CDU-Erneuerung

AKK - mehr als ein Merkel-Klon

Stand: 19.02.2018 20:39 Uhr

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer kommt eine erfahrene Strategin ins Adenauerhaus. Zu glauben, sie käme ohne Ambitionen für Höheres nach Berlin, wäre naiv.

Ein Kommentar von Tina Hassel, ARD-Hauptstadtstudio

Das war eine echte, kleine Sensation. All jenen, die in der CDU lautstark "Erneuerung" rufen und dabei vor allem an sich selber denken, muss die Farbe aus dem Gesicht gefallen sein. Für Spahn und Co. könnte sich das Blatt neu mischen. Da folgt nämlich nicht nur die "Mini-Merkel" der Großen.

AKK, wie Merkels Allzweckwaffe genannt wird, ist mehr als der Klon der Parteivorsitzenden. Mit ihr kommt eine erfahrene Strategin ins Adenauerhaus. Eine mit eigenem Kopf und Sieger-Image, die auf dem Höhepunkt des Schulz-Hypes bewiesen hat, dass die CDU Landtagswahlen auch gegen den Trend gewinnen kann.

Gesellschaftlich konservativ, aber sozialpolitisch liberal - gegen die Ehe für alle, aber für die Frauenquote - in dieser Mischung liegt viel Potenzial. Sie könnte Wähler zurückgewinnen, die das Merkelsche "Weiter so" nicht mehr ertragen, die aber abgeschreckt sind vom Testosteron geschwängerten Ruf nach der konservativen Revolution.

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Tina Hassel, WDR, kommentiert die Personalentscheidung in der CDU

tagesthemen 22:15 Uhr, 19.02.2018

Stärkste Botschaft: Schleudersitz statt sichere Regierungsbank

Dass die Ministerpräsidentin selber die Idee hatte, ihr sicheres Regierungsamt gegen den Schleudersitz des Generalsekretärs zu tauschen, dürfte ihre stärkste Botschaft werden. Wer kann in Zeiten galoppierender Politikverdrossenheit schon sagen: Seht her, uns zieht es nicht nur an die Fleischtöpfe. Wir geben sie sogar auf, im Dienst der Partei. Das könnte der Stoff für eine echte Erfolgsgeschichte werden - zumindest wenn sie nicht gleich wieder zerredet wird.

Und noch eine Überraschung bringt der heutige Tag: Angela Merkel will es noch mal wissen und ihr Erbe selber regeln. Zu glauben, dass die machtbewusste Saarländerin ohne Ambitionen für Höheres nach Berlin wechselt, wäre naiv. Auch Merkel war Generalsekretärin, bevor sie Parteichefin wurde. Auch wenn sie das heute bei der Pressekonferenz ganz zufällig vergessen hatte.