Der Angeklagte Niels H. versteckt sein Gesicht hinter einer Akte.

Verurteilter Krankenpfleger Niels H. soll 84 weitere Menschen getötet haben

Stand: 28.08.2017 10:48 Uhr

Niels H. sitzt bereits wegen Mordes an Patienten in Haft. Doch das ganze Ausmaß seiner Verbrechen kam erst nach und nach ans Licht. Eine Sonderkommission hat jetzt Bilanz gezogen - sie geht davon aus, dass H. weitere 84 Menschen tötete.

Der verurteilte Patientenmörder Niels H. soll 84 weitere Menschen auf dem Gewissen haben. Das gaben die Ermittler in Oldenburg bekannt. Der heute 40 Jahre alte ehemalige Krankenpfleger musste sich vor Gericht bereits für sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten und verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe.

Würde er auch für die 84 weiteren Taten für schuldig befunden, wäre es eine der größten Mordserien in der deutschen Kriminalgeschichte.

Niels H. hatte Patienten im Krankenhaus Medikamente gespritzt, die Herzversagen oder einen Kreislaufkollaps auslösten. Dann belebte er die Schwerkranken wieder, um als heldenhafter Retter vor seinen Kollegen dazustehen. Das gelang jedoch nicht immer. Auch an seiner früheren Arbeitstelle am Klinikum Oldenburg soll er Patienten getötet haben. In sechs Fällen hatte sich der Ex-Pfleger bereits vor Gericht verantworten müssen.

Lebenslange Haft

Die Richter hatten ihn unter anderem wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Prozess hatte er aber deutlich mehr Taten gestanden.

Wie viele Menschen er tatsächlich auf dem Gewissen hat, versuchte über drei Jahre eine Sonderkommission der Polizei zu klären. Die Ermittler werteten Hunderte Patientenakten aus und ließen mehr als 100 Leichen ausgraben, um diese auf Rückstände von Medikamenten zu untersuchen.

Die Zahl der Todesfälle, für die Niels H. verantwortlich ist, liege wahrscheinlich noch um ein Vielfaches höher, weil viele Patienten eingeäschert worden sind, sagte der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme. Das auffällig viele Patienten während der Schichten von Niels H. starben, fiel in beiden Kliniken auf.

Konkrete Hinweise

In Delmenhorst lagen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber auch konkrete Hinweise vor, dass er Patienten tötete. Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen. Die Ermittlungen gegen Verantwortliche am Klinikum Oldenburg laufen noch. "Die Morde hätten verhindert werden können", sagte Kühme. Die damals Verantwortlichen hätten aus Sicht der Ermittler schneller handeln und Unterstützung suchen sollen. "Im Klinikum Oldenburg wusste man um die Auffälligkeiten", sagte Kühme.

Über dieses Thema berichtete am 28. August 2017 die tagesschau um 10:43 Uhr und 12:00 Uhr sowie NDR Info um 11:15 Uhr.

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