Spielfiguren auf Wahlzettel | Bildquelle: dpa

Prognose zu Landtagswahlen Kretschmanns Grüne vor CDU, Dreyer-SPD vor CDU, AfD zweistellig

Stand: 13.03.2016 19:26 Uhr

Die Grünen in Baden-Württemberg sind stärkste Kraft, die CDU rutscht laut Prognose in ihrem einstigen Stammland auf unter 30 Prozent. Die SPD stürzt ab. In Rheinland-Pfalz entscheidet die Dreyer-SPD das Duell mit der Klöckner-CDU für sich. Die AfD ist überall stark - in Sachsen-Anhalt wird sie zweitstärkste Kraft.

2011 war er Deutschlands erster grüner Ministerpräsident, nun holt er mit seiner Partei erstmals den Gesamtsieg in Baden-Württemberg. Die Hochrechnung von Infratest dimap sieht die Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei 32,1 Prozent.

Erstmals in ihrer Geschichte muss sich die CDU in Baden-Württemberg mit Platz zwei begnügen. Die Partei von Spitzenkandidat Guido Wolf kommt laut Prognose auf 27,5 Prozent. Zur Erinnerung: Das "Ländle" war einmal CDU-Hochburg, von 1953 bis 2011 stellten die Christdemokraten ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Im Jahr 2016 ist der grüne Regierungschef Winfried Kretschmann auch dank seiner bodenständigen pragmatischen Politik plötzlich auch für CDU-Anhänger wählbar.

Die SPD mit Spitzenkandidat Nils Schmidt stürzt regelrecht ab: Von 23,1 Prozent im Jahr 2011 auf jetzt nur noch 12,8 Prozent. Die FDP kann aufatmen: Mit 8,2 Prozent schafft sie der Prognose zufolge den Einzug in den Stuttgarter Landtag.

Stark schneidet die AfD in Baden-Württemberg ab. Die Rechtspopulisten kommen aus dem Stand auf 12,5 Prozent. Die Linkspartei scheitert erneut klar an der Fünf-Prozent-Hürde.

Damit steht Grün-Rot vor dem Aus. Grünen-Chef Kretschmann muss sich neue Bündnispartner suchen. Möglich wäre eine Koalition mit der CDU - fraglich ist aber, ob die Christdemokraten den Juniorpartner der Grünen machen wollen.

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Zahlen und Umfragen zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2016

Bild: Vorl. Ergebnis

SPD gewinnt Machtkampf in Mainz

In Rheinland-Pfalz gewinnen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ihre SPD den Machtkampf gegen CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner deutlich. Laut Hochrechnung liegt die SPD bei 37,7 Prozent, die Klöckner-CDU kommt auf 32,5 Prozent. Damit ist Dreyers fulminanter Wahlkampf-Endspurt von Erfolg gekrönt, vor Wochen lag die CDU von Klöckner in den Umfragen noch deutlich vor der sozialdemokratischen Amtsinhaberin.

Die Grünen, bislang Juniorpartner der SPD, stürzen ab. Kamen sie 2011 auch dank des Fukushima-Effekts auf 15,4 Prozent, so zittern sie jetzt vor der Fünf-Prozent-Hürde. Die Prognose sieht sie bei 5,4 Prozent. Die AfD erreicht 10,8 Prozent, die FDP schafft mit 6,2 Prozent wohl den Sprung in den Landtag, die Linkspartei nicht.

Die rot-grüne Koalition von Ministerpräsidentin Dreyer hat damit keine Mehrheit mehr.

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Zahlen und Umfragen zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2016

Bild: Vorl. Ergebnis

AfD in Sachsen-Anhalt zweitstärkste Kraft

In Sachsen-Anhalt bleibt die CDU von Regierungschef Reiner Haseloff stärkste Kraft. Die Prognose sieht sie bei 29 Prozent, etwas weniger als 2011 (32,5 Prozent).

Die SPD muss mit herben Verlusten rechnen. Laut Prognose stürzt der bisherige Juniorpartner der CDU ab - von 21,5 vor fünf Jahren auf jetzt nur noch 11,5 Prozent. Die Linkspartei verliert ebenfalls und ist nicht länger zweitstärkste Kraft im Magdeburger Landtag. Sie kommt nur noch auf 17 Prozent. Die Grünen sind mit 5,5 Prozent noch nicht sicher im Landtag, ebensowenig wie die FDP mit 5,0 Prozent.

Klarer Gewinner in Sachsen-Anhalt ist die AfD. Die Rechtspopulisten holen aus dem Stand 23 Prozent - damit sind sie zweitstärkste Kraft vor Linkspartei und SPD. Es ist ihr bislang höchster Wahlerfolg seit Bestehen der Partei.

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Zahlen und Umfragen zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2016

Bild: Endgültiges Ergebnis

Flüchtlingspolitik statt Landespolitik

Insgesamt waren an diesem dreifachen Wahlsonntag 12,7 Millionen Menschen zur Abstimmung aufgerufen. Im Wahlkampf ging es weniger um landespolitische Themen, vielmehr dominierte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Es waren dies die ersten Wahlen seit Beginn der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 und damit die erste Möglichkeit, über die Flüchtlingspolitik Merkels abzustimmen.

Ungewöhnliche Allianzen bildeten sich: Grünen-Regierungschef Kretschmann stellte sich hinter die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und CDU-Chefin, die CDU-Wahlkämpfer Wolf und Klöckner waren da weniger eindeutig. Breiten Raum nahm die Auseinandersetzung mit der AfD ein. Koalitionen mit den Rechtspopulisten schlossen alle Wahlkämpfer aus. Durch die Zersplitterung der Parteienlandschaft und die Schwäche der einstigen Volksparteien CDU und SPD dürften jedoch alle drei Bundesländer vor schwierigen Regierungsbildungen stehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. März 2016 um 20:00 Uhr.

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