Uni Bochum prüft Plagiatsvorwurf gegen Lammert

Bundestagspräsident Norbert Lammert (Bildquelle: dpa)

Anschuldigung gegen Bundestagspräsident Lammert

Uni Bochum prüft Plagiatsvorwurf

Aufgrund der Plagiatsvorwürfe gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Ruhr-Universität Bochum ein Prüfungsverfahren in Gang gesetzt. Lammert selbst hatte die Hochschule darum gebeten.

Der Rektor der Uni, Elmar Weiler, habe am Montag einen Anruf von Lammert erhalten, sagte eine Uni-Sprecherin: "Bis zu diesem Anruf hat die Uni nichts von den Vorwürfen gewusst."

Politische Reaktionen auf Plagiatsvorwürfe gegen Lammert
ARD-Morgenmagazin, 31.07.2013, Axel John, HSS Berlin

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"Nach bestem Wissen und Gewissen"

Ein Blogger, der unter dem Pseudonym des Plagiatsjägers der zurückgetretenen Bildungsministerin Annette Schavan schreibt, wirft dem CDU-Politiker Lammert vor, in seiner Promotion seien Unregelmäßigkeiten zu finden. Lammert ist sich keines Fehlers bewusst: "Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt", ließ er mitteilen.

Steinbrück: "Es gilt die Unschuldsvermutung"

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, Lammert genieße seinen vollen Respekt. "Es gilt die Unschuldsvermutung. Ich warne davor, wieder in eine Kommentarlage zu verfallen, die die Reputation und Integrität des Bundestagspräsidenten beschädigen kann", sagte der SPD-Politiker. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), verteidigte Lammert. "Ich finde die Anonymität dessen, der etwas behauptet, immer fragwürdig", sagte er der "Berliner Zeitung".

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, rief in der "Saarbrücker Zeitung" ebenfalls zur Zurückhaltung auf. Erst müsse der Sachverhalt geklärt werden. Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Petra Sitte, erklärte in der "Berliner Zeitung": "Die Arbeit ist von 1974. Und es hat sich einiges geändert in der Wissenschaft. Es ist fraglich, ob die Maßstäbe von damals auch heute gelten."

"Literatur ganz offenbar nicht gelesen"

Auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com behauptet der Plagiatsjäger, er habe bei Lammert auf 42 Seiten Textpassagen aus 21 Quellen gefunden, bei denen er Unregelmäßigkeiten festgestellt habe. Er wirft Lammert vor, dieser habe "einen erheblichen Teil" der in der Doktorarbeit als verwendet angegebenen Literatur "ganz offenbar nicht gelesen".

Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet" 1974 an der Ruhr-Universität Bochum eingereicht, 1975 wurde er promoviert.

Mit Plagiatsvorwürfen sahen sich bereits mehrere prominente Politiker konfrontiert. Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste seinen Posten aufgeben und verlor den Titel, ebenso die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP) und die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Das Verfahren gegen Schavan ist noch nicht abgeschlossen.

Stand: 30.07.2013 14:01 Uhr

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