Kommentar

Horst Seehofer | Bildquelle: dpa

CSU-Machtkampf Die Revolution ist abgesagt - vorerst

Stand: 27.09.2017 21:41 Uhr

In München wird am Stuhl von CSU-Chef Seehofer gesägt, doch sein Sturz wird vorerst vertagt. Jetzt steckt die CSU aber in einem Schwebezustand, mit dem sie weder sich, noch einer Koalition in Berlin einen Gefallen tut.

Ein Kommentar von Oliver Köhr, ARD-Hauptstadtstudio

So, die CSU-Revolution ist erst einmal abgesagt, alle können sich wieder hinlegen. Vielleicht machen wir das später. Vielleicht aber auch gar nicht. Warum ist die Revolution aber abgesagt? Weil über Personal ja beim Parteitag diskutiert wird - das ist allen Ernstes die offizielle Erklärung. Sie ist grotesk und lächerlich.

Wenn man CSU-Chef Horst Seehofer loswerden will, warum dann noch zwei Monate warten? Nein, es ist eine rein praktische Entscheidung. Wer sonst soll die Koalitionsverhandlungen führen? Seehofer hat sich damit Zeit verschafft. Aber was kann er bis November erreichen? Bis dahin ist vielleicht sondiert, bis dahin haben vielleicht Koalitionsverhandlungen begonnen.

Einen Koalitionsvertrag kann er ziemlich sicher noch nicht vorweisen. Keine Obergrenze, keine Ministerposten in Berlin, kein gar nichts. Natürlich kann er mit der Basis sprechen. Aber was will er da erklären? Warum er monatelang Angela Merkel für irgendwie alles kritisiert und die CSU fast schon gegen sie aufgehetzt hat und die beiden dann plötzlich wieder beste Freunde waren? Seehofer hat sich verrannt, und spätestens seit dem Wahlabend weiß er das auch.

Der Kommentar von Oliver Köhr, MDR, zum Machtkampf in der CSU
tagesthemen 22:15 Uhr, 27.09.2017

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Klappt der geordnete Übergang?

Und was macht sein Gegenspieler Markus Söder? Was hätte der gewonnen, wenn er Seehofer jetzt beiseite geräumt hätte? Dann wäre er für alles verantwortlich: für Koalitionsverhandlungen, für ungeliebte Kompromisse mit den Grünen und am Ende auch für ein möglicherweise schlechtes Landtagswahlergebnis. Wenn es also ganz dumm läuft, wäre der Kronprinz nach einem Jahr wieder weg vom Fenster. Also nichts gewonnen.

Seehofer oder Söder oder jemand ganz anderes. Die Frage bleibt erst einmal unbeantwortet. Mit diesem Schwebezustand tut die CSU niemandem einen Gefallen - weder einer Koalition in Berlin noch sich selbst. Man kann nur hoffen, dass beim CSU-Parteitag der vielbeschworene geordnete Übergang beschlossen wird - bei Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt. Wenn das nach all dem Getöse und den Revolutionsversuchen gelingen würde, wäre das auch fast schon revolutionär.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. September 2017 um 22:15 Uhr.

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