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Überfüllte Seminarräume, schlecht ausgestattete Bibliotheken und im internationalen Vergleich eher Durchschnitt: Das dürfte vielen in den Sinn kommen, wenn sie an deutsche Universitäten denken. Der Wissenschaftsrat empfiehlt nun ein interne Qualitätskontrolle - auch für die Leistung von Professoren.
Von Christian Blenker für tagesschau.de
[Bildunterschrift: An der Universität heißt es forschen und lehren - doch wo lernt man das? ]
Der Hörsaal platzt aus allen Nähten, mit monotoner Stimme hält der Professor seinen Vortrag, während auf den Bänken die Studierenden mit dem Schlaf kämpfen. An deutschen Universitäten ist das kein Einzelfall. Viele Professoren genießen zwar ein großes Ansehen für ihre Forschungsarbeiten, scheitern aber an der Aufgabe, ihr Wissen an die Studierenden zu vermitteln.
Das will der Wissenschaftsrat nun ändern: Das Gremium aus Professoren und Politikern erarbeitet in dieser Woche Empfehlungen, um die Qualität der Lehre und des Studiums zu verbessern. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Studienberechtigten spürbar steigen, so die Prognose. Umso dringlicher brauchen die Universitäten mehr Lehrkräfte und die müssen künftig besser auf die Arbeit im Hörsaal vorbereitet werden.
Der Chef des Rates, der Münchner Professor Peter Strohschneider, kann sich etwa vorstellen, Fachzentren für die Hochschullehre einzurichten, in denen die Lehrkräfte nach US-amerikanischem oder britischem Vorbild didaktisch weitergebildet werden. Denn bisher werde die Fähigkeit zu lehren an deutschen Universitäten nicht vermittelt. Hochschullehrer seien weitgehend Autodidakten.
Dabei gibt es sie schon jetzt, Schulungsangebote gegen monotone Vorlesungen und wirre Seminare. Seit den 70er-Jahren wurden an einzelnen Hochschulen didaktische Angebote ausgebaut, nur, sie werden kaum genutzt. Der Leiter des Hamburger Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung, Rolf Schulmeister, beklagt, dass besonders die älteren Professoren in seinen Kursen fehlen. "So lange die Hochschulpolitik eine solche Ausbildung in ihrer Berufungspolitik nicht berücksichtigt und für die weitere Karriere an der Universität voraussetzt, wird die Nachfrage nur von den jungen Nachwuchswissenschaftlern erfolgen." Bisher zähle vor allem der Erfolg in der Forschung, nicht aber die Fähigkeit, Wissen im Hörsaal verständlich zu vermitteln.
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Trotzdem - alle Lehrenden gleichermaßen zu verurteilen wäre falsch. Auch wenn laut Wissenschaftsrat die Dozenten dringend in Sachen Lehrkompetenz nachsitzen müssen - es gibt auch positive Beispiele: Sigrid Harendza etwa. Die Medizinerin lehrt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und wurde mit dem "Ars legendi-Preis für exzellente Hochschullehre" ausgezeichnet. Vor ihrer ersten Lehrveranstaltung wusste aber auch sie nicht, wie sie den Stoff am besten rüberbringen soll: "Ich war damals Ärztin im Praktikum und mir wurde gesagt, ich solle diesen Kurs unterrichten. Dann hab ich mir überlegt, was für die Studenten vielleicht interessant wäre und habe es so gemacht, wie es vielleicht interessant ist." Jeder, der sich für eine Laufbahn an der Uni entscheidet müsse sich darauf einstellen, dass dort nicht nur geforscht wird, sagt Harendza. Mindestens 30 Prozent der Zeit gingen schlichtweg für die Lehre drauf.
Um die Qualität der Lehre zu verbessern, fordert der Wissenschaftsrat von den Universitäten, in den nächsten drei Jahren ein systematisches hochschulinternes Qualitätsmanagement aufzubauen. Dazu gehöre auch eine bessere Personalpolitik. Die Qualifizierung des Lehrpersonals solle bereits in der Promotionsphase beginnen und als kontinuierliche Weiterbildung bei einer akademischen Laufbahn verstanden werden.
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