Kombiimpfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Gesundheitsministerium zu Masern-Ausbruch Keine Impfpflicht - vorerst

Stand: 23.02.2015 14:58 Uhr

Eine Impfung gegen Masern bleibt vorerst freiwillig. Gesundheitsminister Gröhe betonte aber, ein solcher Schritt sei nicht generell ausgeschlossen. Experten der Regierung hatten angesichts der jüngsten Masern-Welle eine Impfpflicht gefordert.

Angesichts des Masernausbruchs in Berlin hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine Impfpflicht nicht generell ausgeschlossen. Wenn alle anderen Maßnahmen "nicht helfen, kann eine Impfpflicht kein Tabu sein", erklärte Gröhe in Berlin. Aktuell stehe dieser Schritt aber nicht zur Debatte. Gröhe forderte jeden dazu auf, den eigenen Impfstatus zu überprüfen und die empfohlenen Impfungen nachzuholen.

Diskussion über Masern-Impfpflicht
tagesthemen 22:15 Uhr, 23.02.2015, Andreas Jöhrens, RBB

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Zugleich bekräftigte der Minister seine Kritik an den Impfgegnern. "Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos", warnte er. Wer seinem Kind den Impfschutz verweigere, "gefährdet nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere". Die Impflücken in Deutschland seien viel zu groß. Diese zu schließen, sei nun eine gemeinsame Aufgabe von Ärzten, Kitas und Schulen. Die Masern-Impfung sei nach Ansicht internationaler Experten sicher. Das minimale Restrisiko durch Nebenwirkungen sei um ein Vielfaches geringer als die zum Teil dramatischen und lebensbedrohlichen Risiken einer Masern-Erkrankung.

Kleinkind in Berlin gestorben

Hintergrund der Debatte ist ein schwerer Ausbruch von Masern in Berlin, wo allein in diesem Jahr bereits 447 Fälle gemeldet wurden. Das waren mehr Erkrankungen als bundesweit im gesamten vergangenen Jahr. Wegen der Infektionswelle wurde jetzt eine Sekundarschule mit 1000 Schülern geschlossen.

Zudem ist in der Hauptstadt nach Angaben von Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja ein Kleinkind an Masern gestorben. Das Kind im Alter von anderthalb Jahren sei bereits am 18. Februar in einem Krankenhaus der Infektionskrankheit erlegen.

Alexander Kekulé, Virologe Uni Halle, zum Masern-Ausbruch
nachtmagazin 00:15 Uhr, 24.02.2015

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Gesundheitsexperten der Regierung für Pflicht-Impfung

Impfbuch | Bildquelle: dpa
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Die Grünen fordern mehr Aufklärung - eine verpflichtende Impfung lehnen sie allerdings ab.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn hatte deshalb eine verpflichtende Impfung ins Spiel gebracht. Der "Welt am Sonntag" sagte er: "Wenn wir es nicht schaffen, mit verstärkter Aufklärung und Beratung die Impfraten bald zu steigern, sollten wir über eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen nachdenken." Auch der Koalitionspartner SPD schloss sich der Forderung nach einem umfassendem Impfschutz an. Der Gesundheitspolitiker der Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sagte, wenn die Impfbereitschaft nicht steige, "muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein".

Grüne und Linkspartei gegen Impfpflicht

Die Opposition kritisierte den Vorstoß. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Katja Dörner sprach sich für eine bessere Aufklärung zum Thema Impfungen aus. Die Eltern sollten "bei der Anmeldung zur Kita einen Nachweis zu erbringen, dass sie zum Thema Impfung beraten wurden". Ein Zwang zur Impfung gehe aber zu weit. Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, sprach sich gegen einen Impfzwang aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der "Saarbrücker Zeitung".

Wie gefährlich sind Masern?

Masern sind eine hoch ansteckende Virusinfektion, die vor allem Kinder betrifft. In Deutschland kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen. Der Erreger wird durch Tröpfchen übertragen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen in die Atemluft gelangen. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schnupfen und Husten, dann kommt der typische Hautausschlag hinzu. In zehn bis 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen, wie Mittelohr- und Lungenentzündungen sowie Gehirnentzündungen. In 0,2 Prozent aller Fälle verlaufen diese tödlich.

Ärzte skeptisch bei Pflicht-Impfung

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, zeigte sich in der "Welt" ebenfalls skeptisch. Eine generelle Impfpflicht werde sich wegen der "Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen", sagte er. "Wir fordern aber, dass alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen müssen." Könnten die Eltern keine Bescheinigung für eine Masernimpfung vorlegen, müssten sie ihren Nachwuchs in eine private Einrichtung geben, fügte er hinzu.

Die von der Bundesregierung geplante Verpflichtung für Eltern zur Impfberatung kritisierte Hartmann als "Augenwischerei". "Diese Regelung wird die niedrigen Impfungsraten nicht wesentlich erhöhen, denn wir beraten bereits immer im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zu den notwendigen Impfungen."

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