Martin Schulz | Bildquelle: AFP

Martin Schulz im Porträt Plötzlich Kanzlerkandidat

Stand: 24.01.2017 20:30 Uhr

Vielsprachig und in ganz Europa vernetzt, aber auch einer, der durch Temperament und Machtstreben polarisiert - Martin Schulz hat sich über die Jahre im Europaparlament hochgearbeitet und startet nun als SPD-Kanzlerkandidat von 0 auf 100.

Ein Porträt von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

"Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich fünf Jahre Präsident des Europaparlament sein durfte. Das ist eine enormes Privileg", sagte Martin Schulz bei seiner letzten großen Pressekonferenz Mitte Dezember am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Nun wird der ehemalige Präsident des Europaparlaments zum Kanzlerkandidaten. Schulz steht für Europa, das hatte er bereits in Brüssel angekündigt.

"Ich werde auch weiterhin für diese Idee von Europa kämpfen. Hauptantriebsfeder wird sein, das wir diese enorme zivilisatorische Errungenschaft bewahren, die darin besteht, dass auf diesem Kontinent die Völker sich nicht mehr abschlachten, sondern in gemeinsamen Organen kooperieren."

Das war eine Ansage auch an die vielen Rechtspopulisten und Anti-Europäer in den Mitgliedsländern - mit Blick auf die Bundestagswahl, aber auch auf die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich.

Der CSU-Europaabgeordnete Manfred Weber nannte Schulz zum Abschied einen leidenschaftlichen Europapolitiker: "Ich möchte deutlich machen, dass Martin Schulz auch für uns ein kraftvoller und durchsetzungsstarker Europäer ist."

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Martin Schulz - seine Karriere in Bildern

Vom Buchhändler zum Kanzlerkandidaten - gerade diese unüblichen Politikerkarriere macht Martin Schulz beliebt. Der langjährige EU-Parlamentspräsident gilt als direkt Redner und geschickter Verhandler. Das hat ihm oft genützt. Seine Stationen in Bildern.

Martin Schulz bei seiner Abschiedsrede

Martin Schulz widerlegt das Klischee, Posten bei der EU stünden für das Ende einer politischen Karriere. Am 14. Dezember 2016 verabschiedet er sich als Präsident vom Europäischen Parlament (EP) in Straßburg, das er durch seinen Einsatz bekannter gemacht hat als jeder seiner Vorgänger und Vorgängerinnen. Nun wird er der künftige Kanzlerkandidat der SPD. | Bildquelle: AFP

Vielsprachig, gut vernetzt

Ins Europaparlament wurde Schulz erstmals 1994 gewählt. Er arbeitete sich hoch: 2004 wurde er Chef der sozialdemokratischen Fraktion, Anfang 2012 dann Präsident des Europaparlaments. Im Juli 2014 wurde Schulz als erster EU-Parlamentspräsident für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

"Er hat das Parlament politischer und sichtbarer gemacht", sagte der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff über Schulz. Auf dem internationalen Parkett tritt der 61-Jährige selbstbewusst und sicher auf. Er spricht fließend Englisch und Französisch.

In Brüssel ist Schulz vernetzt: Er kennt viele politische Entscheider in den 28 EU-Ländern. Er reiste zum Beispiel als erster hoher Vertreter der EU nach dem gescheiterten Putschversuch in die Türkei. Er vermittelte, als CETA, das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada, am Widerstand der belgischen Region Wallonie zu scheitern drohte.

Porträt: Martin Schulz
tagesthemen 22:30 Uhr, 24.01.2017, Michael Grytz, ARD Brüssel

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Schulz polarisiert

Als Parlamentspräsident fand Schulz oft klare Worte. Er prangerte zum Beispiel den Demokratieabbau in Polen oder Ungarn an. Im Februar 2014 kritisierte er bei einem Besuch im israelischen Parlament die Lebensbedingungen der Palästinenser im Gazastreifen.

"Der Mann hat Ecken und Kanten. Der hat hier fünf Jahre lang das Parlament gut, manchmal auch mit harter Hand geführt", meint der liberale Europaabgeordnete Graf Lambsdorff.

Doch Schulz polarisiert auch durch sein Temperament und sein Machtstreben. Kritisiert wurde er vor allem von Grünen und Linken für seine enge Freundschaft zu Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Nach 22 Jahren im Europaparlament legte Schulz nun einen erstaunlichen Wechsel von Brüssel nach Berlin hin. Denn der Europäer startet für die SPD von 0 auf 100 in die Bundespolitik: als Parteichef und Kanzlerkandidat.


Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Januar 2017 um 22:30 Uhr.

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