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[Bildunterschrift: Bild.de-Leser beklagten sich unter anderem über Fotos von kaum verdeckten Leichen. ]
Nach der Loveparade-Tragödie mit 20 Toten gibt es eine Flut von Beschwerden gegen die Berichterstattung. Seit dem Wochenende seien beim Deutschen Presserat 140 Beschwerden eingegangen, sagte eine Sprecherin am frühen Nachmittag. Insgesamt 137 diese Beschwerden hätten sich gegen die Berichte bei "Bild"-Zeitung und "bild.de" gerichtet.
Die Leser sehen laut Presserat vor allem Verstöße gegen Pressekodex-Ziffer 11. Dieser richtet sich unter anderem gegen eine "unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid". Betroffen ist auch Ziffer 8 zu Persönlichkeitsrechten: "bild.de" hatte unter anderem am Samstag Fotos von nur notdürftig mit Tüchern zugedeckten Leichen veröffentlicht.
Ein Sprecher der Axel Springer AG verteidigte die Berichterstattung: "Wie alle Medien berichtet auch 'Bild' - aus unserer Sicht angemessen und verhältnismäßig - über die tragischen, schockierenden Ereignisse während der Loveparade." Von Beschwerden beim Presserat sei ihm bislang nichts bekannt. Sollte der Presserat jedoch zu einer Stellungnahme auffordern, werde man dem natürlich nachkommen.
Die nächste Sitzung des Presserats-Beschwerdeausschusses findet im September statt. Mit der Möglichkeit, Beschwerden auch über das Netz an den Presserat zu richten, sei die Anzahl in jüngster Zeit deutlich gestiegen, erklärte der Presserat. So kursiere der entsprechende Link etwa im Kurznachrichtendienst Twitter und im Netzwerk Facebook.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief zu sachlicher Berichterstattung auf. "Die Informations- und Chronistenpflicht gilt auch für Boulevardzeitungen", sagte die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser. Es gelte, publizistische Grundsätze einzuhalten: "Dazu zähle, dass die Presse auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid verzichtet."
Wer diesen Grundsatz missachte, beschädige die Glaubwürdigkeit der Medien nachhaltig. "Gerade bei derart tragischen Ereignissen müssen Medien ihrer besonderen Verantwortung nachkommen", sagte Kaiser. "Es ist pietätlos gegenüber Opfern und Angehörigen, gezielt die Sensationslust zu bedienen."
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