Eine Frau betrachtet Bilder des Malers und Bildhauers Georg Baselitz im Albertinum in Dresden | Bildquelle: dpa

Neuer Entwurf für Kulturgutschutzgesetz Ende des Aufschreis?

Stand: 15.09.2015 17:24 Uhr

Seit Wochen läuft die Kunstszene Sturm gegen Kulturstaatsministerin Grütters. Grund ist das geplante Gesetz zum Kulturgutschutz. Jetzt liegt erstmals ein abgestimmtes Papier vor. Ob damit Ruhe einkehrt, muss sich zeigen.

Von Katja Strippel, BR, ARD-Hauptstadtstudio

Der Aufschrei, der in diesem Sommer durch die Kunstwelt ging, macht Monika Grütters betroffen. Die Kulturstaatsministerin fühlt sich missverstanden. Sie hat sich in den letzten Wochen und Monaten mit zahlreichen Sammlern und Kunsthändlern getroffen, um klarzustellen, was an ihrem Gesetz neu ist und was nicht.

"Ich glaube, dass viele vergessen hatten, dass wir seit 60 Jahren - ganz im Interesse der Bürger Deutschlands - eine Liste national wertvoller Kulturgüter führen", sagt Grütters. Und in diese Liste seien auch immer mal Kunstwerke eingetragen worden, die vorher einen privaten Eigentümer gehabt hätten.

Solche Listen gibt es auch in anderen Ländern. Zum Beispiel in Italien. Für jedes Kunstwerk, das älter als 50 Jahre ist, gibt es dort strenge Bestimmungen. Ein- und Ausfuhr müssen genehmigt werden, eine Dauerausleihe ist so gut wie unmöglich. In Deutschland soll die Altersgrenze höher liegen. Damit ist Monika Grütters dem Kunsthandel entgegen gekommen: "Wir haben die Altersgrenzen auf 70 Jahre für Gemälde hochgesetzt, damit der gesamte zeitgenössische Kunstmarkt ausgenommen ist. Der macht immerhin den Großteil des Kunsthandels in Deutschland aus."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf einer Pressekonferenz | Bildquelle: dpa
galerie

Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Nationales Kulturgut wird in Zukunft genau definiert

Was nationales Kulturgut ist, wird in Italien nicht genau definiert. In Deutschland künftig schon. Im Referenten-Entwurf zum Gesetz der Kulturstaatsministerin heißt es wörtlich: "Kulturgut ist von der obersten Landesbehörde in ein Verzeichnis national wertvollen Kulturguts einzutragen, wenn es besonders bedeutsam für das kulturelle Erbe Deutschlands, der Länder oder einer seiner historischen Regionen und damit identitätsstiftend für die Kultur Deutschlands ist und zweitens seine Abwanderung einen wesentlichen Verlust für den deutschen Kulturbesitz bedeuten würde."

So zum Beispiel die "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner. Das Gemälde war seit 1980 im Berliner Brücke-Museum ausgestellt. Vor neun Jahren wurde es aber an die Erbin des ehemaligen jüdischen Eigentümers zurückgegeben. Diese ließ es dann für fast 30 Millionen Euro beim Auktionshaus Christies in New York versteigern. Warum dieses Werk identitätsstiftend für Deutschland ist, erklärt Grütters so: "Es ist das erste Bild gewesen, das die öffentliche Hand bereits 1953 angekauft hatte, um ein Stück Bewusstsein und Wiedergutmachung für diese schreckliche entartete Kunst-Ausstellung zu liefern." Zu dem Zeitpunkt habe man noch nicht einmal genug zu essen gehabt. "Ein solcher Kirchner hat also eine andere Bedeutung als viele andere Kirchners."

Grütters wehrt sich gegen Vorwürfe der Deutschtümelei

Für ihre Definition von nationalem Kulturgut ist Monika Grütters angegriffen worden. Deutschtümelei wurde ihr vorgeworfen. Das ärgert sie. "National wertvolles Kulturgut hat dieselbe Selbstverständlichkeit verdient wie Nationalmannschaft, wenn es um den Fußball geht", so Grütters.

Heute Vormittag um elf hat die Kulturstaatsministerin den überarbeiteten Referenten-Entwurf ihres Gesetzes ins Internet stellen lassen. Alle Versionen, die vorher die Runde gemacht haben, waren nur vorläufig. Diese Fassung ist mit den einzelnen Ressorts abgestimmt, kann aber ebenfalls nochmal überarbeitet werden. Ende Oktober soll die Kulturgutschutznovelle ins Kabinett. Monika Grütters hofft, dass sich die Kunstwelt bis dahin wieder beruhigt hat.

Einem wie Georg Baselitz, der seine Leihgaben in Museen aus Protest gegen das geplante Gesetz abhängen ließ, sagt sie: "Baselitz kann einer Eintragung in die Liste national wertvollen Kulturguts ausdrücklich widersprechen. Wir haben für lebende Künstler eine Regelung, dass Kunstwerke von diesen nur eingetragen werden dürfen, wenn der Künstler selber dem ausdrücklich zustimmt."

Augenzwinkernd fügt die Kulturstaatsministerin hinzu: "Es gibt im Übrigen viele Künstler, die froh wären, wenn sie auf der Liste national wertvollen Kulturguts stünden."

Kulturgutschutznovelle: Monika Grütters geht in die Offensive
K. Strippel, ARD Berlin
15.09.2015 16:13 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: