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[Bildunterschrift: Jubelnde Fans halten Fahnen ihrer Nationalmannschaft aus den Autos. ]
Mitten im schwarz-rot-goldenen WM-Fieber fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine neue Nationalhymne und sorgt damit bundesweit für Empörung. Das Deutschlandlied transportiere die Stimmung des Nationalsozialismus und der deutschen Leitkultur, kritisiert die Gewerkschaft und legte ihre Broschüre "Argumente gegen das Deutschlandlied - Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation" neu auf. Die GEW vertritt etwa 260.000 Lehrer und Erzieher in Deutschland.
Die Reaktionen auf den Vorstoß der Gewerkschaft reichen von Unverständnis bis Empörung. Unionsfraktionsvize Bosbach sagte der "Netzeitung": "Die Stimmungsmache gegen unsere Nationalhymne ist in der Sache abwegig und für eine Lehrergewerkschaft geradezu peinlich." CSU-Generalsekretär Markus Söder sprach von einem "undemokratischen Geschichtsbewusstsein" der GEW. Denn Einigkeit und Recht und Freiheit seien die Grundwerte unserer Demokratie.
Der Vorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, bekräftigte gegenüber der Agentur AP: "Die aktuelle Hymne ist belastet und passt nicht zu unserem Land." Darüber sei dringend eine offene Debatte nötig. Diese Auffassung vertrete auch der GEW-Bundesverband. "Wir dürfen nicht einfach den Deckel zu machen und nicht mehr über die Vergangenheit reden." Vielmehr benötige das Land eine neue Hymne.
Historiker wiesen die Warnungen vor Nationalismus-Tendenzen der Hymne als Unfug zurück. So verwies der Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Hans Ottomeyer, auf die republikanische und freiheitliche Tradition des Deutschlandliedes. Er sprach von einer "tiefen Geschichts-Vergessenheit" der Lehrerschaft. Für den Historiker Hans Mommsen ist das Singen der Nationalhymne in den WM-Stadien kein Zeichen für einen neuen deutschen Patriotismus. "Es ist mehr eine Art kollektiver Spieltrieb oder Party-Stimmung", sagte er den "Lübecker Nachrichten".
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