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29.05.2012

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Inland
Kriegsverbrecherprozess in München (Foto: dpa)
Lebenslang für Scheungraber in NS-Kriegsverbrecherprozess
Massaker in Italien 1944

Lebenslang für NS-Kriegsverbrecher

Wegen Mordes an 14 italienischen Zivilisten im Kriegsjahr 1944 hat das Landgericht München einen 90-jährigen früheren Wehrmachtsoffizier zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Strafkammer sprach Josef Scheungraber des zehnfachen Mordes und versuchten Mordes schuldig. Angeklagt war er wegen 14-fachen Mordes und eines versuchten Mordes.

Das Urteil wurde im Gerichtssaal mit Beifall aufgenommen. An der Urteilsverkündung nahmen auch Hinterbliebene der Opfer teil.

Vergeltungsakt für Partisanenüberfall

Scheungraber wurde für schuldig befunden, im Juni 1944 als Kompanieführer des Gebirgspionierbataillons 818 in der Toskana einen Vergeltungsakt für den Tod zweier deutscher Soldaten bei einem Partisanenüberfall befohlen zu haben. Bei diesem Vergeltungsakt wurden vier Italiener erschossen und zehn weitere Männer in einem Bauernhaus in Falzano di Cortona in die Luft gesprengt. Ein 15-Jähriger überlebte als Einziger.

Josef Scheungraber (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das Urteil gegen Scheungraber wurde im Gerichtssaal mit Applaus aufgenommen. ]
Die Sühneaktion habe Unschuldige getroffen, da man der wahren Täter nicht habhaft werden konnte, sagte Richter Manfred Götzl: "Bei seinem Vorgehen kam es dem Angeklagten darauf an, seinen Hass wegen des Todes seiner Soldaten abzureagieren und sich zu rächen." Die Erlaubnis zu der Sühnemaßnahme habe Scheungraber selbst von der Division eingeholt: "Den Befehl von oben hatte der Angeklagte auf seine Initiative erhalten", sagte der Richter.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und argumentiert, es gebe kein schriftliches Dokument, das einen Befehl des Kompanieführers dokumentiere. Allein seine Armeeangehörigkeit oder Befehlskette könnten nicht zu einem Schuldspruch führen. Scheungraber hatte im Vorfeld gesagt, er habe von dem Massaker nicht einmal gewusst. In seinem Schlusswort beklagte er sich, er habe viele Jahre seines Lebens "diesem Vaterland geopfert" und stehe nun mit fast 91 Jahren als Angeklagter vor Gericht.

Mitarbeiter machte belastende Aussage

Kriegsverbrecherprozess in München (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Demonstranten protestieren vor dem Münchner Gericht mit den Namen der Opfer. ]
Dagegen forderte die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Sie stützt sich auf Dokumente wie sogenannten Banden-Lagekarten, auf denen Vergeltungsaktionen gegen Partisanen vermerkt wurden.

Die Anklagebehörde warf Scheungraber Mord aus niedrigen Beweggründen und Grausamkeit vor. Die Tat sei "menschenverachtend". Der Offizier habe an unschuldigen Zivilisten Rache für den Tod der Kameraden nehmen lassen. Die Opfer hätten vor der Sprengung Todesängste ausstehen müssen.

Überraschende Zeugenaussage bringt die Wende

Für eine überraschende Wendung in dem elf Monate dauernden Prozess hatte ein Zeuge gesorgt, der sich erst vor kurzem bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte: Der frühere Mitarbeiter in der Möbelschreinerei des Angeklagten hatte ausgesagt, dieser habe einmal mit seiner Beteiligung an dem Massaker angegeben. Scheungraber hatte jahrzehntelang unbehelligt in seinem oberbayerischen Heimatort gelebt. Im September 2006 war er bereits von einem Militärgericht im italienischen La Spezia in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

In einem weiteren NS-Verfahren hat die Staatsanwaltschaft München I den mutmaßlichen Wachmann im Vernichtungslager Sobibor, John Demjanjuk, wegen Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden angeklagt. Der 89-Jährige sitzt seit seiner Abschiebung aus den USA im Mai in München in Untersuchungshaft. Der Prozess soll im Spätherbst beginnen.

Stand: 11.08.2009 12:14 Uhr
 

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