist mehr eine Art kollektiver Spieltrieb oder Party-Stimmung", sagte er den "Lübecker Nachrichten".

Stand: 16.06.2006 20:56 Uhr

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