Interview: Frankfurter Stadtrat widerspricht Kriminalstatistik

Blick über die Frankfurter Bankentürme (Bildquelle: dpa)

Frankfurter Stadtrat widerspricht der Kriminalstatistik

Rufschädigende Daten mit Schieflage

Laut Kriminalstatistik ist Frankfurt am Main die gefährlichste Stadt Deutschlands. Stadtrat Markus Frank widerspricht im Interview mit tagesschau.de energisch und erklärt, wie der falsche Eindruck zustande kommt. Frankfurt sei und bleibe eine sichere Stadt.

tagesschau.de: Laut Kriminalstatistik ist Frankfurt am Main die gefährlichste Stadt Deutschlands. Die Stadt aber sagt: Das stimmt nicht. Wie begründen Sie Ihren Widerspruch?

Markus Frank: Die Berechnungsgrundlage ist falsch. Frankfurt am Main ist eine Stadt, in der sich am Tag mehr als eine Million Menschen aufhalten. Wir haben mehr als 300.000 Pendler. Wir haben weitere 300.000 Menschen, die am Hauptbahnhof umsteigen. Die aber bleiben in der Statistik unberücksichtigt, nicht aber deren Straftaten. Das heißt: Die Zahl aller Straftaten wird auf die in Frankfurt gemeldeten 700.000 Personen umgelegt, nicht auf die, die sich im Stadtgebiet befinden. Auch wenn irgendwo in Deutschland die EC-Karte eines Frankfurter Kreditinstituts wie der Deutschen Bank geklaut wird, zählt das als Straftat in Frankfurt. Deshalb bekommt die Statistik sehr schnell eine Schieflage.

alt Markus Frank

Zur Person

Der Frankfurter Stadtrat Markus Frank, Jahrgang 1969, ist zuständig für die Bereiche Wirtschaft, Sport, Sicherheit und Feuerwehr. 1992 trat der gelernte Kfz-Meister in die CDU ein und ist seitdem in der Kommunalpolitik aktiv.

Die Kroko-Handtasche als Sicherheitsrisiko

tagesschau.de: Frankfurt fällt vor allem durch eine hohe Zahl von Rauschgiftdelikten auf, was Ihrer Meinung nach nicht gegen, sondern für die hessische Polizei spricht. Warum?

Frank: Wir verfolgen solche Delikte in Frankfurt mit einer Null-Toleranz-Politik. Das gilt für Rauschgiftdelikte wie fürs Schwarzfahren. Wir kontrollieren das sehr fleißig und nehmen auch jeden Fall auf. Das führt zu einer größeren Zahl von Straftaten, die sich statistisch auswirkt. Und: Im Gegensatz zu anderen großen Städten bietet Frankfurt zahlreiche Hilfsprogramme wie Druckräume an. Die werden auch von Nicht-Frankfurtern in Anspruch genommen. Und die begehen dann auch leider mal Straftaten.

tagesschau.de: Welche Rolle spielt die Tatsache, dass es in Ihrer Stadt einen großen Flughafen gibt?

Passagiere am Frankfurter Flughafen (Bildquelle: dpa)
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Jedes Jahr nutzen 54 Millionen Menschen den Frankfurter Flughafen.

Frank: Jede Straftat, die auf dem Flughafen festgestellt wird, wird der Stadt angelastet. Sollte zum Beispiel jemand eine illegale Kroko-Handtasche einführen, aber weiter nach Amsterdam fliegen, wird diese Straftat trotzdem hier verbucht. Dabei hat die Kroko-Handtasche keinerlei Einfluss auf das Sicherheitsgefühl der Menschen hier. Gleiches gilt für die Verwendung eines abgelaufenen Ausweises. Jedes Jahr nutzen 54 Millionen Menschen den Frankfurter Flughafen. Die werden nicht gezählt - nur ihre Straftaten. Münchens Flughafen zum Beispiel liegt außerhalb des Stadtgebiets.

Diskussionen um Kriminalstatistik 2012
J. Seidel
14.05.2013 21:01 Uhr

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Rufschädigende Schlagzeilen

tagesschau.de: Wo würde Frankfurt in einer nach Ihren Kriterien bereinigten Kriminalstatistik liegen?

Frank: Das haben wir vor drei Jahren mal durchgerechnet, denn die Kriminalstatistik ist uns schon lange ein Ärgernis. Wir haben die vielen Pendler hinzu-, aber die flughafentypischen Delikte abgezogen. Danach lagen wir im hinteren Mittelfeld der Kriminalitätsstatistik. Die Statistik ist seit vielen Jahren einfach falsch, und das ärgert uns auch. Frankfurt ist und bleibt eine sichere Stadt.

tagesschau.de: Sie wehren sich ja nicht zum ersten Mal. Trotzdem bleibt dieses Etikett ja kleben. Können Sie mehr machen als die Augen zu und durch?

Die Polizei überprüft ein Bordell in Frankfurt (Bildquelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
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Die Frankfurter Polizei ist auch im Rotlichtmilieu präsent.

Frank: Wir tun eine Menge. Wir haben eine eigene Stadtpolizei mit mehr als 200 Mitarbeitern, die in Uniform auch auf Streife gehen. Wir haben einen Präventionsrat. In allen Stadtteilen kümmern sich also Leute um das Thema Sicherheit. Das Sicherheitsgefühl in der Stadt ist also ein ganz anderes als das, worüber berichtet wird. Vor 20 Jahren hatten noch 50 Prozent der Frankfurter Angst, Opfer einer Straftat zu werden. Heute sind es nur noch 14 Prozent. Diese Zahlen sprechen doch eine deutliche Sprache: Die Frankfurter fühlen sich sicher und schütteln nur den Kopf, wenn sie die aktuellen Schlagzeilen lesen. Wir empfinden diese Schlagzeilen als rufschädigend und intervenieren jedes Jahr, auch mit dem hessischen Innenminister an unserer Seite. Genutzt hat das bisher nichts. Aber wir bleiben dran.

Das Interview führte Ute Welty, tageschau.de

Stand: 15.05.2013 04:57 Uhr

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