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29.05.2012

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Inland
Mehr als 1,5 Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig
Verbände warnen vor Medikamentenabhängigkeit

Mehr als 1,5 Millionen Deutsche schlucken zu viele Pillen

Der Präsident der Apothekenvereinigung ABDA Heinz-Günter Wolf (von links nach rechts), der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Thomas Bach und ADAC-Präsident Peter Meyer auf dem Berliner Symposium. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ABDA-Präsident Wolf (von links nach rechts), DOSB-Präsident Bach und ADAC-Präsident Meyer warnten vor sorglosem Umgang mit Medikamenten. ]
Die Apotheker-Verbände, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der ADAC haben vor zu sorglosem Umgang und dem Missbrauch von Medikamenten gewarnt. Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als medikamentenabhängig, erklärten die Organisationen auf einem gemeinsamen Symposium in Berlin.

Die Menschen würden Medikamente einnehmen, um leistungsfähiger zu werden - sowohl in der Freizeit als auch am Arbeitsplatz. Nach Ansicht von Sportwissenschaftlern ist unter Hobbysportlern der Anteil derer, die sich mit Medikamenten dopen, größer als lange angenommen. Während es im Breitensport vor allem um den Konsum von Nahrungsergänzungs- und Schmerzmitteln gehe, stelle sich die Situation in Fitnessstudios noch dramatischer dar, zeigte sich Mischa Kläber, Sportwissenschaftler an der TU Darmstadt, überzeugt. Dort habe sich über Jahrzehnte ein Milieu gebildet, in dem Jugendliche, Erwachsene und Rentner trotz aller Mahnungen und ohne medizinische Indikatoren "auf hohem Niveau" Medikamente zur sportlichen Leistungssteigerung konsumieren.

Jeder Fünfte Fitnessstudio-Sportler nimmt Ergänzungsmittel

Eine Frau nimmt eine Pille (Archivbild) (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mit Pillen und Sprays versuchen viele Freizeitsportler ihre Leistung zu steigern. ]
Die Wissenschaftler schätzen, dass rund ein Fünftel von ihnen zu leistungssteigernden Mitteln greift. Bei knapp sieben Millionen registrierten Studiobesuchern bedeute dies mehrere hunderttausend Konsumenten. Laut Kläber verläuft eine typische Kraftsport-Biografie in mehreren Etappen - vom Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln über Humanarzneien, Tierarzneien bis hin zu Betäubungsmitteln. Darum müssten Fitnessstudios zur mehr Kontrolle verpflichtet werden.

"Mit dem Missbrauch von Schmerzmitteln, Pillen aus dem Internet oder ohne Befund eingesetzten Asthmasprays täuscht der Sportler sich und andere über seinen wahren Leistungsstand", kritisierte DOSB-Präsident Thomas Bach. Der DOSB forderte die Politik zu einem verstärkten Kampf gegen Medikamentenmissbrauch im Breitensport auf. Im Vergleich zur Dopingdebatte seien die Diskussionen über Missbrauch im Amateurbereich "stark unterentwickelt", so Bach.

Auch rezeptfreie Medikamente können gefährlich sein

Aber auch in Beruf und Studium greifen viele Menschen ohne medizinischen Grund zu Mitteln, um ihre Leistung zu steigern oder die Stimmung aufzuhellen. "Etwa vier bis fünf Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente können abhängig machen, vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel", warnte Heinz-Günter Wolf, Präsident der Apothekenvereinigung ABDA. Aber auch einige rezeptfreie Medikamente wie Abführmittel oder Nasensprays könnten zum Missbrauch führen. Einer DAK-Studie von 2009 zufolge betreiben rund 800.000 Arbeitnehmer Doping am Arbeitsplatz.

Stand: 03.11.2011 16:45 Uhr
 

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