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Nach dem Rückzug Lafontaines werden in Zukunft die aus dem Osten stammenden Vize-Fraktionschefin Gesine Lötzsch und der westdeutsche Parteivize Klaus Ernst die Linkspartei führen. Lafontaine hinterlässt bei den Linken eine große Lücke: Man könne "Oskar nicht imitieren oder ersetzen", betonte Ernst.
Von Michael Weidemann, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
Die Linkspartei wird auch in Zukunft eine Doppelspitze haben: Nach einem Sitzungsmarathon hat sich die Parteiführung in der vergangenen Nacht auf eine Frau aus dem Osten und einen Mann aus dem Westen als Nachfolger der scheidenden Vorsitzenden Oskar Lafontaine und Lothar Bisky geeinigt. Dies bestätigte Gregor Gysi am Mittag: "Der Parteivorstand, auch der Geschäftsführende Vorstand, schlägt dem Parteitag vor, zur Vorsitzenden unserer Partei Gesine Lötzsch zu wählen, und zum Vorsitzenden unserer Partei Klaus Ernst zu wählen", so Gysi.
Die Berlinerin Lötzsch, die sich als Haushaltsexpertin im Bundestag einen Namen gemacht hat, gilt als Vertreterin des eher pragmatischen Flügels in der Linkspartei. Ihr wird aber auch die Fähigkeit zugetraut, in Streitfragen Konsenslösungen zu erreichen - eine Eigenschaft, die sie angesichts der jüngst aufgebrochenen Personalstreitigkeiten zwischen Pragmatikern und Fundamentalisten dringend brauchen wird.
Lötzsch appellierte denn auch an das Zusammengehörigkeitsgefühl der linken Mitglieder und Wähler: "Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass wir das Fundament, was von Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, Lothar Bisky und natürlich vielen, vielen Mitgliedern der Partei gelegt wurde, festigen, auf ihm aufbauen, dass wir mit klarer Programmatik uns in den nächsten Jahren in den Herzen und den Gehirnen der Wählerinnen und Wähler verfestigen können", so Lötzsch.
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Der Bayer Ernst, ein langjähriger IG-Metall-Bevollmächtigter, soll die Anhänger der als Gegenbewegung zur SPD gegründeten WASG repräsentieren, wird aber auch von den Vertretern der dogmatischen Linken im Westen akzeptiert. Ernst gilt als enger Vertrauter von Lafontaine, auf den er sich bei seiner Vorstellung vor den Medien auch ausdrücklich berief: "Mir ist natürlich klar - und ich glaube, dass ist uns allen klar - dass wir Oskar nicht einfach imitieren oder ersetzen können. Also, einfach 'den Oskar machen' wird nicht klappen", ist sich Ernst sicher.
Ernst ist nicht unumstritten, seine Berufung dürfte denn auch die nächtlichen Sitzungen deutlich verlängert haben. Der Widerstand der Ost-Pragmatiker gegen ihn musste erst überwunden werden. Schneller vom Tisch war das favorisierte Modell, mit Gysi nur einen Parteivorsitzenden zu wählen. Das habe er mit Verweis auf seine Gesundheit abgelehnt, sagte Gysi:"Es gab persönliche Gründe. Ich bin auch mit meiner Funktion als Fraktionsvorsitzender zufrieden. Im Übrigen kenne ich alle sehr gut, die hier stehen. Wir werden uns immer beraten; ich bin ja nicht aus der Welt. Das heisst, wenn mein Ratschlag gefordert ist, wird es ihn geben - und wenn er nicht gefordert ist wahrscheinlich auch", so Gysi.
Ratschläge, die auch an die künftigen Stellvertreter der Bundespartei gehen sollen: dazu sind die Sächsin Katja Kipping, die Berlinerin Halina Wawczyniak, der Saarländer Heinz Bierbaum und - eine kleine Überraschung - die in den Westen gewechselte prominenteste Vertreterin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht, vorgeschlagen worden.
Künftig soll es zudem zwei Bundesgeschäftsführer geben: den hessischen Gewerkschafter Werner Dreibus und die sächsische Bundestagsabgeordnete Caren Lay.
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