Polizeiliche Kriminalstatistik 2011 Einbrüche und Diebstähle nehmen zu

Stand: 16.05.2012 15:51 Uhr

Mehr Einbrüche und Diebstähle sind der Grund, warum die Kriminalität im Jahr 2011 gestiegen ist - erstmals seit Jahren. Speziell auf teure Elektronik haben es die Diebe abgesehen. Auch wegen der zunehmenden Gewalt gegen Polizisten ist Bundesinnenminister Friedrich beunruhigt.

Von Arne Schulz, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Es waren keine erfreulichen Zahlen, die Bundesinnenminister Friedrich heute in Berlin präsentierte. Nach dem Rekordtief 2010 ist die Kriminalität in Deutschland 2011 wieder leicht angestiegen. Gleichzeitig ging die Aufklärungsquote zurück. "Wir haben einen leichten Anstieg in der größten Deliktsgruppe, die wir überhaupt in der Statistik haben: die Diebstähle", sagte Bundesinnenminister Friedrich.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wird heute die neuen Kriminalitätszahlen präsentieren
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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich stellt die neuen Kriminalitätszahlen vor.

Sie machten 40 Prozent der Straftaten aus. Einen besonderen Anstieg gab es bei den Einbrüchen. Die Kriminalstatistik zeigt hier ein Plus von fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei wird nur jeder sechste Täter gefasst."Bei den Wohnungseinbrüchen muss insbesondere das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger im Vordergrund stehen. Deshalb beschäftigt uns dieses Thema in besonderer Weise", so Friedrich.

Rekordwert des finanziellen Schadens durch Einbrüche

Weil immer häufiger teure Elektronik gestohlen wird - Flachbildfernseher oder Smartphones - hat der finanzielle Schaden durch Einbrüche einen Rekordwert erreicht. Nach Angaben der deutschen Versicherungswirtschaft zahlten die Versicherungen den Betroffenen im vergangenen Jahr rund 430 Millionen Euro.

Niedersachsen und Bayern wollen das Thema zu einem Schwerpunkt der Innenministerkonferenz Ende Mai machen. Heute schloss sich Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier den Plänen an. Er ist zurzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz. Caffier betonte: "Wir haben insbesondere in Grenznähe ein Problem mit der Eigentumskriminalität. Hier haben wir wesentlich mehr nicht-deutsche Tatverdächtige als im Landesdurchschnitt."Doch sind die Einbrüche tatsächlich auf Banden aus Polen oder Tschechien zurückzuführen? Friedrich relativierte das umgehend: "Ich warne vor vorschnellen, leichten Erklärungen. Das liegt daran, dass es keine Grenzkontrollen gibt."

Gewalt gegen Polizisten hat zugenommen

Tumulte im Stadion beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC | Bildquelle: dpa
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Gewalt in Zusammenhang mit Fußballspielen wühlt Friechrich auf

Der Bundesinnenminister thematisierte neben den Wohnungseinbrüchen vor allem die Gewalt gegen Polizisten. Gerade im Zusammenhang mit Fußballereignissen habe ihn das in besonderer Weise aufgewühlt. Gestern Abend hatten Zuschauer des Fußballspiels Düsseldorf gegen Berlin zahlreiche Feuerwerkskörper gezündet. Einige stürmten noch während des Spiels den Platz. Dass die Fußballgewalt im vergangenen Jahr zugenommen hat, lässt sich an der Kriminalstatistik allerdings nicht ablesen, da sie nicht gesondert erfasst wird.

Insgesamt gebe es aber eine Zunahme von Sachbeschädigungen und Gewaltdelikten, gerade an Bahnhöfen und in Zügen, so Friedrich. Und die dürften wohl zu großen Teilen von Fußballfans verübt werden. Gerade wenn Alkohol im Spiel sei.

Betrüger und Hacker Internetkriminalität

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier sprach sich dafür aus, vorhandene Mittel wie beispielsweise die Videoüberwachung bei Fußballspielen auszubauen. "Das erzeugt aber sofort Gegenwehr", sagt Caffier. Der Fußball müsse das eigentlich selbst in den Griff bekommen. Da fehle ihm aber momentan der Glaube. "Es kann aber nicht immer nur nach der Polizei gerufen werden. Wir brauchen da Kooperationsbereitschaft."

Ein Thema, das noch in der Kriminalstatistik 2010 im Mittelpunkt stand, fand heute dagegen kaum Beachtung: die Internetkriminalität. Obwohl sich in der neuen Statistik besser nachvollziehen lässt, welche Delikte Kriminelle im Internet begehen. Die meisten Straftaten gingen auf das Konto von Betrügern und Hackern, die sich in fremde Computer einloggten, um Daten zu stehlen.


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