Werner Mauss im Gerichtssaal | Bildquelle: dpa

Ex-Agent Mauss Neuer Tarn-Ausweis aufgetaucht

Stand: 28.10.2016 18:00 Uhr

Der ehemalige Geheimagent Werner Mauss erhielt offenbar weitere amtliche Tarn-Papiere, obwohl er nicht mehr für deutsche Dienste arbeitete. Der Ausweis wurde dort ausgestellt, wo er den Kreisverband der CDU mit besonders hohen Spenden bedacht hat.

Von Jan Lukas Strozyk, NDR

In Bankunterlagen, die NDR und "Süddeutsche Zeitung" einsehen konnten, taucht ein neuer Tarn-Ausweis von Werner Mauss auf - ausgestellt auf den Namen "Richard Nelson" und herausgegeben von der Verbandsgemeinde Zell-Mosel (Kreis Cochem-Zell). Im dortigen Landkreis stellt die CDU seit Jahrzehnten die Mehrheit, Mauss spendete dem Kreisverband der Partei Zehntausende Euro.

Besitzen dürfte Mauss diesen Ausweis wohl nicht, denn nach Regierungsaussage ist er seit mehr als 15 Jahren nicht mehr für deutsche Dienste und Behörden tätig. Die Unterlagen legen zudem nahe, dass auch Familienmitglieder von Mauss mit Tarnpapieren auf den Nachnamen "Nelson" ausgestattet worden sind. Mauss äußerte sich zu seinem Privatleben und seiner Familie in der Vergangenheit grundsätzlich nicht.

Das Anwesen des Werner Mauss | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Das Anwesen von Werner Mauss im Hunsrück (Archivbild 1996)

CDU-Mann schweigt sich aus

Das Ausstell-Datum des fraglichen Nelson-Ausweises fällt in die Zeit, als Peter Bleser Kreisvorsitzender der CDU in Cochem-Zell gewesen war. Heute ist der CDU-Mann als Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium und Schatzmeister der CDU in Rheinland-Pfalz. Mindestens eine der fraglichen Mauss-Spenden aus dem Jahr 2013 ist im Überweisungsbetreff explizit als Unterstützung für Blesers Wahlkampf gekennzeichnet. Auf Anfrage erklärte Bleser, da er "bereits mehrfach Bundestagskandidat war, ist es durchaus üblich, dass mein Name im Verwendungszweck steht".

Bleser gestand im Verlauf der Spendenaffäre ein, Mauss gemeinsam mit der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Julia Klöckner auf dessen Anwesen besucht zu haben. Er sagte dem NDR, er sei mit Mauss "als Bürger in meinem Wahlkreis seit längerer Zeit bekannt". Die Frage, ob er sich in seiner politischen Laufbahn jemals für private oder berufliche Interessen von Werner Mauss eingesetzt habe, beantwortete Bleser nicht.

Der fragliche Ausweis ist im Dezember 2001 ausgestellt worden und war gültig bis 2011. Ob er verlängert worden ist, ist bislang unklar. Ebenso, warum Mauss nach seiner Tätigkeit für die Bundesrepublik weiterhin Tarnpapiere erhalten hat.

Tarnidentitäten werden eigentlich nur in außergewöhnlichen Fällen vergeben: Zum Beispiel für Geheimdienst-Mitarbeiter oder Menschen im Zeugenschutzprogramm. Die Kontrolle dieser Dokumente ist für die ausgebenden Stellen von großer Bedeutung, schließlich handelt es sich um echte Ausweispapiere. Die Regierung bekräftigte zuletzt die Aussage, dass Mauss aktuell nicht für deutsche Behörden und Dienste arbeite und das auch seit dem Jahr 2000 nicht getan habe. Hinweise darauf, dass er als Zeuge geschützt werden müsste, gibt es auch keine.

Mehrere Tarnidentitäten

Im April hatten NDR und "Süddeutsche Zeitung" erstmals berichtet, dass Mauss über einen aktuell gültigen Pass auf den Tarn-Namen "Claus Möllner" verfügt, ausgestellt von der Verbandsgemeinde Simmern im Hunsrück. In diesem Zusammenhang stellten die Reporter zahlreiche Anfragen an die Bundesregierung und die Landesregierung in Rheinland-Pfalz. Erklären konnte oder wollte den Zweck der Tarnidentität niemand.

Bis heute, so verlautet es aus Kreisen des Mainzer Innenministeriums, laufen offenbar umfangreiche Untersuchungen, bei denen auch festgestellt worden sein soll, dass ein Teil der betreffenden Unterlagen in einigen Häusern schlicht nicht mehr auffindbar ist. Auch zu dem nun aufgetauchten Ausweis auf den Namen "Nelson" beantworteten sowohl die ausstellende Behörde als auch das Innenministerium keine Fragen.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Werner Mauss über die Tarn-Identität "Richard Nelson" und seine Briefkastenfirma "Nolilane" seit 1968 regelmäßig an die CDU und den Kreisverband der Partei in Cochem-Zell spendete. Die Partei hat dabei offenbar die Identität des Spenders nicht ausreichend geklärt, womöglich sind die Spenden daher illegal. Nach dem Parteiengesetz ist es verboten, anonyme Spenden über 500 Euro anzunehmen. Die CDU kann die Spenden nur teilweise rekonstruieren und auch nur für die Jahre ab 1999. Allein seitdem sind laut der Partei rund 125.000 Euro von Mauss eingegangen.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 29. Oktober 2016 um 06:50 Uhr.

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