Polizeivizepräsident Uwe Stürmer vom Polizeipräsidium Konstanz hält am 30.09.2017 bei einer Pressekonferenz beispielhaft eine Plastikflasche in der Hand, um die Menge des Giftes zu zeigen.  | Bildquelle: dpa

Vergiftete Babynahrung Mutmaßlicher Supermarkt-Erpresser gesteht

Stand: 30.09.2017 21:09 Uhr

Der mutmaßliche Supermarkt-Erpresser hat die Vorwürfe gegen ihn gestanden. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Außerdem habe der 53-Jährige vor dem Haftrichter erklärt, dass er keine weiteren vergifteten Lebensmittel verteilt habe.

Die Supermarkt-Erpressung mit vergifteter Babynahrung ist aller Wahrscheinlichkeit nach aufgeklärt: Ein 53-jähriger Tatverdächtiger aus dem Kreis Tübingen legte ein Geständnis ab, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Demnach sagte der Mann auch aus, keine weiteren vergifteten Lebensmittel verteilt zu haben.

Am Nachmittag hatte ein Richter in Ravensburg Haftbefehl erlassen, der dringend Tatverdächtige wurde inzwischen in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Der Erpresser hatte damit gedroht, 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen, und per E-Mail einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gefordert. Mitte September hatte er fünf Gläschen Babynahrung mit Ethylenglycol vergiftet und in einen Supermarkt in Friedrichshafen am Bodensee gebracht.

Haftbefehl gegen mutmaßlichen Lebensmittel-Erpresser
tagesschau 20:00 Uhr, 30.09.2017, Stefan Maier, SWR

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Hunderte Hinweise

Als die Polizei Bilder einer Überwachungskamera veröffentlichte, gingen Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung ein - darunter auch Hinweise auf den nun gefassten Tatverdächtigen. Der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger sprach auf einer Pressekonferenz in Konstanz von einer erdrückenden Beweislast. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am Freitag in Ofterdingen habe man eine Flasche mit dem Gift Ethylenglycol gefunden, mit dem die sichergestellte Babynahrung in Friedrichshafen versetzt worden war. DNA-Spuren an den vergifteten Gläschen deuteten ebenfalls auf den Mann hin. Der Verdächtige habe die Vernichtung von Beweismitteln vorbereitet. Einen Laptop fanden die Beamten in einem Altkleider-Container.

Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Der Verdächtige lebte demnach seit 2005 in Baden-Württemberg. Zuvor war er in Bayern gemeldet gewesen. Der Vorwurf gegen den Verdächtigen lautet auf versuchte räuberische Erpressung. Laut Boger drohen ihm im Fall einer Verurteilung zwischen fünf und 15 Jahren Haft. Er schloss eine mögliche Beschuldigung auch wegen versuchter Tötung nicht aus. In dem Fall wäre eine lebenslange Strafe möglich.

Der Verdächtige sei ein Mann mit psychischen Auffälligkeiten und Brüchen in der Biografie, sagte Stürmer. Er sei ein exzentrischer Einzelgänger. Weitere Angaben wollte der Vizepräsident nicht machen, um das Persönlichkeitsrecht des Verdächtigen nicht zu verletzen. Boger sagte, der Mann sei nach ersten Erkenntnissen strafrechtlich vorbelastet. Details nannte er nicht, weil ihm die Akte noch nicht vorliege.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2017 um 20:00 Uhr.

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