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Umfragen belegen: Viele Deutsche glauben, dass die Kriminalität stetig steigt. Aber die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2007, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vorgestellt hat, relativiert diesen Eindruck. Die Zahl der Straftaten ging insgesamt zurück. Jedoch gab es mehr Körperverletzungen unter Jugendlichen.
Von Silke Hasselmann, MDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin
[Bildunterschrift: Laut Kriminalstatistik 2007 gibt es mehr Gewalt unter Jugendlichen. ]
Wie das immer so ist mit Statistiken: Man muss sie richtig lesen. Oder doch im Fall der Polizeilichen Kriminalstatistik zumindest wissen, dass sie nur jene Straftaten bzw. strafbewehrten Versuche erfasst, die der Polizei bekannt geworden sind. Das bedeutet: Wie kriminell es 2007 in Deutschland tatsächlich zugegangen ist, kann man dieser Datensammlung des Bundeskriminalamtes nicht ohne weiteres entnehmen. Wer weiß schon, was die Polizei alles nicht weiß?
Dennoch ist die Statistik aussagefähig, denn man kann ihre Daten mit jenen der Vorjahre vergleichen. Und da ergibt sich zum Beispiel, dass mit rund 6,3 Millionen etwas weniger Fälle erfasst worden sind als 2006. 55 Prozent dieser Straftaten konnten aufgeklärt werden - ein nach wie vor hoher Durchschnittswert, Thüringen erreichte mit 64,2 Prozent aufgeklärten Straftaten den besten Wert aller Länderpolizeien, gefolgt von Bayern. Den Bundesdurchschnitt drückten vor allem Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen.
[Bildunterschrift: Spektakulärer Fall: Im Februar 2007 wurden in einem Restaurant in Sittensen sieben Menschen getötet. ]
Im Detail: Fälle von Gewaltkriminalität haben leicht zugenommen, allerdings - und das entgegen der allgemeinen, durch Medien verstärkten Vermutung - gab es im vorigen Jahr knapp fünf Prozent weniger Fälle von Mord und Totschlag, und fast jeder Fall wurde aufgeklärt. Was Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen angeht, sind sogar 7,5 Prozent weniger angezeigt worden als 2006.
Der sexuelle Missbrauch von Kindern hatte 2006 den seit langem niedrigsten statistischen Wert erreicht und ist 2007 leicht um 0,1 Prozent auf 11.400 Fälle gestiegen. Doch das Bundeskriminalamt macht hier auf ein "nach wie vor besonders hohes Dunkelfeld" aufmerksam.
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Eindeutig ist der besorgniserregende Trend im Bereich gefährlicher und schwerer Körperverletzung: Die Polizei registrierte knapp 155.000 Fälle - rund 4000 mehr als 2006. Immerhin konnten die Ermittler - wie bei den Sexualdelikten - vier Fünftel der Täter und Täterinnen dingfest machen.
Allerdings bleibt es dabei: Wenn die Bevölkerung mit Kriminalität in Berührung kommt, dann vor allem im Zusammenhang mit Diebstahl. 2,5 Millionen Fälle sind der Polizei 2007 bekannt geworden - etwas weniger als 2006. Nicht einmal ein Drittel wurde aufgeklärt, wobei besonders wenig Chancen hatte, wer Kreditkarten, Fahrrad oder Gegenstände aus dem Auto losgeworden ist.
[Bildunterschrift: Riskanter Datenfluss: Illegale Downloads aus dem Netz werden stäker verfolgt. ]
Ladendiebe hingegen sind fast immer erwischt worden, jedenfalls in den polizeilich erfassten 406.000 Fällen. Das klingt viel, war aber fast sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Hier wie auch bei den Kraftfahrzeugen dürfte die verbesserte Sicherungstechnik ihre abschreckende Wirkung entfalten. Jedenfalls wurden 2007 mit 39.000 Kfz knapp 3000 weniger gestohlen gemeldet als im Vorjahr.
Hingegen gab es ein außerordentliches Plus von fast 55 Prozent bei urheberrechtlichen Straftaten. Hierunter fällt vor allem das illegale Herunterladen von Musik oder Filmen aus dem Internet, das 2007 von der Industrie verstärkt verfolgt und bei der Polizei angezeigt worden war.
Wie sieht es nun bei den Tatverdächtigen aus? Der Anteil Nichtdeutscher hat sich weiter verringert. Hatte vor 15 Jahren noch exakt ein Drittel der Täter und Verdächtigen keine deutsche Staatsangehörigkeit, so waren es 2007 rund ein Fünftel. Die Kriminalstatistik weist ausdrücklich aus, dass die seit langem in Deutschland lebenden und beruflich integrierten Nichtdeutschen im hiesigen Kriminalitätsgeschehen eine eher geringe Rolle spielen.
In der Gruppe tatverdächtiger Jugendlicher blieb es bei dem seit längerem beobachteten Trend: Nichtdeutsche hatten "weitaus höheren Anteil als deutsche jugendliche Tatverdächtige", sobald es um Rohheitsdelikte, Körperverletzung und Gewaltkriminalität ging.
Doch das Bundeskriminalamt weist darauf hin, dass "bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren grundsätzlich eine erhöhte Gewaltbereitschaft bei gesunkener Hemmschwelle und teilweise brutalem Vorgehen zu verzeichnen" sei. Das gelte auch für junge Mädchen. Auf sie gingen voriges Jahr knapp 7500 Fälle von Gewaltkriminalität zurück: ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tendenz weiter steigend.
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