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09.09.2010

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Loveparade-Desaster: Duisburger OB gerät in eigener Partei unter Druck
CDU-Politiker fordern Rücktritt wegen Loveparade-Drama

Duisburger OB gerät in eigener Partei unter Druck

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) gerät nun auch in der Union unter Druck. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte in der ZDF-Sendung "Maybritt Illner", Sauerland trage die politische Verantwortung. Zwar könne er verstehen, dass er nicht den Eindruck eines womöglich strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Adolf Sauerland lehnt einen Rücktritt bislang ab. ]
Ein solches Amt sei aber "nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden", sagte Bosbach. Er wünschen sich, dass Sauerland "selber zu der richtigen Entscheidung kommt und nicht nur auf Druck von außen reagiert".

Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl sagte der "Financial Times Deutschland", nach Prüfung des Auflagenbescheids liege der Fall "jetzt glasklar vor". Die Loveparade hätte "nie und nimmer" genehmigt werden dürfen: "Jeder Obsthändler, der in der Münchner Fußgängerzone einen Stand eröffnen will, muss mehr nachweisen." Darüber hinaus gab Uhl auch Polizeiführung und Stadtverwaltung eine Teilschuld.

Die Duisburger Linke-Ratsfraktion bereitet einen Antrag zur Abwahl Sauerlands vor, die FDP sagte Unterstützung zu. Zuvor hatten bereits SPD-Politiker Sauerland den Rücktritt nahe gelegt. Dies schloss der CDU-Politiker bislang jedoch aus. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes würde Sauerland bei einem Rücktritt sämtliche Pensionsansprüche verlieren. Erhalten blieben ihm diese nur, wenn er seine bis 2014 laufende Amtszeit beendet oder abgewählt werden sollte.

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"So eine Jagd auf die Schuldigen"

Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts "Ruhr.2010", Fritz Pleitgen, wandte sich hingegen gegen eine vorschnelle Abstrafung der Verantwortlichen für die Katastrophe. Er habe das Gefühl, "dass da jetzt so eine Jagd auf die Schuldigen ausbricht", sagte Pleitgen. Der frühere WDR-Intendant richtete zugleich Vorwürfe an diejenigen, die im Vorfeld vor den Gefahren intern gewarnt haben wollen: "Wenn alle das damals wussten, hätten sie das auch öffentlich äußern müssen." Vielleicht sei die Vorbereitungszeit für die Loveparade zu kurz gewesen.

Teilnehmerzahlen aller Loveparades im Ruhrgebiet gefälscht?

Wagen bei der Loveparade in Dortmund (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Laut Lopavent nahmen an der Dortmunder Loveparade 1,6 Millionen Menschen teil. Waren es in Wirklichkeit viel weniger? ]
Die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichten unterdessen, alle bislang veröffentlichten Zahlen der Loveparade-Teilnehmer im Ruhrgebiet seien gefälscht worden. So hatte es geheißen, in Essen seien 2007 insgesamt 1,2 Millionen Menschen auf dem Techno-Event gewesen. Nach Dortmund sollen 2008 1,6 Millionen gekommen sein, in Duisburg war von 1,4 Millionen Menschen die Rede. Jede dieser Zahlen sei stark übertrieben - das gehe aus einem "streng vertraulichen" Dokument des Loveparade-Veranstalters Lopavent hervor.

Ebenfalls in den Zeitungen der WAZ-Gruppe forderte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz eine gesetzliche Versicherungspflicht für Veranstalter. Die Versicherung in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro, die Lopavent abgeschlossen habe, werde angesichts der vielen Opfer nicht ausreichen. Er räumte ein, eine Versicherungspflicht könne eine Veranstaltung kippen, "wenn keiner die Kosten tragen kann". Es gehe aber um übergeordnete Interessen. Das Justizministerium stellte klar, dass eine Stadt schon heute dem Veranstalter Auflagen erlassen und eine Genehmigung von einer ausreichenden Haftpflicht abhängig machen könne.

Offizielle Trauerfeier in Duisburg

Am Donnerstag hatten Hunderte Duisburger mit einer Schweigeminute vor dem Rathaus den Opfern gedacht. Sie forderten auch Sauerlands Rücktritt. Nach der Kundgebung formierte sich ein Protestzug durch die Duisburger Innenstadt.

Am Samstag ist eine offizielle Trauerfeier in Duisburg geplant, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen wollen.

Stand: 30.07.2010 14:55 Uhr

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