Autos stehen im Stau

Belastung mit Stickoxid Dicke Luft in deutschen Städten

Stand: 31.01.2017 15:09 Uhr

Schädliches Stickoxid verpestet die Luft in vielen deutschen Städten weiterhin viel zu stark. Schuld sind laut Umweltbundesamt vor allem alte Dieselautos. Die Behörde fordert Plaketten für schadstoffarme Autos - was Fahrverbote erleichtern würde.

Deutschland hat weiterhin Probleme mit Stickoxidabgasen. An mehr als der Hälfte aller verkehrsnahen Messstellen sei der Stickstoffdioxidgrenzwert im vergangenen im Jahresmittel überschritten worden, berichtete das Umweltbundesamt (UBA) nach der Auswertung von vorläufigen Messdaten. Fortschritte gab es hingegen beim Feinstaub. Die Belastung war 2016 so niedrig wie nie seit 2000.

Stickstoffdioxid sei "weiter Schadstoff Nummer eins", die Belastung seit 2010 nur leicht zurückgegangen, teilte die Behörde mit. Sie gefährde die Gesundheit der Menschen schon seit Jahrzehnten, erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Die Kommunen müssten endlich Möglichkeiten erhalten, Autos mit hohem Ausstoß aus den besonders belasteten Innenstädten zu verbannen. Schuld an der Misere seien "vor allem alte Dieselautos". Es gehe dabei um den Schutz der Bürger.

Städte mit hoher Stickstoffdioxid-Belastung

1. Stuttgart (Am Neckartor): 82 Mikrogramm pro Kubikmeter
2. München (Landshuter Allee): 80 Mikrogramm pro Kubikmeter
3. Reutlingen (Lederstraße Ost): 66 Mikrogramm pro Kubikmeter
4. Kiel (Theodor-Heuss-Ring): 65 Mikrogramm pro Kubikmeter
5. Köln (Clevischer Ring): 63 Mikrogramm pro Kubikmeter
6. Hamburg (Habichtstraße): 62 Mikrogramm pro Kubikmeter
7. Düsseldorf (Corneliusstraße): 58 Mikrogramm pro Kubikmeter

Forderung nach Plakette für schadstoffarme Autos

Auch die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und BUND forderte sofortige Maßnahmen der Politik. "Auf Bundesebene wie in den Kommunen muss es jetzt darum gehen, die Belastung für Menschen und Umwelt schnellstens zu verringern", erklärte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Die sogenannte Blaue Plakette dürfe jetzt "nicht länger tabuisiert werden".

Die Einführung der Plakette zur Kennzeichnung besonders schadstoffarmer Fahrzeuge war im vergangenen Sommer unter dem Protest von Umweltschützern vom Bundesumweltministerium auf Eis gelegt worden. Sie soll Autos mit besonders geringem Ausstoß von Abgasen wie etwa Stickoxid kennzeichnen. Die Plakette würde Kommunen eine Grundlage dafür verschaffen, nur diese in bestimmte Bereiche fahren zu lassen - und etwa ältere Diesel auszusperren.

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben der Statue auf der Siegessäule eine Atemschutzmaske übergezogen. | Bildquelle: dpa
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Protest gegen Luftverschmutzung: Greenpeace-Aktivisten haben der Statue auf der Siegessäule eine Atemschutzmaske übergezogen.

Grüne fordern Abschied vom Diesel

Die Grünen forderten angesichts der neuen Messergebnisse einen allmählichen Abschied von der Dieseltechnik. "Wir brauchen daher endlich einen Ausstiegsplan aus dem Diesel-Pkw und einen beherzten Einstieg in alternative Antriebstechnologien", erklärte Fraktionschef Anton Hofreiter im Bundestag. Gesundheit gehe vor "Kumpanei" mit der Autoindustrie.

Die Stickoxide entstehen als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen in Automotoren und anderen Verbrennungsanlagen. Laut Umweltbundesamt ist die Belastung in verkehrsreichen Ballungsgebieten daher am höchsten. Die Verbindungen schädigen Pflanzen und können insbesondere für Asthmatiker problematisch werden, weil sie die Bronchien verengen. Umweltschützer verweisen außerdem auf Gefahren durch Herzkreislauferkrankungen.

Über dieses Thema berichteten am 31. Januar 2017 Deutschlandfunk um 11:36 Uhr und Inforadio um 14:03 Uhr.

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