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Elf Forscher erhalten Leibniz-Preise 2012
Herausragende wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet
Elf Forscher erhalten Leibniz-Preise 2012
Zwei Wissenschaftlerinnen und neun Wissenschaftler sind mit dem hochdotierten Leibniz-Preis 2012 ausgezeichnet worden. Der Förderpreis für deutsche Forscher wurde in unterschiedlichen Fachgebieten von Arabistik bis Ozeanographie und Zelluläre Neurowissenschaft vergeben.
[Bildunterschrift: Gipsbüste von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716): Das Universalgenie ist der Namensgeber der Wissenschafts-Preise. ]
Der Leibniz-Preis sei die wichtigste und prominenteste Form der Einzelförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), sagte Präsident Matthias Kleiner. Sie sei "das Rückgrat unserer Forschungsförderung insgesamt".
Die Preisträger zeigten eindrucksvoll die Bedeutung der Grundlagenforschung. Ihre Arbeiten legten Grundsteine für innovative wissenschaftliche Techniken oder für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Therapien.
Preisgeld von 2,5 Millionen Euro
Die Auswahl der Preisträger traf der Hauptausschuss der DFG in Bonn. Neun der Ausgezeichneten erhalten je ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro, zwei Wissenschaftler teilen sich einen Preis zur Hälfte mit je 1,25 Millionen Euro.
Von den elf Preisträgern kommen fünf aus den Lebenswissenschaften, drei aus den Naturwissenschaften, zwei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften und einer aus den Ingenieurwissenschaften. Verliehen werden die Preise am 27. Februar in Berlin.
Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG vergeben. Mit den zehn Preisen für 2012 sind bislang insgesamt 300 Leibniz-Preise vergeben worden. Davon gingen 103 in die Naturwissenschaften, 87 in die Lebenswissenschaften, 64 in die Geistes- und Sozialwissenschaften und 46 in die Ingenieurwissenschaften.
Die diesjährigen Leibniz-Preisträger:
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt Kurzporträts der Preisträger und erläutert ihre Arbeiten. Ein Auszug daraus:
Prof. Michael Brecht, Neurophysiologie/Zelluläre Neurowissenschaft, Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin: Mit originellen Forschungsansätzen und innovativen Techniken habe er Pionierarbeit in der Neurobiologie geleistet. Er zeigte, dass bereits die Stimulation einer Nervenzelle motorisches Verhalten auslösen kann.
Prof. Rainer Forst, Politische Philosophie/Theorie, Universität Frankfurt am Main: Er gelte national und international als der wichtigste deutsche politische Philosoph der Generation "unter 50". Auf höchst originelle Weise habe Forst die Erkenntnis durchdacht und formuliert, dass der Mensch schon immer in verschiedene "Rechtfertigungspraktiken" eingebettet sei.
Prof. Gunther Hartmann, Klinische Pharmakologie/Angeborene Immunität, Universitätsklinikum Bonn
gemeinsam mit
Prof. Christian Kurts, Immunologie/Nephrologie, Universitätsklinikum Bonn: Sie hätten wegweisende Entdeckungen zur Aufklärung der Wirkungsweise der körpereigenen Abwehrsysteme gemacht.
Prof. Matthias Mann, Biochemie, Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried: Ohne seine Arbeiten wäre die moderne Biologie im Grunde nicht möglich. Als außergewöhnlich einfallsreicher und erfolgreicher Methodenentwickler und -anwender habe der Biochemiker die "large scale proteomics" und damit die Erfassung aller Proteine von biologischen Systemen geprägt.
Prof. Friederike Pannewick, Arabistik/Literatur, Theater, Ideengeschichte, Universität Marburg: Sie bekommt den ersten Preis für Arabistik überhaupt. Pannewick habe die interdisziplinäre Neuausrichtung ihres Faches und der Nahost-Studien in Deutschland insgesamt wesentlich vorangetrieben.
Prof. Nikolaus Rajewsky, Systembiologie, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), Berlin: Er habe neue Maßstäbe in der Systembiologie gesetzt und darüber hinaus die Lebenswissenschaften insgesamt bereichert. In seinen Arbeiten kombiniere er höchst kreativ und produktiv die Physik und Mathematik mit der Systembiologie, die die regulatorischen Prozesse in ganzen Zellen oder Organismen über die genom- oder proteomweiten Ebenen hinweg betrachtet - bedeutsam beispielsweise bei der Entstehung von Krebs und anderen Krankheiten.
Prof. Ulf Riebesell, Ozeanographie, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) an der Universität zu Kiel: Er betreibt Forschungen zum Ozeanwandel, einer der weitreichendsten Begleit- und Folgeerscheinungen des vom Menschen verursachten Klimawandels. Er habe zeigen können, wie infolge der erhöhten Aufnahme von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre der ph-Wert der Ozeane abnimmt und sich bei kalkhaltigen Organismen die Fähigkeit verringert, Gehäuse zu bilden.
Prof. Peter Sanders, Theoretische Informatik/Algorithmik, Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Der Karlsruher Informatiker gelte insbesondere als Schlüsselfigur des "algorithm engineering". Spektakulär seien dabei vor allem Sanders' Ergebnisse zur Wegeplanung in Straßennetzen, um die seit der digitalen Veröffentlichung des US- und des europäischen Straßennetzes ein regelrechter Wettlauf zwischen den Algorithmen-Forschern entbrannt sei.
Prof. Barbara Wohlmuth, Numerische Mathematik, Technische Universität München: Ihre Forschungsleistungen in der Numerischen Mathematik hätten unmittelbare Anwendungen im Gebiet des wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Rechnens ermöglicht.
Prof. Jörg Wrachtrup, Experimentelle Physik, Universität Stuttgart: Er habe ein völlig neuartiges und sehr erfolgreiches Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen Festkörperphysik und Quantenoptik erschlossen, das weit in die Material- und Lebenswissenschaften hineinstrahle. So habe durch seine Forschung die Auflösung der Fluoreszenz-Mikroskopie maximiert werden können.
Stand: 08.12.2011 19:05 Uhr