Schwer bewaffnete Polizisten sperren vor dem geschlossenen Stadion in Hannover einen Bereich ab.  | Bildquelle: dpa

Länderspiel-Absage, Bombenattrappe in IC Hannover nach dem Terroralarm

Stand: 18.11.2015 08:27 Uhr

Nach der Absage des Fußball-Länderspiels wegen eines befürchteten Anschlags sind noch viele Fragen offen. Bislang gibt es weder Festnahmen noch Sprengstoff-Funde. Die Polizei sucht auch nach dem Unbekannten, der eine Bombenattrappe in einem IC liegen ließ.

Nach der Absage des Länderspiels in Hannover wegen Terroralarms sucht die Polizei in einem Großeinsatz nach Verdächtigen. "Wir sind an verschiedenen Orten im Einsatz", sagte eine Polizeisprecherin. Das Fußballspiel Deutschland gegen die Niederlande war am Dienstagabend kurz vor Anpfiff aus Angst vor einem Sprengstoffanschlag abgesagt worden. Es habe aber noch keine Festnahmen gegeben, auch Sprengstoff sei bisher nicht gefunden worden, hieß es. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe hatte zuvor erklärt: "Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte."

Hinweis aus dem Ausland?

Die Absage des Spiels war laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière nach Hinweisen auf eine Gefährdung erfolgt. Nach DPA-Informationen aus Sicherheitskreisen kamen die Hinweise von einem ausländischen Geheimdienst, womöglich dem französischen. "Wir hatten sehe konkrete Hinweise", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen im ARD-Morgenmagazin.

Bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Hannover wollte de Maizière Quelle und Ausmaß der Hinweise nicht weiter kommentieren. Dies diene nicht der Sicherheit Deutschlands, so der Minister. Er bat um einen "Vertrauensvorschuss".

Pressekonferenz: Innenminister de Maizière zur Absage des Spiels
17.11.2015

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Absage ist "bitter"

Kurz vor der Partie hätten sich die Hinweise auf eine Gefährdung so verdichtet, dass er den Sicherheitsbehörden dringend empfohlen habe, das Länderspiel abzusagen. Weil das Spiel nach den Anschlägen von Paris eine "besondere Geste" gewesen wäre, sei die Absage umso bitterer gewesen. "Im Zweifel hat der Schutz der Menschen Vorrang."

De Maizière betonte, eine konkrete Beantwortung vieler Fragen zu den Gründen der Absage könne er nicht leisten. Wörtlich sagte er:

"Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern."

Ganz allgemein sei die Gefährdungslage in Deutschland hoch, die Lage sei ernst. Dies sage er schon seit Längerem, so der Minister.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bestätigte, der Hinweis auf ein mögliches Attentat sei aus dem Ausland gekommen. Er habe am Dienstagmittag die Information erhalten, dass "innerhalb der nächsten 48 Stunden ein Anschlag auf ein Sportereignis in Deutschland stattfinden sollte oder könnte", sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Fernsehen.

Als eine "bittere, aber richtige Entscheidung" bezeichnete Bundesjustizminister Heiko Maas die Spielabsage. "Gerade in einem solchen Moment muss unsere Botschaft trotz allem ganz klar sein: Wir werden nicht zurückweichen. Wir werden uns unsere Art zu leben nicht nehmen lassen", sagte Maas.

Verwirrung um Sprengstoff-Attrappe

Ein in einem IC in Hannover hinterlassenes Päckchen beschäftigt die Bundespolizei weiterhin. Ein Reisender hatte den Gegenstand in die Gepäckablage gelegt. Als er in Hannover den Zug verlassen wollte, erinnerte ihn eine Mitreisende an das Gepäckstück. Daraufhin flüchtete der Mann. Die Bundespolizei wurde eingeschaltet. Sprengstoffhunde zeigten an, das Röntgenbild gab zusätzlich Anlass zur Vermutung, dass es sich um eine Bombe handeln könnte, sagte Bundespolizeisprecherin Sandra Perlebach zu tagesschau.de. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Paket mit Sprengstoff oder sprengstoffähnlichem Material in Berührung kam." Was den Mann bewogen haben könne, die "gut gebaute Attrappe" abzulegen, sei unklar. Vermutlich handle es sich um einen Trittbrettfahrer.

Aus Sicherheitsgründen wurden am Abend auch ein Konzert des Jazz-Saxophonisten Maceo Parker in Hannover sowie eine Lesung des Komikers und Musikers Helge Schneider abgesagt.

Kabinett berät in Berlin

Die Sicherheit bei Großereignissen wie Fußballspielen und Weihnachtsmärkten beschäftigt heute auch das Bundeskabinett und die Polizei in den Ländern. Die Regierung will nach dem Terroralarm in Hannover in ihrer Sitzung die allgemeine Sicherheitslage diskutieren. Die Polizeichefs der Länder wollen sich in einer Telefonkonferenz beraten.

Einsatz der Bundeswehr im Inneren?

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält eine Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren als Konsequenz aus den Anschlägen in Paris für nachdenkenswert. "Wenn wir eine Situation hätten wie Paris, möglicherweise mit Anschlägen an drei bis vier Orten, wird man darüber nachdenken müssen, ob unsere polizeilichen Fähigkeiten ausreichen", sagte Schäuble auf einer Veranstaltung in Düsseldorf, wie die "Rheinische Post" berichtet. "Was können wir in großen Herausforderungen tun, damit die verbandsmäßig organisierten Kräfte, die an manchen normalen Wochenenden schon überfordert sind, unterstützt werden", fragte Schäuble. Dass eine Schließung der Grenzen eine Antwort auf die terroristische Bedrohung sei, hält der Minister für abwegig. 3500 Kilometer Landgrenzen ließen sich nicht schließen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. November 2015 um 9:00 Uhr.

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