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Wie die Lebensmittelbranche die Verbraucher täuscht

Preissteigerungen nicht gerechtfertigt

Wie die Lebensmittelbranche die Verbraucher täuscht

Die Lebensmittelpreise steigen - auch in Deutschland. Schuld daran sind vor allem die gestiegenen Preise auf dem Weltmarkt. Das sagen zumindest die deutschen Hersteller und Händler. Viele dieser Preissteigerungen sind jedoch Made in Germany.

Von Ulrich Hagmann für Report München

Lebensmittelpreise Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Lebensmittelpreise steigen immer mehr. ]
Der deutsche Verbraucher bekommt es an der Supermarktkasse schmerzhaft zu spüren: Viele Lebensmittel sind so teuer wie noch nie. Heimische Erzeuger und Händler machen für diese Entwicklung vor allem die gestiegenen Preise auf dem Weltmarkt verantwortlich. Doch die Antwort ist nicht so einfach. Wie Report München zeigt, sind viele dieser Preissteigerungen Made in Germany.

"Massive Preissteigerungen beim Bier sind nicht gerechtfertigt"

Auch beim Bier sind die Preise in ganz Deutschland deutlich gestiegen. In den letzten Wochen haben die Brauereien den Preis für eine Kiste Bier um einen Euro erhöht. Auf dem Münchner Oktoberfest soll der Liter Bier dieses Jahr erstmals über acht Euro kosten. Für die Brauer ist die Sache klar. "Die Brauereien sind insgesamt mit hohen Rohstoffkostensteigerungen konfrontiert", sagt Werner Gloßner, Geschäftsführer des Verbands Privater Brauereien Bayern e.V. Teures Getreide und Hopfen auf dem Weltmarkt lasse die Kosten in die Höhe schießen.

Durstiger auf dem Oktoberfest (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Auf dem Oktoberfest 2008 wird die Maß erstmals mehr als acht Euro kosten. ]
Doch die Zahlen der „Zentralen Markt- und Preisberichtstelle“ (ZMP) mit Sitz in Bonn sprechen eine andere Sprache: „Unsere Berechnungen haben ergeben, dass der Anteil von Braugerste in einem Liter Bier sich in einer Größenordnung von fünf bis sechs Cent und bei einem Kasten von zehn Liter in einer Größenordnung von 50 bis 60 Cent bewegen dürfte“, sagt Martin Schraa von der ZMP. Wohlgemerkt, nachdem sich die Rohstoffpreise im letzten Jahr verdoppelt haben. Der geringe Rohstoffkostenanteil im Bier rechtfertigt die massive Preissteigerung jedenfalls nicht. Auch die Hopfenbauern verweisen darauf, dass die meisten Brauereien den gestiegenen Hopfenpreis gar nicht zahlen müssen, weil sie langfristige Verträge haben, die ihnen weit günstigere Preise garantieren. "Insofern ist es logisch, dass die Bierpreiserhöhung nicht mit den gestiegenen Preisen am Hopfenmarkt zusammenhängt", sagt Otmar Weingarten vom Verband deutscher Hopfenbauer.

Von den gesunkenen Weizenpreisen ist beim Bäcker nichts zu spüren

Knackige und goldige Brötchen für den Frühstückstisch (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Getreide und Weizen werden billiger - die Brötchen nicht. ]
Ähnlich verhält es sich beim Weizen. 100 Kilo Weizen kosten derzeit rund 21 Euro, daraus lassen sich 1840 Brötchen im Wert von 552 Euro backen. In einem Brötchen befindet sich Weizen für gerade mal etwas mehr als einen Cent. Dennoch haben auch die Bäcker die Preise kräftig erhöht. Die Begründung ist die gleiche wie bei den Brauern – Schuld seien die hohen Weltmarktpreise für Getreide. Doch der Getreidemarkt hat sich seit März wieder beruhigt. "Die Getreide- und Weizenpreise sind in den letzten Wochen an den internationalen Terminmärkten deutlich gefallen", bestätigt Schraa. An der Kasse beim Bäcker ist davon aber nichts zu spüren. "Wenn der Mehlpreis in den Keller sinkt, dann geben das nur die wenigsten Bäcker an ihre Kunden weiter", sagt Bäckermeister Walter Nagler.

Der Anstieg der Preise hat Methode

Getreideernte (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nicht der Getreidepreis ist für die Verteuerung von Bier und Brötchen ausschlaggebend. ]
Egal ob Bier oder Brötchen – hinter solchen Preissteigerungen steckt Methode, wie ein Blick auf die Entwicklung der Brot- und Getreidepreise zeigt. Seit 1950 steigt der Brotpreis kontinuierlich an, der Getreidepreis jedoch nicht. 1985 kostete das Kilo Roggen mehr als heute, aber das Kilo Roggenbrot war deutlich billiger. Wo bleibt das ganze Geld? "Die Spanne zwischen dem hohen Verbraucherpreis und dem geringen Rohstoffpreis streicht sich letztendlich natürlich auch der Verarbeiter und der Handel ein", sagt Jutta Jaschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. In erster Linie machen Handel und die heimischen Hersteller Kasse. Es hat den Anschein, als ob der Weltmarkt nur als Vorwand dient, um die Preissteigerungen rechtfertigen zu können. Opfer ist am Ende einmal mehr der Verbraucher.

Stand: 05.05.2008 19:20 Uhr
 

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