Norbert Lammert | Bildquelle: dpa

Suche nach Bundespräsidenten Auch Lammert sagt ab

Stand: 19.10.2016 18:38 Uhr

Bundestagspräsident Lammert hat die Spekulationen beendet. Er wolle kein Bundespräsident werden, sagte der 67-Jährige in einem Zeitungsinterview. Zuvor hatte er angekündigt, sich aus der "aktiven Politik" zu verabschieden. Damit dreht sich das Kandidaten-Karussell weiter.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat Gerüchte über eine mögliche Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten beendet. "Ohne Wenn und Aber" stehe er zu seiner vor einem Jahr gemachten ablehnenden Aussage, sagte Lammert der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Damals hatte Lammert auf die Frage, ob er 2017 für die Nachfolge von Joachim Gauck antreten würde, geantwortet: "Ich glaube, dass das für mich nicht das richtige Amt ist und ich für das Amt nicht der richtige Kandidat bin." Dem sei nichts hinzuzufügen, sagte Lammert jetzt.

Lammerts biografische Stationen

- geboren am 16. November 1948 als ältestes von sieben Kindern einer Bäckerfamilie in Bochum
- seit 1966 Mitglied der CDU
- 1969 bis 1975 Studium der Politikwissenschaft, Soziologie, Neueren Geschichte und Sozialökonomie an den Universitäten Bochum und Oxford (England), 1972 Diplom, 1975 Promotion zum Doktor der Sozialwissenschaften
- seit 1980 Mitglied des Bundestages
- seit 1986 Mitglied des Landesvorstands der NRW-CDU, 1986 bis 2008 Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Ruhr
- 1989 bis 1994 sowie 1997/1998 Parlamentarischer Staatssekretär in verschiedenen Bundesministerien
- 1996-2006 Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen im Bundestag
- 2002 bis 2005 Vizepräsident des Bundestages
- seit 2005 Bundestagspräsident
- katholisch; verheiratet, vier Kinder

Abschied aus der Politik

Der 67-Jährige hatte am Montag schriftlich erklärt, dass er im Herbst 2017 nicht wieder für den Bundestag kandidiert und sich aus der "aktiven Politik" verabschiedet. Gestern hatte er auf Nachfrage noch offengelassen, ob sich damit auch eine Kandidatur als Bundespräsident erledigt hat. Er war wiederholt als möglicher Gauck-Nachfolger genannt worden. Die Bundesversammlung wählt am 12. Februar 2017 ein neues Staatsoberhaupt.

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Wer könnte auf Gauck folgen?

Margot Käßmann

Laut Medienberichten wollte SPD-Chef Sigmar Gabriel Margot Käßmann als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten gewinnen. Er habe darüber auch schon mit Linkspartei und Grünen gesprochen. Doch dann meldete Käßmann sich selbst zu Wort und stellte klar: Sie will nicht Bundespräsidentin werden. Käßmann war bis 2010 EKD-Ratsvorsitzende. Von diesem Amt trat sie wegen einer Alkoholfahrt zurück. Aktuell ist sie EKD-Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum im kommenden Jahr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Parteivorsitzenden von Union und SPD wollen bis Ende Oktober ausloten, ob eine Verständigung auf einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten möglich ist. Falls es damit nichts wird, steigt die Chance für eine Kampfkandidatur mit mehreren Bewerbern in der Bundesversammlung am 12. Februar. Das Ergebnis ist derzeit völlig offen. Die Theologin Margot Käßmann hatte vergangene Woche von sich aus abgesagt, nachdem ihr Name in die Öffentlichkeit lanciert worden war.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2016 um 19:00 Uhr.

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