"Legida"-Gegner in Leipzig

Demos in Leipzig "Legida" trifft auf viele Gegner

Stand: 21.01.2015 20:56 Uhr

Leipzig im Ausnahmezustand: Tausende "Legida"-Anhänger und Gegner sind in der Stadt. Ein Großaufgebot der Polizei versucht, die Gruppen voneinander abzuschirmen. Zuvor hatte es auf die Bahnstrecke zwischen Dresden und Leipzig zwei Brandanschläge gegeben. Fast die Hälfte der Gleise ist gesperrt. Eine Bahn-Sprecherin sagte, dass der Fernverkehr nach Leipzig weiträumig umgeleitet werde und mit großen Verspätungen zu rechnen sei. Auch der Nahverkehr ist betroffen.

Offenbar gelang es dem islamkritischen Bündnis nicht, die erhofften Zehntausende Teilnehmer mobilisieren. Zur Auftaktkundgebung auf dem zentralen Augustusplatz versammelten sich nach Angaben von Reportern von ARD und DPA zwischen 5000 und 10.000 Menschen. "Die Zahl 40.000 können wir streichen", sagte ein Polizist im Einsatz mit Blick auf die von "Legida" angemeldete Teilnehmerzahl. Die Oper und das Gewandhaus sind dunkel, die Lichter sind aus Protest gegen "Legida" ausgeschaltet.

Mehrere Tausend "Legida"-Gegner blockierten den Zugang zum Platz. Anhänger der Islamkritiker wurden mit Trillerpfeifen und "Haut ab, haut ab"-Rufen empfangen und am Weiterkommen gehindert. Die Polizei bezeichnete die Stimmung als gespannt. Größere Zwischenfälle gibt es aber bislang wohl nicht. Viele Geschäfte im Stadtzentrum hatten wegen der Demonstration vorzeitig geschlossen.

Anhänger der "Legida" in Leipzig
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Anhänger von "Legida" ...

Gegner von "Legida" in Leipzig
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... treffen in der Leipziger Innenstadt auf viele Gegner.

Am Nachmittag standen in der Innenstadt Absperrgitter bereit, Hubschrauber kreisten immer wieder über den Häusern. Rund 4000 Polizisten aus ganz Deutschland sollen für Sicherheit sorgen, darunter etwa 1000 Bundespolizisten.

Sachsens Verfassungsschutz schätzt "Legida" als radikaler ein als "Pegida". "'Legida' gebärdet sich im Vergleich zu 'Pegida' entschlossener und viel radikaler", sagte der sächsische Verfassungsschutzpräsident Gordian Meyer-Plath der "Welt". In Leipzig hätten parteigebundene Rechtsextremisten, Angehörige der Kameradschaftsszene und rechtsextremistische Hooligans mehrfach gemeinsame Sache gemacht. "Diese Kräfte versuchen jetzt, im Rahmen von 'Legida' eine Plattform zu finden", sagte Meyer-Plath. "Legida" ist der Leipziger Ableger der in Dresden agierenden "Pegida"-Bewegung.

Kurz vor Beginn der Demonstrationen war bekannt geworden, dass "Pegida"-Chef Lutz Bachmann zurücktritt - nach einer Welle der Empörung über ein "Hitler-Foto" und ausländerfeindliche Äußerungen. Inzwischen gibt es offenbar auch Krach zwischen "Pegida" und "Legida". "Pegida"-Sprecherin Kathrin Oertel kündigte an, rechtliche Schritte gegen den Ableger in Leipzig zu prüfen.

In Köln zogen etwa 200 Anhänger des dortigen "Pegida"-Ablegers "Kögida" vom Bahnhofsvorplatz aus durch einige Innenstadtstraßen. Es war die dritte "Kögida"-Demo. Die Gegendemonstranten brachten deutlich mehr Menschen auf die Straße. Die Polizei sprach von anfangs rund 1500 Teilnehmern. Die Beamten nahm sechs "Kögida"-Anhänger wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz vorübergehend in  Gewahrsam.

In Belgien ist die erste "Pegida"-Demo untersagt worden. Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever habe sowohl die Genehmigung für die Kundgebung der "Pegida"-Unterstützer wie auch Veranstaltungen von Gegnern der islamfeindlichen Bewegung verweigert, meldete die Nachrichtenagentur Belga. Spekuliert wird, dass Sicherheitsgründe ausschlaggebend für das Verbot sein könnten.

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