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Deutscher Krebskongress in Berlin
Auf der Suche nach der bestmöglichen Vorsorge
Es klingt ganz logisch: Je früher ein Krebstumor gefunden wird, desto besser ist er zu behandeln. Flächendeckende Programme zur Früherkennung retten also Leben. Aber sie bringen auch Nachteile mit sich. Wie kann Vorsorge verbessert werden, ohne über das Ziel hinauszuschießen? Darum geht es heute beim Krebskongress.
Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in diesem Jahr etwa 490.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs erkranken. Das sind 20.000 mehr als vier Jahre zuvor. Der Grund: Die Menschen werden immer älter. Und die meisten Krebserkrankungen treten vor allem im hohen Alter auf, sagt Klaus Kraywinkel vom Zentrum für Krebsregisterdaten am RKI. "Mit einem etwas anderen Blick auf die gleichen Daten lassen sich jedoch auch die Erfolge in der Krebsbekämpfung, vor allem im Bereich der Therapie demonstrieren. Starben vor 1980 noch mehr als zwei Drittel der Patienten an ihrer Krebserkrankung, so sind es heute weniger als die Hälfte."
Intelligente Früherkennung statt flächendeckender Screenings
P. Mücke, ARD Berlin
21.02.2012 20:47 Uhr
Das heißt aber auch: Immer mehr Menschen leben mit einer Krebserkrankung. Derzeit sind es etwa 1,4 Millionen, bei denen in den vergangenen fünf Jahren eine Krebsdiagnose gestellt wurde. "So sind erste Effekte von Mammographie und Hautkrebs-Screening bereits erkennbar. Die Erkrankungszahlen sind unmittelbar nach der Einführung zunächst einmal deutlich angestiegen. Das deutet darauf hin, dass Krebserkrankungen durch diese Maßnahmen tatsächlich wesentlich früher erkannt werden als vorher", sagt Kraywinkel.
Risiko: Überdiagnose und Übertherapie
Als eines von wenigen Ländern weltweit gibt es in Deutschland schon seit Jahren flächendeckende Früherkennungsprogramme. Doch bei allem Nutzen dieser Programme müsse man auch an die Risiken für die Patienten denken, warnt Peter Albers. Er ist Direktor der Urologischen Abteilung der Uni-Klinik Düsseldorf. "Wir wissen, dass eine Krebsfrüherkennung beim Prostata-Karzinom Leben rettet. Auf der anderen Seite wissen wir aber, dass es zu einer enormen Überdiagnose und eine Übertherapie führt, wenn ich zu viele gesunde Patienten screene."
Das heißt: Viele eigentlich gesunde Patienten unterziehen sich einer Operation oder einer anderen Behandlung, ohne dass das notwendig wäre. Das gleiche gelte auch für Brustkrebs, sagt Albers, der auch Präsident des Deutschen Krebskongresses 2012 ist. "Wir kommen beim jetzigen Stand der Debatte so nicht weiter, wenn wir immer versuchen, mit einem Test eine ganze Erkrankung zu behandeln und früh zu erkennen. Wir landen dann immer wieder bei dem gleichen Problem: Eine hohe Rate an Gesunden, die wir zu Kranken machen. Und eine Rate natürlich von potenziellen Patienten, denen ich tatsächlich einen Krebstod ersparen kann."
Intelligente Früherkennung statt flächendeckende Screenings
Albers plädiert deshalb für eine intelligentere Früherkennung statt flächendeckender Screenings: "Mein Plädoyer, auch im Rahmen dieses Kongresses, wird sein, dass man sich mehr um Risikogruppen kümmert. Und das ist auch ein Teil des nationalen Krebsplans. Intelligente Krebsfrüherkennung bedeutet, dass man versucht, Risikogruppen herauszufiltern, für die wir eine etwas höher frequentierte Früherkennung tatsächlich verlangen müssen. Und diese Patienten profitieren dann eben auch wirklich von dieser Früherkennung."
Nationaler Krebsplan
Der nationale Krebsplan ist im Sommer 2008 als Kooperationsprogramm gestartet, an dem mehr als 20 Organisationen und mehr als 100 Fachexperten beteiligt sind. Dabei geht es neben der Früherkennung auch um Versorgungsstrukturen, bessere Arzneimitteltherapien und Patientenorientierung.
Bilanz des 2005 gestarteten Mammographie-Screening-Programms vorgestellt
tagesschau 17:00 Uhr, 22.02.2012, Esther Neumeier, RBB
"In den vergangenen Jahren haben Patientenwissen von Selbsthilfeorganisationen und Synergieeffekte großer Netzwerke dazu beigetragen, dass sich das Arzt-Patienten-Verhältnis von einem paternalistischen hin zu einem partnerschaftlichen gewandelt hat", berichtet die Ehrenvorsitzende des Vereins "Frauenselbsthilfe nach Krebs", Hilde Schulte. "Dank des Motors Patient also dank der Einflussnahme von Betroffenen hat sich in der Krebsbehandlung vieles zum Besseren gewandelt." Vor allem beim Brustkrebs hätten Patientinnen dafür gesorgt, dass sogenannte Brustzentren aufgebaut und Therapieleitlinien vereinheitlicht worden sind.
Stand: 22.02.2012 03:13 Uhr
