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Kultusminister einigen sich
Abitur soll für alle gleich schwer sein
Die Abiturienten in Deutschland werden ihre Abschlussprüfungen erstmals im Jahr 2017 nach einheitlichen Standards schreiben. Die Kultusminister der Länder haben auf ihrer Kultusministerkonferenz (KMK) in Hamburg für vier Kernfächer bundesweite Leistungsanforderungen beschlossen, die in der gymnasialen Oberstufe im Schuljahr 2014/2015 eingeführt werden sollen.
Die verbindlichen Bildungsstandards gelten für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. Sie legen die Kompetenzen fest, die die Schüler bis zum Abitur erwerben sollen.
"Das ist ein großer Schritt für das deutsche Schulwesen", sagte der Präsident der KMK, der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD). Die Maßnahme werde die "Qualität und Vergleichbarkeit des Abiturs weiter verbessern". Laut Rabe liegen mit dem Beschluss nun von der Grundschule bis zum Abitur bundesweit geltende Bildungsstandards für die zentralen Fächer vor.
Mit der Umsetzung der Standards in ihren Bildungs- und Lehrplänen sollen die Länder nun beginnen. Im Schuljahr 2016/17 werden dann bundesweit gleich schwere Abiturprüfungen in den zentralen Fächern eingesetzt. Dazu wird ein Aufgabenpool mit wissenschaftlich überprüften und gleich schweren Abituraufgaben in den zentralen Fächern eingerichtet.
Kultusminister beschließen einheitliche Abiturstandards ab 2017
tagesschau 16:00 Uhr, 19.10.2012, Silke Schmidt, NDR
Sechs Länder prüfen schon 2014 gemeinsam
Sechs Ländern geht dieser Zeitplan aber nicht schnell genug. Daher wollen Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern schon 2014 mit gemeinsamen Abiturprüfungen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch beginnen. Sie müssen sich bis dahin selbst auf gemeinsame Anforderungen und einen Aufgabenpool verständigen.
"Ich glaube, dass es eine wichtige und richtungsweisende Weichenstellung für Deutschland ist", hatte der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann bereits vor den abschließenden Beratungen gesagt. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) erklärte, es gehe darum, Verbindlichkeit und Gleichwertigkeit zu regeln, aber eben nicht um ein Einheitsabitur in Deutschland.
Nachdem sich die Minister bereits im März auf Bewertungskriterien für das Abitur geeinigt hatten, ging es in Hamburg um die Konkretisierung. Dafür bestätigten die Minister die vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erarbeiteten Kriterien. Diese beschreiben, was ein Schüler am Ende der gymnasialen Oberstufe können soll. Nach den Standards in den vier Kernfächern sollen nun Standards für die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Physik und Chemie entwickelt werden.
Bildungsgewerkschaft erfreut über Einigung
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Einigung der Kultusminister. "Wir haben immer gesagt: Das Zentralabitur ist Quatsch", sagte GEW-Schulexpertin Marianne Demmer der Nachrichtenagentur dapd. Mit einheitlichen Standards versuche die Kultusministerkonferenz nun eine Art "Zwischending".
Die Kompetenzen, Aufgaben zusammenzustellen und die Schüler auf Themenkomplexe vernünftig vorzubereiten, müssten aber weiterhin bei den Ländern liegen.
BISS für Kinder mit Migrationshintergrund
Zudem wurde am Rande der KMK mitgeteilt, dass Bund und Länder mit einer gemeinsamen Initiative das Sprach- und Lesevermögen von Kindern mit Migrationshintergrund fördern wollen.
Ziel des auf fünf Jahre angelegten Programms sei es, dass alle Kinder eine noch bessere individuelle Sprach- und Leseförderung in den Kitas und Schulen erhielten. Die Initiative "Bildung durch Sprache und Schrift" (BISS) soll im Herbst 2013 starten. Dabei sollen auch bestehende Angebote auf ihre Wirksamkeit und Effizienz hin überprüft und weiterentwickelt werden.
Einigung bei Sprachförderung und Einheitsabitur
K. Erdmann, NDR
19.10.2012 08:40 Uhr
Stand: 19.10.2012 13:40 Uhr
