Lebensmittelangebote in einem Online Portal. | Bildquelle: dpa

Einkaufen 2.0 Brot und Butter aus dem Internet

Stand: 26.04.2017 15:33 Uhr

Das Smartphone als Supermarkt der Zukunft - damit soll zukünftig der Einkauf zeitsparend zwischendurch erledigt werden. In diesem Bereich gibt es immer mehr Anbieter - doch nicht alle Geschäftsmodelle sind ausgereift.

Von Kristin Becker, SWR

Joghurt. Spargel. Butter. Eier. Salat. Ein paar Äpfel. Und eine Gurke. Kurz vor Mitternacht hat Sonja Baumhauer ihren Einkauf gemacht. Im Internet. Jetzt, am frühen Nachmittag, kontrolliert sie, ob der Lieferdienst die richtigen Waren gebracht hat und ist zufrieden.

Seit etwa einem Dreivierteljahr bestellt sie ihre Lebensmittel online. "Ich gehe einfach nicht gern einkaufen“, sagt sie. Außerdem werde alles gut gekühlt und bis an die Wohnungstür geliefert. Das findet, ein paar Kilometer weiter, auch Sibylle Kramer praktisch. Die Lehrerin hat literweise Milch bestellt. Und ist froh, die nicht selbst schleppen zu müssen.

Lieferung nur gegen Gebühr

Stattdessen tragen Johannes Kunkel und seine Mitarbeiter von Lieferladen.de die Ware die Treppe hoch - wenn nötig auch bis in den 5. Stock. Seit fast sieben Jahren gibt es den Stuttgarter Onlinehändler, der sich auf frische Ware von regionalen Anbietern spezialisiert hat.

Kunkels Kunden kommen aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen: "Junge Familien, Leute, die berufstätig sind und keine Zeit haben, einzukaufen, Menschen, die vielleicht nicht mehr einkaufen können oder ihre Zeit einfach anders nutzen wollen als im Supermarkt Schlange zu stehen." Jeden Morgen bringen Bäcker, Metzger und andere lokale Erzeuger ihre Produkte abgezählt oder abgewogen zu Kunkels Lager am Rand von Stuttgart. Dort werden die Bestellungen sortiert und ab 14 Uhr in der Stadt ausgeliefert - für eine Gebühr von 3,90 Euro.

Einkaufen 2.0: Lebensmittel online bestellen
tagesschau24 11:00 Uhr, 26.04.2017, Kristin Becker, SWR

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Kühlkette und Verpackungsmüll

Auch viele große Supermärkte bieten den Online-Einkauf an. Die Zustellung erfolgt ebenfalls per Lieferservice oder Paketdienst. Allerdings muss der Kunde in jedem Fall zu Hause sein, wenn das Essen kommt. Verpasst man den Boten, bleibt der Kühlschrank erstmal leer. Bei Anbietern, die per Paket versenden, fallen außerdem meist große Mengen Verpackungsmüll an. Und auch das Einhalten der Kühlkette funktioniert nicht immer, kritisiert die Verbraucherzentrale Brandenburg, die kürzlich 32 Onlinehändler getestet hat.

Lebensmittel in großem Stil

Per Mouseclick nicht nur Bücher und Klamotten bestellen, sondern auch den Kühlschrank füllen - mehr als drei Millionen Deutsche tun das inzwischen wissenschaftlichen Schätzungen zufolge. Noch ist der Anteil von Lebensmitteleinkäufen im Netz aber relativ gering. Er macht laut Branchenerhebungen etwa einen Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. Doch das könnte sich bald ändern. In der Branche rumort es, seit der Internetkonzern Amazon angekündigt hat, bald auch in Deutschland in großem Stil frische Lebensmittel ausliefern zu wollen. Und zwar kurzfristig.

Drohnenzustellung und autonome Lieferfahrzeuge

Bisher bieten nur wenige Händler die Zustellung am selben Tag oder gar innerhalb von wenigen Stunden an. Eine solche Logistik sei teuer, sagt Sven Köhler, Handelsexperte der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Lange habe die Branche in Deutschland das Onlinegeschäft nicht wirklich ernst genommen.

Und auch jetzt hapere es oft noch bei der Abwicklung. "Wirklich interessant wird es doch in den heißen Phasen, etwa vor Feiertagen - bekomme ich dann kurzfristig noch was geliefert?" Meistens, so Köhlers eigene Erfahrung, klappe das nicht. "Und wer will schon drei Tage warten?" Drohnenzustellung und autonom fahrende Lieferfahrzeuge könnten den Markt in den nächsten Jahren revolutionieren, meint der Wirtschaftswissenschaftler.

Im Internet bestellt, am Bahnhof abholt

Ein anderes Modell testet Edeka gerade am Stuttgarter Hauptbahnhof. An einer Art Paketstation mit speziellen Kühlfächern kann man abholen, was man sich vorher im Internet bestellt hat. Zweimal am Tag wird die "Bahnhofsbox" beliefert, mindestens vier Stunden vorher muss der Kunde seinen Einkauf auf der Website zusammenstellen. Vor allem Pendler will man damit ansprechen.

Allerdings sind ähnliche Versuche schon gescheitert: Gerade erst hat Globus sein Projekt "Drive" eingestellt, bei dem Kunden außerhalb der Geschäftszeiten ihre Einkäufe an Abholstationen mitnehmen konnten. Es wurde laut Firmenmitteilung noch von zu wenigen Kunden angenommen worden, um es wirtschaftlich betreiben zu können.

Kaum schwarze Zahlen im Netzgeschäft

Wegen der geringen Margen im Lebensmittelhandel schreibt bisher kaum einer schwarze Zahlen mit dem Netzgeschäft, das zunächst vor allem zusätzliche Kosten erzeugt. Und trotzdem - der Internetverkauf von Obst, Wurst und Joghurt ist ein Wachstumsmarkt. Das könnte auf Kosten der Händler gehen, die ihre Ware weiterhin nur analog - also im Geschäft - anbieten.

In der "Wirtschaftswoche" warnt Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter in Deutschland, vor einer Pleitewelle: "Der zusätzliche Preisdruck durch Onlineanbieter verschärft die Situation und könnte Tausende Arbeitsplätze kosten."

Das Smartphone als Supermarkt

Aber werden wir unser täglich Brot und die dazu gehörige Butter tatsächlich bald nur noch digital einkaufen? "Der Supermarkt der Zukunft ist das Smartphone", sagt Experte Köhler. Und denkt trotzdem nicht, dass der Laden um die Ecke damit ausgedient hat. Mit dem Einkaufen vor Ort sei ein Erlebnis verbunden - sehen, riechen und vielleicht sogar schmecken. Außerdem, so Sven Köhler, "gehen viele Menschen gerne einkaufen, um andere Menschen zu treffen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. April 2017 um 11:00 Uhr.

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