Bundestagspräsident Norbert Lammert (Bildquelle: dpa)

Nach Plagiatsvorwürfen Rückendeckung für Lammert

Stand: 31.07.2013 08:06 Uhr

Nach den Plagiatsvorwürfen wegen seiner Doktorarbeit hat Bundestagspräsident Norbert Lammert Unterstützung von Wissenschaftlern erhalten. Der Politologe und frühere Rektor der Universität Freiburg, Wolfgang Jäger, sagte der "Süddeutschen Zeitung", der anonyme Autor der Vorwürfe habe eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt: "Der hat nicht seriös gearbeitet."

Ähnlich äußerte sich auch der Politikwissenschaftler Hans-Otto Mühleisen. "Ich kann bisher nichts erkennen, was auf ein Plagiat schließen lässt", sagte er dem Blatt. Den anonymen Vorwürfen zufolge soll Lammert bei beiden Wissenschaftlern abgeschrieben haben.

Am Vortag hatte die Ruhr-Universität Bochum auf Bitte Lammerts ein Prüfungsverfahren in Gang gesetzt. Der Rektor der Uni, Elmar Weiler, habe am Montag einen Anruf von Lammert erhalten, sagte eine Uni-Sprecherin: "Bis zu diesem Anruf hat die Uni nichts von den Vorwürfen gewusst."

Ruhr-Uni Bochum prüft Doktorarbeit von Bundestagspräsident Lammert
tagesschau24 10:00 Uhr, 31.07.2013, Axel John, ARD Berlin

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"Nach bestem Wissen und Gewissen"

Ein Blogger wirft dem CDU-Politiker Lammert vor, in seiner Promotion seien Unregelmäßigkeiten zu finden. Lammert ist sich keines Fehlers bewusst: "Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt", ließ er mitteilen.

"Literatur ganz offenbar nicht gelesen"

Auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com schreibt der Plagiatsjäger, er habe bei Lammert auf 42 Seiten Textpassagen aus 21 Quellen gefunden, bei denen er Unregelmäßigkeiten festgestellt habe. Er wirft Lammert vor, dieser habe "einen erheblichen Teil" der in der Doktorarbeit als verwendet angegebenen Literatur "ganz offenbar nicht gelesen".

Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet" 1974 an der Ruhr-Universität Bochum eingereicht, 1975 wurde er promoviert.

Mit Plagiatsvorwürfen sahen sich bereits mehrere prominente Politiker konfrontiert. Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste seinen Posten aufgeben und verlor den Titel, ebenso die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP) und die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Das Verfahren gegen Schavan ist noch nicht abgeschlossen.

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