Studenten im Anatomie-Hörsaal der Uni Halle-Wittenberg | Bildquelle: dpa

Bundesverfassungsgericht Medizin-Zulassung muss überarbeitet werden

Stand: 19.12.2017 10:48 Uhr

Bund und Länder müssen bis Ende 2019 das Zulassungsverfahren für das Medizinstudium neu regeln. Das entschied das Bundesverfassungsgericht. Das aktuelle Verfahren mit der wichtigen Rolle der Abiturnote sei teilweise verfassungswidrig.

Das Auswahlverfahren zum Medizinstudium verletzt den grundrechtlichen Anspruch der Studienplatzbewerber auf gleiche Teilhabe am staatlichen Studienangebot und ist somit in einigen Bereichen mit dem Grundgesetz unvereinbar. Das entschied das Bundesverfassungsgericht. Bund und Länder müssen deshalb bis Ende 2019 die Auswahlkriterien neben der Abiturnote neu regeln.

Die Verfassungsrichter formulierten mehrere klare Vorgaben: Unter anderem müssten zur Wahrung der Chancengleichheit Eignungsgespräche an Universitäten bundesweit in "standardisierter und strukturierter Form" stattfinden. Zudem müsse die Zahl der Wartesemester enger begrenzt werden, entschied der Erste Senat unter Vorsitz von Ferdinand Kirchhof.

Besser vergleichbare Abiturnoten

Im Auswahlverfahren bei den Hochschulen müsse eine Vergleichbarkeit der Abiturnoten über Landesgrenzen hinweg sichergestellt werden. Auch dürfe hier die Abiturnote nicht das einzige Kriterium sein.

Außerdem dürfe eine Festlegung auf höchstens sechs gewünschte Studienorte nicht dazu führen, dass ein Bewerber, der eigentlich erfolgreich wäre, am Ende leer ausgeht.

Das Ende von 20-20-60?

Bisher läuft die Vergabe zu 20 Prozent über die besten Schulnoten, zu 20 Prozent über Wartezeit und zu 60 Prozent über ein Auswahlverfahren bei den Universitäten. Aber auch dabei spielt die Abiturnote eine wichtige Rolle. Zusätzlich kann es Tests oder Gespräche geben.

62.000 Bewerber auf 11.000 Plätze

Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Medizin-Studienplatz beträgt inzwischen 14 bis 15 Semester. Der Andrang an potenziellen Studenten ist immens. Zuletzt kamen etwa 62.000 Bewerber auf rund 11.000 Studienplätze.

Zwei Studenten hatten vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gegen ihren Uni-Ablehnungbescheid geklagt, weil das gängige Verfahren das Grundrecht auf Berufsfreiheit und den Gleichheitssatz verletze. Denn nach dem Grundgesetz hat jeder Deutsche das Recht, seinen Beruf und seine Ausbildungsstätte frei zu wählen. Einschränkungen sollen so wenig wie irgend möglich in die Rechte der Bürger eingreifen. Das Verwaltungsgericht hatte die Regelungen dem Bundesverfassungsgericht zur Überprüfung vorgelegt.

(Az. 1 BvL 3/14 und 4/14)

Über dieses Thema berichtete am 19. Dezember 2017 Inforadio um 10:21 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.

Darstellung: