Barmer-Krankenhausreport: Weniger Fälle von Darmkrebs

Krankenhausreport der Barmer GEK

Darmkrebs nimmt ab - Vorsorge greift

Die Darmkrebs-Früherkennung zeigt Wirkung. Zu diesem Schluss kommt der Krankenhausreport der Barmer GEK: Seit 2005 ist die Zahl der Behandlungen demnach klar gesunken. Zugenommen hätten dagegen psychische Erkrankungen.

Von Angela Tesch, ARD-Hauptstadtstudio

Die Deutschen sind - generell betrachtet - nicht gesünder geworden. Sie müssen ähnlich oft ins Krankenhaus wie in den Vorjahren. Doch es gibt regionale Unterschiede: In Bremen wurden 2012 laut Krankenhausreport 2013 der Barmer GEK 197 Fälle pro 1000 Versicherte stationär behandelt. Darunter liegt nur noch Baden-Württemberg mit 182 Fällen.

Deutlich öfter ins Krankenhaus werden Sachsen-Anhalter und Thüringer überwiesen - in knapp 240 Fällen im vergangenen Jahr. Über die Gründe sagt der Krankenhausreport nichts.

Weniger Herz-Kreislauferkrankungen

Darmspiegelung (Bildquelle: dpa)
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Eine Darmspiegelung wie bei dieser Patientin im Krankenhaus Lutherstift in Seelow soll Schlimmeres verhüten.

Bei den Diagnosen gibt es keine Überraschungen, sagt die Gesundheitsforscherin Eva Maria Bitzer vom Autorenteam des Reports: "Wir beobachten seit vielen Jahren, dass die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Behandlungsanlass abnehmen." Diese Abnahme habe sich allerdings in den vergangenen Jahren etwas verlangsamt.

"Was seit ungefähr acht Jahren weiterhin zunimmt, sind die Krankenhaustage aufgrund von psychischen Störungen", sagt Bitzer weiter. Männer mit psychischen Problemen werden deshalb knapp 20, Frauen sogar 25 Tage lang stationär betreut. Und oft genug ist das noch zu wenig. Die Rückfallquote bei psychischen Erkrankungen ist hoch, ambulante Betreuungsplätze fehlen.

Zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren

Der Krankenhausreport hat sich dieses Mal auf die Behandlung von Darmkrebs konzentriert. Eine tückische Krankheit, erklärt Barmer Vize-Vorstand Rudolf Schlenker, die sehr häufig auftritt: "Wir haben Betroffenenzahlen von an die 70.000 Neuerkrankungen, die im Krankenhaus im Jahr frisch behandelt werden müssen."

Krankenhausreport: Klinikaufenthalte werden immer kürzer
tagesschau 14:00 Uhr, 23.07.2013, Anja Jeschonneck, RBB

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Die gute Nachricht: Seit 2005 ging die Zahl der Behandlungsfälle in Krankenhäusern um 21 Prozent zurück - bei Frauen waren es 23 Prozent, bei Männern mit 19 Prozent etwas weniger. Für Schlenker ist es der Beleg dafür, "dass das aktuelle Früherkennungsprogramm für Darmkrebs tatsächlich wirksam ist".

Die Kassen übernehmen ab dem 50. Lebensjahr die Beratung und den Test, ob Blut im Stuhl ist. Ab 55 Jahren werden zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren bezahlt, bei familiärer Vorbelastung auch öfter. Bis 2017 soll für die Darmkrebsvorsorge ein ähnliches Einladungssystem entwickelt werden - wie beim Mammografie-Screening.

Studie fordert gesetzliche Vorsorgepflicht

Die Vorsorgeuntersuchungen, aber auch die Behandlungen mittels Chemotherapie oder Bestrahlung haben sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr von den Krankenhäusern in die ambulanten Facharztpraxen verlagert. Die Gesundheitsforscherin Bitzer fordert eine Ausweitung der gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen im höheren Alter: "Der Großteil der Erkrankten, die wir im Krankenhaus behandeln, ist zwischen 70 und 80 Jahren alt. Da treten sehr viel mehr Fälle auf, die wir verhindern könnten."

Eine Darmspiegelung, bei der Polypen im Frühstadium entfernt werden, würde die Überlebenschancen der Patienten deutlich erhöhen. Die Hälfte der operierten Darmkrebspatienten stirbt dagegen innerhalb von fünf Jahren nach der OP.

Stand: 23.07.2013 16:27 Uhr

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