Bewährungsstrafe für Ex-Agenten

Mauss verurteilt, Zweifel bleiben

Stand: 05.10.2017 13:50 Uhr

Ex-Agent Mauss, tätig im Auftrag von Bundesregierung und Konzernen, ist in Bochum zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung von mehr als 13 Millionen Euro. Doch vor Gericht blieben Zweifel.

Von Jan Lukas Strozyk, NDR

Gut ein Jahr nach Prozessbeginn hat das Bochumer Landgericht ein Urteil gefällt: Werner Mauss, der sagenumwobene Ex-Geheimagent, wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Das Gericht ist davon überzeugt, dass Mauss zwischen 2002 und 2011 große Vermögenswerte im Ausland versteckt und Steuern in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro hinterzogen hatte. Diese Summe hatte er in mehreren Schritten nachgezahlt.

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Ex-Geheimagent Mauss zu zweijähriger Bewährungsstrafe verurteilt

tagesschau 17:00 Uhr, 05.10.2017, Marion Kerstholt, WDR

Vermögensverwaltung mit Tarn-Identität

Die Ermittlungen gegen Mauss hatten ihren Anfang genommen, als Steuerfahnder vor einigen Jahren eine CD mit Daten von Bankkunden aus Liechtenstein auswerteten. Darauf fanden sie Hinweise auf Tarnidentitäten von Mauss. Diese nutzte er offenbar, um Teile seines Vermögens von zwischenzeitlich mehr als 100 Millionen Euro ohne Wissen der Finanzbehörden zu verwalten.

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Fahnder auf Konten in Luxemburg und auf den Bahamas. Ein Teil der Auslands-Aktivitäten von Mauss hatten auch Journalisten von NDR und "Süddeutscher Zeitung" im Zuge der "Panama Papers" aufgedeckt.

Vor den Kameras im Gericht verbarg Mauss sein Gesicht unter einer dicken Kapuze.

Zeuge nicht erschienen

Die Verteidigung pochte bis zuletzt darauf, dass es sich bei den in Luxemburg bei der UBS-Bank angelegten Geldern nicht um das Vermögen von Mauss handle. Vielmehr sei er treuhänderisch damit beauftragt, das Geld zu verwalten, das für die Finanzierung seiner geheimen Missionen bestimmt gewesen sei. Auftraggeber sei ein Konsortium aus nicht näher genannten ausländischen Geheimdiensten und Vertretern der katholischen Kirche.

Immer wieder versuchten Mauss‘ Verteidiger zum Beleg dieser Version, Zeugen vorzubringen. Einer der Auftraggeber aus Israel war mehrfach für den Prozess angekündigt, erschien aber nicht.

Ein Urteil, das viele überrascht

Während die Verteidigung auf Freispruch plädiert hatte, hatte die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft gefordert. Prozessbeobachter rechneten bis zuletzt damit, dass das Gericht Mauss zu einer langen Haftstrafe verurteilen und ihm die volle Summe als direktes Vermögen anlasten werde. Der Richter hatte im Laufe des Prozesses immer wieder zu erkennen gegeben, dass er der Erklärung von Mauss nicht vollumfänglich glaube.

Offenbar blieben beim Richter aber bis zuletzt Zweifel daran, welcher Teil des Geldes Mauss privatem Vermögen zuzurechnen ist.

Ausgaben von 29 Millionen Euro

In der Urteilsbegründung hielt der Richter Mauss zugute, dass er hohe Betriebsausgaben für seine geheimen Missionen geltend machen könne. Das Gericht glaubte, dass er für seine Aktivitäten rund 29 Millionen Euro ausgegeben habe. Das reduziere das Strafmaß entsprechend. Zwar habe das Gericht Zweifel an den Erklärungen von Mauss, diese seien aber nicht groß genug, um die Variante der Verteidigung völlig auszuschließen. Demnach bleibt ihm nur ein Teil des Geldes unmittelbar privat zuzurechnen.

Zusätzlich zur Haftstrafe auf Bewährung muss Mauss 200.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Der Richter sprach in seiner Urteilsbegründung von einer "beeindruckenden Lebensleistung", die er bei der Urteilsfindung berücksichtigt habe.

Verteidigung will in Revision gehen

Mauss wirkte laut Beobachtern erleichtert, äußerte sich selbst zu dem Urteil aber nicht. In einer schriftlichen Erklärung sagte Mauss, er sei unschuldig. Der Presse warf er "Mafia-Manier" vor, man habe Zeugen verfolgt und eingeschüchtert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mauss‘ Anwälte kündigten unmittelbar nach der Urteilsverkündung an, in Revision gehen zu wollen. Das Urteil sei falsch, es berücksichtige die Argumentation der Verteidigung nicht ausreichend und der Verlauf des Prozesses stelle "schwere Eingriffe in das Menschenrecht von Mauss auf Durchführung eines fairen Verfahrens" dar, heißt es in einer Stellungnahme.

Geheimwaffe deutscher Ermittler und Konzerne

Mauss blickt auf eine lange Karriere als Geheimagent zurück. Über Jahrzehnte war er nach eigenen Angaben so etwas wie die Geheimwaffe deutscher Ermittler und Konzerne. Als verdeckter Ermittler war er demnach für das Bundeskriminalamt und andere Behörden tätig.

Auch für Unternehmen hat er gearbeitet. So soll er Überfälle und Entführungen aufgeklärt, geraubte Wertgegenstände zurück geholt und als Friedensstifter gedient haben, sagt der 77-Jährige von sich selbst. Als Reporter des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" ihn im vergangenen Jahr wegen seiner Verwicklungen in die Panama Papers mit Fragen konfrontierten, erklärte er, ihm sei nichts vorzuwerfen und in seiner ganzen Karriere sei er niemals verurteilt worden.