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Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Liao Yiwu

In Deutschland geehrt - in China verboten

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu befasst sich in seinen Werken mit den Menschen am unteren Rande seiner Gesellschaft. In China stehen seine Schriften deshalb auf dem Index, er selbst floh vor einem Jahr nach Deutschland. Nun wird er mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Liao Yiwu lebte vor seiner Flucht nach Deutschland weitab von der politisch aufgeladenen Atmosphäre Pekings, nämlich im bergigen Sichuan im Südwesten der Volksrepublik China. Doch auch dort hat er die harte Hand der chinesischen Staatssicherheit immer wieder zu spüren bekommen. Erstmals verhaftet wurde er 1990 - damals wegen eines kritischen Gedichts über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. 

Portrait des Schriftstellers Liao Yiwu
R. Kirchner, ARD Peking
21.06.2012 15:20 Uhr

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"Das Gefängnis hat mich geprägt"

Insgesamt saß er vier Jahre im Gefängnis. Diese Zeit hat ihn geprägt: "Ich habe viel durchgemacht in meinem Leben, sagte er vor einiger Zeit in einem Interview. Aber meine Einstellung hat sich mit der Zeit verändert. Zuerst war ich wütend, konnte diese ganzen Ungerechtigkeiten kaum ertragen. Doch dann habe ich dazu gelernt, wenn man Dinge nicht erträgt, muss man davon lernen. Ich habe von meinem Leiden gelernt."

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu.
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Liao Yiiwu nennt unbequeme Dinge beim Namen.

Doch das heißt nicht, dass Liao Yiwu weniger zornig über seine Erfahrungen im Gefängnis schreibt. Er stellt ein System dar, das seine Bürger hinter Gittern foltert und erniedrigt. Sein erschütternder Erfahrungsbericht erschien letztes Jahr auf Deutsch unter dem Titel "Für ein Lied und hundert Lieder".  Vermutlich wegen der wortgewaltigen Beschreibungen der Zustände im Gefängnis, die Liao erstmals 2004 in Hongkong veröffentlicht hatte, durfte er China jahrelang nicht verlassen. Erst letzten Sommer konnte er sich über Vietnam nach Deutschland absetzen.

Kein politischer Autor

Dabei versteht sich der 53-Jährige nicht als explizit politischer Autor, denn er kommentiert keine aktuellen Ereignisse. Er sieht sich eher als Sammler von Erinnerungen und dokumentiert Begegnungen und  Gespräche. In "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser"  gibt er denjenigen eine Stimme, die in China sonst nicht gehört werden: Kleinkriminellen, Wanderarbeitern, Prostituierten - Menschen am unteren Rand der Gesellschaft.

In China ist das nicht erwünscht - Liao Yiwus Bücher stehen seit Jahren auf dem Index. "Für Menschen im Westen ist es die normalste Sache der Welt über alles frei schreiben zu können. In China muss man dafür kämpfen. Man muss versuchen eine geschlossene Tür Zentimeter um Zentimeter aufzustoßen. Ich werde weiter dafür kämpfen in China publizieren zu können. Wenn nur einer meine Bücher liest, habe ich immerhin einen Menschen beeinflusst", sagt der Schriftsteller.

Liao beschreibt die unharmonischen Seiten Chinas

Der chinesische Dissident Liao Yiwu.
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Seine Schriften stehen in seiner Heimat auf dem Index.

Liao Yiwus Bücher sind in China der breiteren Öffentlichkeit nicht bekannt, dafür sorgt schon die Zensur. Auch die Themen sind nicht immer einfach, weil er, der Autor, Ex-Häftling, Vagabund und Musiker, immer wieder im Dreck wühlt und die hässlichen, unharmonischen Seiten Chinas zeigt. In einem Land im Aufbruch wollen viele so etwas nicht lesen und auch nicht an die dunklen Flecken der Geschichte erinnert werden.

Etwa an die brutale Verfolgung von Christen im südchinesischen Yunnan während der Mao-Zeit, die Liao Yiwu in "Gott ist Rot" beschreibt. Trotz der Verfolgung und der Drangsalierung durch die Behörden hatte sich Liao Yiwu viele Jahre lang ein Leben im Exil eigentlich nicht vorstellen können. Seine Liebe für China lasse seine Seele manchmal weinen, zitierte er vor seiner Flucht den berühmten Dichter Ai Qing - den Vater von Ai Weiwei. Doch dann entschied er sich für das Leben in Freiheit.

Buch behandelt Tabu-Thema

Im Herbst soll nun ein neues Buch mit dem Titel "Die Kugel und das Opium" erscheinen. Für Liao Yiwu eine Rückkehr an seine Anfänge. Denn wieder geht es um das chinesische Tabu-Thema, die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 - also jenes Thema das Liao Yiwu vor über 20 Jahren erstmals ins Gefängnis brachte.

Stand: 21.06.2012 15:51 Uhr

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