Polizeivizepräsident Uwe Stürmer (l) vom Polizeipräsidium Konstanz und Oberstaatsanwalt Alexander Boger sprechen am 30.09.2017 im Polizeipräsidium in Konstanz (Baden-Württemberg) bei einer Pressekonferenz zur Lebensmittel-Erpressung.  | Bildquelle: dpa

Vergiftete Babynahrung Haftbefehl gegen Supermarkt-Erpresser

Stand: 30.09.2017 18:08 Uhr

Gegen den mutmaßlichen Erpresser im Fall der vergifteten Babynahrung ist Haftbefehl erlassen worden. Der 53-Jährige aus dem Kreis Tübingen soll versucht haben, einen Millionenbetrag zu erpressen.

Nach der Festnahme am Nachmittag hat die Polizei Haftbefehl wegen versuchter schwerer, räuberischer Erpressung gegen den mutmaßlichen Supermarkt-Erpresser erlassen. Das sagte ein Sprecher der Polizei in Konstanz. Ein Ermittlungsrichter hatte den Verdächtigen verhört. Der 53-Jährige aus dem Kreis Tübingen soll versucht haben, einen Millionenbetrag zu erpressen. Er war am Freitagnachmittag im Raum Tübingen festgenommen worden.

Bei einer Pressekonferenz hatten Polizei und Staatsanwaltschaft zuvor Details bekannt gegeben. Der Mann sei der Täter, das sei ihre "feste Auffassung", sagten sie. Hinweise auf einen oder mehrere mögliche Mittäter gebe es derzeit nicht. Der Verdächtige wude dem Haftrichter wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung vorgeführt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger in Konstanz. 

Alexander Boger, Staatsanwaltschaft Ravensburg, mit Informationen zum Tatverdächtigen
tagesschau24 16:00 Uhr, 30.09.2017

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Erdrückende Beweise

Er habe die Tat bisher nicht gestanden. Die Beweislast gilt aber als erdrückend - wegen des Abgleichs mit den Fahndungsfotos und dem Abgleich von Spuren. So sei bei dem Mann auch das Gift gefunden worden, mit dem Babynahrung in Friedrichshafen versetzt worden war. Dabei handelt es sich um Ethylenglykol.

Ethylenglykol ist dem Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg zufolge bei Erwachsenen ab einer Menge von 30 Millilitern gesundheitsgefährdend. Eine Vergiftung könne aber medizinisch gestoppt werden und müsse daher nicht tödlich sein.

Laut Boger drohen dem Mann zwischen fünf und 15 Jahren Haft im Fall einer Verurteilung. Boger schloss eine mögliche Beschuldigung auch wegen versuchter Tötung nicht aus. In dem Fall könnte er bei einem Schuldspruch auch zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Haftbefehl gegen mutmaßlichen Lebensmittel-Erpresser
tagesschau 20:00 Uhr, 30.09.2017, Stefan Maier, SWR

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Keine Entwarnung

Trotz der Festnahme gaben die Behörden noch keine Entwarnung beim Lebensmittelkauf. Verbraucher seien also weiterhin gut beraten, beim Einkauf von Lebensmitteln wachsam zu sein, sagte der Polizeisprecher. Sobald der Fall endgültig geklärt sei, würden die Behörden "so schnell wie möglich" Entwarnung geben.

Der mutmaßliche Täter hatte in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne von Mitte September damit gedroht, bis zum heutigen Samstag 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Er forderte einen niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag.

Mehrere Lebensmittelkonzerne bedroht

Welche Filialen und welche Produkte er ins Auge gefasst hatte, ließ der Täter offen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung richtete sich die Erpressung gegen Aldi, Rossmann, Lidl, DM, Müller, Edeka, Norma und Rewe. Der Täter gab der Polizei aber einen Hinweis auf ein Geschäft in Friedrichshafen, wo dann fünf mit Ethylenglykol vergiftete Gläser Babynahrung gefunden wurden.

Die Polizei veröffentlichte daraufhin am Donnerstag ein Fahndungsfoto von dem Verdächtigen, dass von einer Überwachungskamera in dem Markt aufgenommen worden war.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. September 2017 um 16:00 Uhr.

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