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Studie: Krippenkinder gehen häufiger aufs Gymnasium
Studie der Bertelsmann Stiftung

Krippenkinder gehen häufiger aufs Gymnasium

Der Besuch einer Krippe macht sozial benachteiligte Kinder in der Schule deutlich erfolgreicher. Die Chance, auf ein Gymnasium zu kommen, erhöht sich bei Krippenkindern aus Migrantenfamilien um 55 Prozent, wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte. Bei Kindern, deren Eltern höchstens einen Hauptschulabschluss haben, stieg die Wahrscheinlichkeit demnach sogar um 100 Prozent.

Die Studie "Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland" belege, dass die Verbesserung des Krippenangebots ein wichtiger und wirksamer Schritt für ein chancengerechtes Bildungssystem wäre, sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Durchschnittlich hätten Krippenkinder eine um fast 40 Prozent bessere Chance auf höhere Bildung als jene, die nicht in einer solchen Einrichtung betreut wurden.

Krippenbesuch rentiert sich

Kinder in der Krippe (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Haben später angeblich bessere Chancen auf das Abitur: Krippenkinder ]
Die Bertelsmann Stiftung weist in der Studie auch auf den langfristigen volkswirtschaftlichen Nutzen der Krippenbetreuung hin. So erhöhe ein Gymnasialabschluss die Wahrscheinlichkeit, ein höheres Lebenseinkommen zu erzielen. Die Autoren der Studie beziffern das Mehreinkommen auf mehr als 21.000 Euro inklusive der Arbeitgeberbeiträge an die Sozialversicherungen.

Ein Kind für etwa 15 Monate in der Krippe zu betreuen, koste aber nur rund 8000 Euro. Der "Nettonutzen" eines Krippenbesuchs betrage damit mehr als 13.000 Euro je Kind. Auch, dass die Eltern arbeiten gehen könnten, während ihr Kind die Krippe besucht, sei volkswirtschaftlich von Nutzen.

Scharfe Kritik am Betreuungsgeld

Das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld schaffe dagegen gerade für sozial schwache Familien den Anreiz, ihre Kinder nicht in die Krippe zu bringen, sagte Dräger. Das belegten Studien aus Norwegen, wo das Erziehungsgeld vor allem von Migrantenfamilien und Müttern mit geringem Einkommen und niedrigem Bildungsniveau in Anspruch genommen werde. "Bildungspolitisch ist das ein Schildbürgerstreich", erklärte Dräger.

Zugleich kritisierte er die hohen Kosten des Betreuungsgelds, die auf jährlich 1,2 Milliarden Euro geschätzt würden. "Hier wird Geld mit der Gießkanne an Elternhäuser verteilt, das für einen ziel- und bedarfsgerechten Ausbau von Kindertageseinrichtungen und die Verbesserung der Qualität dringend benötigt wird", sagte Dräger.

Erstellt wurde die Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung vom Schweizer Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS). Als Grundlage dienten demnach die Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) der Jahrgänge von 1990 bis 1995. Das SOEP ist eine seit 25 Jahren laufende Langzeitbefragung von mehr als 10.000 deutschen Haushalten, die Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit gibt.

Stand: 03.12.2009 17:10 Uhr
 

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