Umgang mit Parteien

Die AfD - eine Partei wie jede andere

Stand: 10.11.2017 16:35 Uhr

Die AfD ist eine ganz normale Partei. Und die Tagesschau verzichtet auch darauf, immer das Attribut "rechtspopulistisch" zu verwenden. Ist das Heuchelei oder gar Einknicken? Keineswegs, meint ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke. Und es ändert auch nichts daran, dass die AfD rechtspopulistisch ist.

Ein Kommentar von Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell

Die AfD ist eine Partei wie jede andere auch! Mit diesem Satz habe ich vor kurzem für viele überraschte Reaktionen gesorgt. Die einen staunten ungläubig und haben mir Heuchelei vorgeworfen, weil die Tagesschau angeblich tendenziös über die AfD berichtet und die Partei abwertend darstelle.

Die anderen sorgten sich, die grundgute Tagesschau sei nun vor dem Druck der Populisten eingeknickt. Schon seit Monaten sagen wir nicht mehr wie früher immer "die rechtspopulistische AfD", sondern verkneifen uns die ständige Nennung dieses Attributs. Das wurde von manchen Zuschauern als erstes Zugeständnis an die AfD gewertet. Und jetzt noch die Aussage des Chefredakteurs, die AfD sei eine Partei wie jede andere auch. Die Tagesschau ist in Augen dieser Kritiker unkritisch, unjournalistisch und verzagt geworden.

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Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, zum Umgang mit der AfD

Holzhammer nervt

Dazu möchte ich einiges klarstellen. Ich halte die AfD nach wie vor für rechtspopulistisch. Populistisch, weil sie für sich in Anspruch nimmt, anders als die etablierten Parteien den "wahren" Volkswillen auszudrücken. Und "rechts"-populistisch, weil die Partei autoritäre Lösungen parat hat, antipluralistisch und ablehnend gegenüber Migranten ist.

Aber müssen wir deshalb wie ein  Holzhammer immer und immer wieder sagen, dass die AfD rechtspopulistisch ist? Das nervt und wird als verkappte Stimmungsmache gegen diese Partei empfunden.

Ich bleibe dabei, wir behandeln die AfD wie jede andere Partei auch. Und auch über andere populistische Strömungen und Organisationen in Europa berichten wir in der Tagesschau unvoreingenommen  und unabhängig. Keine Sorge, wir werden sie nicht "jagen" - aber ein waches Auge, das werden wir darauf haben, wenn eine Partei oder Teile von ihr antidemokratische oder gar rassistische Politik propagieren.