Ein Einbrecher (Symbolbild) | Bildquelle: dpa

Polizeiliche Kriminalstatistik Gewaltkriminalität gestiegen

Stand: 23.04.2017 16:53 Uhr

Die Gewaltkriminalität ist im vergangenen Jahr laut Polizeilicher Kriminalstatistik deutlich gestiegen. Einem Medienbericht zufolge fallen zudem in der Statistik Zuwanderer auf. Besonders Taschendiebstähle und Wohnungseinbrüche würden häufig von ihnen begangen.

Die Hemmschwelle für Gewalttaten in Deutschland sinkt offenbar wieder. So ist die jahrelang rückläufige Gewaltkriminalität deutlich gestiegen, um 6,7 Prozent auf 193.542 Fälle im vergangenen Jahr. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2016 hervor, die der "Welt am Sonntag" vorab vorliegt. Morgen wird sie von Bundesinnenminister Thomas de Maizière offiziell präsentiert.

Ein Hauptgrund dafür sei, dass gefährliche und schwere Körperverletzungen erheblich zugenommen haben, um 9,9 Prozent auf 140.033 Fälle. Insbesondere Jugendliche fallen häufiger bei Gewaltkriminalität auf, die Kriminalstatistik verzeichnet bei ihnen einen Anstieg um zwölf Prozent auf 22.646 Tatverdächtige. Bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung wurde ein Plus um 16,5 Prozent auf 18.156 jugendliche Verdächtige registriert.

Gewaltkriminalität deutlich gestiegen
tagesschau 20:00 Uhr, 23.04.2017, Marie von Mallinckrodt, ARD Berlin

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Mehr Zuwanderer unter Tatverdächtigen

Ein Kapitel der Kriminalstatistik befasst sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Kriminalität und Zuwanderung. Die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer ist demnach im vergangenen Jahr um 52,7 Prozent gestiegen - auf 174.438. Die Zahl ist damit deutlich weniger stark gestiegen als im Vorjahr, als der Anstieg gemäß dem Jahreslagebild des Bundeskriminalamts noch 91 Prozent betragen hatte.

2015 waren 890.000 Menschen nach Deutschland gekommen, für das vergangene Jahr wird von etwas mehr als 300.000 ausgegangen. Um einen Vergleich mit der übrigen Bevölkerung zu ermöglichen, sind Straftaten wie unerlaubte Einreisen, die nur Zuwanderer begehen können, nicht berücksichtigt. Laut der Statistik fielen Zuwanderer bei einigen Deliktarten besonders auf, schreibt die "Welt am Sonntag". So stellen sie demnach beim Taschendiebstahl 35,1 Prozent der Tatverdächtigen. Bei Wohnungseinbrüchen sind es 11,3 Prozent. Und bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind es jeweils 14,9 Prozent. Das Bundesinnenministerium wollte zu den Zahlen unter Verweis auf die morgige Pressekonferenz nicht Stellung nehmen.

Zur Gruppe der Zuwanderer zählen der Zeitung zufolge diejenigen, die mit dem Aufenthaltsstatus Asylbewerber, Duldung, Kontingent- oder Bürgerkriegsflüchtling oder unerlaubter Aufenthalt registriert sind. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen liegt der Zeitung zufolge bei 8,6 Prozent. Das ist demnach deutlich mehr als der Anteil, den Zuwanderer plus Asylberechtigte an der Gesamtbevölkerung haben, nämlich dem Blatt zufolge weniger als zwei Prozent.

Schlüssel zur Integration: Sprache und Bildung

Zuwanderer seien häufiger Belastungsfaktoren ausgesetzt und neigten dadurch eher zu Kriminalität, erklärte Dominic Kudlacek vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zu den Daten. Dazu zählten mangelnde Sprachkenntnisse und Bildung sowie wenig Geld und Perspektiven. Dies sei besonders ein Problem junger Männer, die im urbanen Raum leben. Sie seien zudem oft allein eingereist und es fehle an sozialer Kontrolle. "Junge Männer begehen eher Straftaten als ältere Frauen, das ist überall so." Ein wichtiger Schlüssel zur Integration sei die Sprache. "Erstens muss massiv in Bildung investiert werden. Zweitens müssen klare Grenzen gesetzt werden. Drittens müssen Anreize geschaffen werden, zurückgehen zu können - damit meine ich Geld."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. April 2017 um 17:15 Uhr.

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