Autos stehen im Stau | Bildquelle: picture alliance / dpa

Belastung mit Stickoxiden Umweltbundesamt gibt keine Entwarnung

Stand: 01.02.2018 11:42 Uhr

Die Stickoxid-Belastung ist laut Umweltbundesamt leicht zurückgegangen, aber immer noch zu hoch. In vielen Städten werden die Grenzwerte regelmäßig überschritten. Entlastung gibt es bei Feinstaub und Ozon.

Durch die Abgas-Affäre sind sie wieder in den Fokus geraten - und das offenbar zu Recht: Die Belastung der Luft mit Stickoxiden in deutschen Städten ist trotz erster Gegenmaßnahmen oft immer noch zu hoch. Im vergangenen Jahr wurden in 70 Kommunen Grenzwertüberschreitungen festgestellt, teilte das Umweltbundesamt mit. 2016 waren noch 90 Kommunen betroffen.

Maßnahmen reichen laut UBA nicht aus

Im Jahresmittel wurde bundesweit in 46 Prozent der Messstationen an Straßen zu hohe Werte festgestellt, in zwei Dritteln sogar deutlich. "Viele Einwohner sind also weiter zu viel gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid ausgesetzt", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Schuld seien vor allem die Diesel-Autos mit hohen Realemissionen, die oftmals erst in den vergangen Jahren zugelassen wurden und in den Städten unterwegs sind.

Die Maßnahmen des Diesel-Gipfels mit Software-Updates und Umtauschprämien reichten nicht aus, um die Luft in den Städten so zu verbessern, dass die Grenzwerte überall eingehalten werden. "Wir brauchen dringend die Hardware-Nachrüstung der Autos und leichten Nutzfahrzeuge."

Grundsatzurteil zu Fahrverboten erwartet

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet am 22. Februar am Beispiel Düsseldorfs über Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge, um die Schadstoff-Grenzwerte einhalten zu können. Die Entscheidung hat neben privaten Autofahrern auch für Teile der Wirtschaft erhebliche Bedeutung, weil beispielsweise im Handwerk viele Diesel-Fahrzeuge im Einsatz sind.

Städte, in denen 2017 sicher der Grenzwert überschritten wird
StadtJahresmittelwert 2016Jahresmittelwert 2017
München8078
Stuttgart8273
Köln6362
Reutlingen6660
Hamburg6258
Düsseldorf5856
Kiel6556
Heilbronn5755
Darmstadt5552
Ludwigsburg5351
Dortmund5150
Wiesbaden5350
Berlin5249
Freiburg im Breisgau4149
Oberhausen4849
Oldenburg (Oldb)5049
Wuppertal4949
Hagen5148
Mainz5348
Tübingen4848
Frankfurt am Main5247
Solingen (2017 neu)-47
Aachen4946
Gelsenkirchen4846
Leverkusen4546
Limburg a.d.Lahn6045
Mannheim4645
Augsburg4644
Hannover5544
Ludwigshafen4644
Osnabrück4844
Halle (Saale)4643
Leonberg4743
Nürnberg4643
Gießen4442
Essen5141
Regensburg4241

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit gilt im Jahresmittel ein Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Der Rückgang der mittleren Belastung durch den Schadstoff an verkehrsnahen Messstationen sank nach Angaben des UBA im vergangenen Jahr um rund zwei Mikrogramm. Grund sind offenbar unter anderem neue Tempolimits in den Städten, Nachrüstungen von Bussen und die Förderung des öffentlichen Verkehrs. Zudem hatten sich die Zulassungszahlen für Diesel-Fahrzeuge drastisch vermindert.

Entlastung bei Ozon und Feinstaub

2017 gehörte laut Umweltbundesamt mit den beiden Vorjahren zu den am geringsten mit Feinstaub belasteten Jahren. Dennoch seien weitere Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen notwendig, um das Gesundheitsrisiko weiter zu verringern.

Die Ozonkonzentrationen waren 2017 im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren niedrig. Anders als der Hitzesommer 2015 sei der Sommer 2017 eher wechselhaft gewesen, es seien keine langanhaltenden Schönwetterperioden aufgetreten, die die Ozonbildung hätten begünstigen können. Dennoch kam es auch hier an 17 Prozent aller Messstationen zu Überschreitungen des Grenzwertes.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Februar 2018 um 11:45 Uhr.

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